Verkehrsader verlegt  Hunderte Bäume fallen für Rheiderlandstraße – so geht’s weiter

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 09.10.2024 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf Teilen der Rheiderlandstraße – wie entlang einer Halle der Meyer Werft – gilt Tempo 60. Foto: Vogt
Auf Teilen der Rheiderlandstraße – wie entlang einer Halle der Meyer Werft – gilt Tempo 60. Foto: Vogt
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Die Rheiderlandstraße verbindet das Emsland und den Kreis Leer. Ein Stück wird verlegt. Derzeit werden dafür wieder Hunderte Bäume gefällt. Was kostet das Ganze und wie geht’s weiter?

Rheiderland - Die Rheiderlandstraße verbindet den Kreis Leer und den Kreis Emsland. Die K158 wird bald von einer Verkehrsader zum Großbauprojekt. Die Strecke entlang der Meyer Werft wird verlegt. Derzeit sind die Vorboten nicht mehr zu übersehen. Wir fassen zusammen, was derzeit passiert und was auf Pendler zukommt.

Was passiert gerade?

In Papenburg schreiten die vorbereitenden Arbeiten für die abermalige Teilverlegung der Rheiderlandstraße (K158) voran. Ab dem ersten Oktoberwochenende werden mehrere Hundert Bäume gefällt. Das teilte der Landkreis Emsland am vergangenen Mittwoch mit.

Die im Frühjahr 2017 erstmals öffentlich vorgestellten Planungen sind mehrfach verschoben worden – auch, weil ein Landwirt gegen das Vorhaben klagte. Inzwischen aber sind die Vorboten seit geraumer Zeit sichtbar. Zunächst waren für die Verlegung der Rheiderlandstraße im Papenburger Ortsteil Bokel unter anderem bodenkundliche Untersuchungen durchgeführt, Kampfmittel geräumt und Stromleitungen für die Bahn verlegt worden. Im vergangenen Jahr wurden rund 1000 Bäume gefällt. Seit Juli 2024 ist der Bokeler Torfweg parallel der Bahnstrecke für voraussichtlich drei Jahre gesperrt. Letzteres stößt vor allem Bokeler Bürgern sauer auf.

Nun kündigt der Landkreis ein erneutes Fällen von Bäumen an, diesmal in einem Bereich westlich der Bahnstrecke. Die Arbeiten starteten nach Auskunft der Kreisverwaltung am Samstag, 5. Oktober, beziehungsweise Sonntag, 6. Oktober. Wie Landkreis-Sprecherin Anja Rohde auf Nachfrage mitteilte, erstrecke sich das Fällen von etwa 800 Bäumen „auf den gesamten Bereich der Straßenneutrassierung“.

Wird für das Fällen die Straße gesperrt?

Auch die Emsbrücke im Verlauf der Rheiderlandstraße wurde saniert. Foto: Vogt/Archiv
Auch die Emsbrücke im Verlauf der Rheiderlandstraße wurde saniert. Foto: Vogt/Archiv
Rohde zufolge werden die Arbeiten voraussichtlich den ganzen Oktober laufen. Einschränkungen für den Straßenverkehr seien nur geringfügig. „Es wird keine Vollsperrungen geben“, verspricht Rohde. Das Fällen der Bäume sei notwendig, damit die Erd- und Straßenbauarbeiten wie geplant im Dezember 2024 beginnen könnten. Momentan seien die betreffenden Flächen noch zugänglich. „Bei weiteren Niederschlägen ist zu befürchten, dass dies nicht mehr gewährleistet ist“, heißt es aus dem Kreishaus in Meppen. Die Arbeiten würden ökologisch begleitet. Ersatzanpflanzungen werde es nach Abschluss der Straßenverlegung „im unmittelbaren Eingriffsbereich der Maßnahme“ geben, so Rohde.

Wozu wird die Strecke verlegt?

„Es geht vor allem darum, für Verkehrssicherheit zu sorgen. Drei aktuelle Unfallhäufungsstellen sollen durch die anstehenden Arbeiten beseitigt werden“, erklärte Emslands Landrat Marc-André Burgdorf im Sommer. Zum Hintergrund: Unter anderem wurde auf Teilen der Rheiderlandstraße das Tempolimit heruntergesetzt. Die Rheiderlandstraße gehöre zu den Strecken der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, auf denen in der Vergangenheit „übermäßig viele Unfälle mit schweren Personenschäden“ zu verzeichnen waren, hieß es Anfang 2024. So wurde unter anderem auf dem Streckenabschnitt zwischen der Kreuzung Waldstraße/Deverhafen bis zum Tor 1 und 2 der Meyer Werft die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern auf 60 reduziert. Für das Jahr 2030 ist ein Verkehrsaufkommen von täglich 20.000 Fahrzeugen auf der K158 prognostiziert.

Ein weiterer Grund für die Verlegung sei aber auch die gewerbliche Weiterentwicklung des Hafengebietes nach Angaben der Kreisverwaltung.

Was ist genau für Auto- und Radfahrer geplant?

Die neue Kreisstraße solle künftig südwestlich der vorhandenen Trasse über eine Länge von rund 3,34 Kilometern von der Emsbrücke bei der Meyer Werft (Halte) über den Ortsteil Bokel bis Höhe Friederikenstraße (Papenburg) verlaufen. Sie werde gegenüber der alten Fahrbahn verbreitert.

„Hinzu kommt ein von der Fahrbahn abgesetzter 2,50 Meter breiter Radweg. Radfahrende sollen zudem sicher in einem eigens dafür gebauten Tunnel in Höhe des Bokeler Torfweges die Rheiderlandstraße unterfahren können“, heißt es in einer Mitteilung des Landkreises Emsland weiter.

Was kostet das Projekt?

Der Kreistag hat kürzlich die Mehrkosten in Höhe von knapp zehn Millionen Euro für die Verlegung der K158 gebilligt. Demnach kostet das Projekt inzwischen 37,7 Millionen statt der bisher veranschlagten 28,55 Millionen Euro. Dieser Betrag war das Ergebnis einer Kostenermittlung aus dem Jahr 2020 und sei aktuell nicht mehr zu halten, so die Kreisverwaltung. Gründe seien erhebliche Kostensteigerungen im Bausektor unter anderem wegen der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine.

Wie lange dauern die Arbeiten, welche Sperrungen kommen?

Die Arbeiten werden laut Landkreis voraussichtlich bis Mai 2026 dauern. Unter anderem wird es eine neue Brücke über die Bahntrasse Münster – Emden geben. Die alte Brücke solle im Jahr 2028 zurückgebaut werden. Für die Brückenbauarbeiten wurde der Bokeler Torfweg gesperrt. Bei der neuen Brücke über die Bahnstrecke werde eine Blendschutzwand installiert, die mögliche Lichtreflexionen durch Züge und damit einhergehende Blendungen des Straßenverkehrs unterbinden soll.

Für die Erd- und Straßenbauarbeiten in der Haupttrasse sei der Baubeginn im Dezember 2024 vorgesehen – das Ende der Bauarbeiten für voraussichtlich Mai 2026. „Für die Erd- und Straßenbauarbeiten zur Verlegung der Kreisstraße kann der Großteil der Arbeiten ohne Verkehrseinschränkungen durchgeführt werden“, heißt es vom Kreis Emsland. Nur wenn es anschließend um die Arbeiten für die Anschlüsse unter anderem des Kreuzungspunktes K 158/K 104 und weiterer Bereiche gehe, seien „Verkehrsbehinderungen zu erwarten“ und „Sperrungen unumgänglich“.

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