Auszeichnung des Landes  Albrecht Weinbergs große Stütze – Gerda Dänekas geehrt

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 07.10.2024 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gerda Dänekas wurde für ihr Engagement ausgezeichnet. Foto: Nikola
Gerda Dänekas wurde für ihr Engagement ausgezeichnet. Foto: Nikola
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Die Leeranerin Gerda Dänekas begleitet den Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg zu all seinen Veranstaltungen und engagiert sich für jüdisches Leben in Deutschland. Dafür wurde sie ausgezeichnet.

Leer - Es ist ein denkwürdiger Tag für die Ehrung von Gerda Dänekas. Der 75-jährigen Leeranerin wurde die Medaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten verliehen. An diesem Montag, dem 7. Oktober 2024, wird die Frau ausgezeichnet, die sich seit Jahren um den Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg kümmert und dafür sorgt, dass seine Geschichte und die der vielen von Nationalsozialisten getöteten Juden nicht in Vergessenheit gerät. Eine besondere Auszeichnung an einem besonderen Tag: Vor einem Jahr hatte die Terrororganisation Hamas Israel angegriffen und Hunderte Juden verschleppt oder getötet. Daran erinnert auch Landrat Matthias Groote, der die Ehrung stellvertretend für den Ministerpräsidenten Stephan Weil vornahm.

2012 änderte sich das Leben vom Gerda Dänekas grundlegend. Sie lernte bei ihrer Arbeit in einem Seniorenheim Albrecht Weinberg und dessen Schwester Friedel kennen. Sie war tief beeindruckt vom Leben des Mannes, der die Konzentrationslager der Nazis und drei Todesmärsche überlebte und Deutschland den Rücken kehrte, um in den USA zu leben.

Unterstützt Albrecht Weinberg

Landrat Groote erinnert in seiner Laudatio daran, dass die Mutter von zwei Söhnen und ehemalige Verkäuferin den heute 99-Jährigen dazu ermunterte, seine Geschichte der Welt zu erzählen. Seitdem begleitet sie ihn zu Vorträgen, Lesungen und Treffen mit Schülerinnen und Schülern und das nicht nur in Leer und dem Umkreis, sondern in aller Welt. Immer in der zweiten Reihe, nie spielt sie sich in den Vordergrund. Doch sorgt sie immer wieder dafür, dass Albrecht Weinberg auftritt und über seine Erlebnisse spricht. Ihre Überzeugung ist es: Diese Geschichte darf nicht vergessen werden. „Als Gerda Dänekas 2013 in den Ruhestand ging, war aus dem reinen Verantwortungsgefühl für einen Menschen mit einer derart bewegten Vergangenheit, war aus dem mitfühlenden Interesse an dessen Schicksal des Holocausts, längst eine tiefgreifende Freundschaft erwachsen“, fasste es Groote zusammen. Auch der Leeraner Bürgermeister Claus-Peter Horst zeigte sich tief beeindruckt vom Engagement der 75-Jährigen: „Ich bewundere dich dafür, dass du ein so großes Herz hast.“

Seit Jahren sind Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas gemeinsam unterwegs. Foto: Archiv
Seit Jahren sind Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas gemeinsam unterwegs. Foto: Archiv

Die Freundschaft der beiden ging so weit, dass sie zu Beginn der Corona-Pandemie entschieden, gemeinsam in eine Wohngemeinschaft zu ziehen. Nun sind sie nicht nur Freunde, sondern auch Mitbewohner. Und Albrecht Weinberg ist für Gerda Dänekas eigentlich noch mehr: Er ist Teil ihrer Familie geworden. In ihrem Dank erinnerte sie auch an die Leistungen ihrer Söhne und Enkelkinder. Während ihre Söhne die beiden älteren Herrschaften zu Lesungen und Veranstaltungen durch ganz Deutschland fahren würden, hätten ihre Enkelkinder Albrecht sofort in ihrem Kreis der Familie aufgenommen. „Ich danke euch sehr dafür, das ist nicht selbstverständlich“, sagte sie.

Fordert Lösung für Synagoge

Den Rummel um ihre Person mag sie dagegen weniger. Zu selbstverständlich hält sie ihr eigenes Engagement für jüdischen Leben in Deutschland. Auch an ihrem Ehrentag vergisst sie diesen Auftrag nicht. Denn in ihrer Rede liest sie der Leeraner Politik die Leviten: „Dass mit dem Synagogenplatz, da müssen wir jetzt ran“, sagt sie sehr deutlich. Die Synagoge in Leer stand früher an der Heisfelder Straße 44, dort wo heute die Überreste eine Tankstelle stehen. Auch Albrecht Weinberg hatte im September 2023 bei seiner Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Leer auf die Situation hingewiesen.

Landrat Matthias Groote verlas die Ehrenurkunde für Gerda Dänekas. Foto: Nording
Landrat Matthias Groote verlas die Ehrenurkunde für Gerda Dänekas. Foto: Nording

Klare direkte Ansagen, nichts steht zwischen den Zeilen, so ist der Stil von Gerda Dänekas und so sieht sie auch Albrecht Weinberg. Denn, so erinnerte Groote in seiner Laudation, er sagte bereits vor Jahren beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem: „Gerda is the number one.“

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