Berlin Wolfgang Grupp knöpft sich schwerreiche Unternehmer wie René Benko vor
Bei „Hart aber fair“ in der ARD spricht der langjährige Trigema-Inhaber Wolfgang Grupp Klartext zum Thema unternehmerische Verantwortung und gerät dabei in Rage. Er knöpft sich einige Firmenchefs vor.
Wolfgang Grupp empört sich bei „Hart aber fair“ über reiche Unternehmer, obwohl er selbst dazu gehört. Der langjährige Trigema-Inhaber aus Burladingen in Baden-Württemberg gab zum Jahreswechsel nach 50 Jahren den Chefposten bei seinem Textilunternehmen an seine Frau und seine Kinder ab. Dennoch ist Grupp weiterhin in vielen Wirtschaftsfragen ein gefragter Mann und tritt in Talkshows auf. Er verfügt nach Schätzungen über ein Privatvermögen von Hunderten Millionen Euro. Sieht er sich deshalb als superreich an?
Darauf entgegnete der 82-Jährige in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ mit Moderator Louis Klamroth am Montagabend: „Ich verstehe mich als nicht arm“. Für ihn sei derjenige reich, „der mit dem zufrieden ist, was er hat.“ Der in den Ruhestand gewechselte Firmenlenker, der sich einst den Ruf als „König von Burladingen“ erarbeitete und Berühmtheit durch die Werbung mit dem Trigema-Affen erlangte, echauffierte sich über den Umgang von Unternehmenschefs mit ihrem Reichtum und ihren Angestellten.
Bei „Hart aber fair“ stand die Gerechtigkeitsfrage im Zentrum der Diskussion. Zum Thema „Können wir uns die Reichen noch leisten?“ waren als Gäste außer Grupp auch FDP-Politiker Johannes Vogel, Jan van Aken von der Linken, Buchautorin Julia Friedrichs, Immobilienunternehmer Josef Rick und Nadine Metgenberg als Eventplanerin für Luxushochzeiten geladen. Vor allem Grupp trieb die Debatte emotional voran.
Der Unternehmer forderte hinsichtlich des Umgangs mit unternehmerischer Verantwortung: „Wir müssen mal wieder über Anstand und Gerechtigkeit sprechen.“ Chefs sollten für ihr Unternehmen selbst haften und Verantwortung übernehmen. „Diejenigen, die nur abzocken und am Schluss Insolvenz machen, müssen wir in die Haftung bringen“, so Grupp.
Empört äußerte sich der Unternehmer aus Baden-Württemberg über den insolventen Signa-Gründer René Benko aus Österreich. Dieser habe „500 Millionen Staatshilfen“ bekommen und sei auch nach dem Zusammenbruch seines Firmenimperiums Millionär geblieben. Wenn das gerecht sei, müssen man sich nicht über die Reichen unterhalten, sondern über Gerechtigkeit, meinte Grupp.
Er zählte auch Konkurrenten aus der Textilbranche sowie ehemalige Großkunden von Trigema, die Konkurs gingen und Mitarbeiter entlassen mussten, als Negativbeispiele auf.
Respekt zollte Grupp hingegen vermögenden Firmeninhabern wie Reinhold Würth oder Martin Herrenknecht. „Das sind Unternehmer, die Tausende von Arbeitsplätzen unterhalten, wo die Mitarbeiter stolz sind, bei denen zu arbeiten.“
Als großes Problem identifizierte Grupp, dass Manager für Misserfolge nicht mit ihrem persönlichen Vermögen zur Verantwortung gezogen werden könnten. Er schlug vor, für die Haftung Steuervorteile zu geben und nannte einen Rabatt von 50 Prozent. Anders funktioniere es laut Grupp nicht. Zahle er als persönlich haftender Unternehmer die gleichen Steuern, wie jemand, der nicht hafte, „dann geht jeder in die Vollkasko“.
Grupp verwies auf die eigene Erfolgsgeschichte mit Trigema und wie er seinen Angestellten stets ihren Arbeitsplatz garantieren konnte, „auch während der Corona-Pandemie“. Grupp verdeutlichte: „In Burladingen gab es mal 26 Textilfabriken. 25 sind Konkurs gegangen. Alle haben sie eine Villa gebaut, als es ihnen gut ging. Aber keiner hat die Villa verkauft, als er Pleite gemacht hat.“