Medizin  Elektronische Patientenakte – Ärzte in Ostfriesland skeptisch

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 01.10.2024 17:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Facharzt arbeitet mit einer elektronischen Patientenakte, die ein E-Rezept zeigt. Foto: Kalaene/dpa
Ein Facharzt arbeitet mit einer elektronischen Patientenakte, die ein E-Rezept zeigt. Foto: Kalaene/dpa
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Es gibt noch viele technische Probleme, kritisiert Mareike Grebe, Hausärztin in Hesel. Da komme im Februar 2025 einiges auf Ärzte und Patienten zu.

Leer - Der Papierkram und die Aktenberge sollen raus aus den Praxen – 2025 wird die elektronische Patientenakte (ePA) in Deutschland eingeführt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kündigte jetzt an: „Wir wollen auf keinen Fall, dass es eine Umsetzung gibt, die in der Praxis mehr Ärger macht, als dass sie hilft.“ Ein frommer Wunsch. „Wir sind alle ein stückweit skeptisch“, formuliert es Dieter Krott, Geschäftsführer der Bezirksstelle Aurich der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), vorsichtig.

Deutlicher wird Hausärztin Maike Grebe aus Hesel: „Es wird noch schlimmer als beim E-Rezept, es ist technisch einfach nicht ausreichend vorbereitet“, sagt die Vorsitzende des KV-Bezirksausschusses. Starten soll die ePA ab dem 15. Januar 2025 zunächst in zwei Modellregionen in Franken und Hamburg. Voraussichtlich vier Wochen später soll sie bundesweit für Patienten, Praxen, Kliniken und Apotheken nutzbar sein. Der Hausärzteverband mahnte bereits an, dass die E-Akte technisch stabil laufen müsse.

„Es funktioniert technisch nicht so, wie es gedacht ist“

Dafür sollten die Software-Systeme der Praxen künftig schnell mit der ePA zusammenwirken, machte Lauterbach deutlich. „Bisher funktioniert es aber technisch nicht so, wie es gedacht ist“, sagt Grebe.

Die Akte wird über eine App aufgerufen, die die jeweilige Krankenkasse zur Verfügung stellt. Auch Menschen ohne Smartphone oder Computer sollen Zugriff auf ihre eigene elektronische Patientenakte bekommen. Sie können sich dafür an Apotheken oder ihre Krankenkasse wenden. Wer keine ePA möchte, kann bei seiner Krankenkasse Widerspruch einlegen. Privatversicherte bekommen die Akte nicht automatisch, sondern erst, wenn sie eine Erlaubnis erteilen.

Erstmal nur Medikamentenlist auf der ePA

Behandelnde Ärzte können auf der ePA alle medizinischen Informationen, die jemals über den Patienten von Praxen, Krankenhäusern, Apotheken und anderen Gesundheitseinrichtungen gesammelt wurden, einsehen – sofern sie eingegeben werden. „Wer soll das machen? Zum Start ist erstmal nur die Medikamentenliste abgespeichert. Wir Ärzte speichern dann nur die aktuellen Befunde ein, zu mehr sind wir nicht verpflichtet. Für den Rest ist der Patient selbst zuständig“, erklärt Grebe.

Der Patient entscheidet, ob der Arzt Zugriff auf seine ePA hat und welche Daten er einsehen darf. „Der Patient darf auch alle Daten rauslöschen“, betont Grebe. Die Patienten können jederzeit ihre medizinischen Daten einsehen, einfügen, verbergen, Zugriffsrechte erteilen oder beschränken und nachträglich Widersprüche einlegen.

„Keine Zeit für Erklärungen“

Grebe und ihre Kollegen befürchten, dass die Patienten – wie seinerzeit bei der Einführung des E-Rezepts – wieder mit vielen Fragen in die Praxen kommen werden. „Wir werden aber nicht allen erklären können, wie die ePA funktioniert, dafür haben wir einfach keine Zeit“, betont die Hausärztin.

Die Sache mit der App sieht man bei der KV in Aurich ohnehin kritisch: „Unser Wunsch ist es, dass die Versichertenkarte reicht. Wenn jetzt alle Kassen noch mir ihrer eigenen App kommen, wird das in den Praxen und für die Patienten unnötig zusätzlich kompliziert“, findet Krott.

Auch das Hochladen der Befunde klappe nicht so einfach, wie es sich anhöre, sagt Grebe. Für die Dokumente gebe es eine Art Sicherheitsschranke, die beispielsweise mit den Dateien in Grebes Praxis gar nicht kompatibel ist. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, die ePA sei zunächst eine digital einsehbare Papiersammlung. Ärzte müssen „jedes einzelne Dokument lesen, um die medizinisch notwendigen Informationen rauszufiltern“, so Vorstand Eugen Brysch. Und auch Grebe kritisiert: „Es gibt in der ePA keine Volltextsuche – ich muss mich durch alle Dokumente von oben nach unten durchscrollen.“

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