Berlin  „Nord bei Nordost“: Cordelia Wege wünscht einen Dreh mit dem „Nord bei Nordwest“-Team

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 01.10.2024 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 9 Minuten
Nord bei Nordost: Cordelia Wege als Nina Hagen mit ihrem flauschigen Filmhund Gwena. Foto: NDR/Georges Pauly
Nord bei Nordost: Cordelia Wege als Nina Hagen mit ihrem flauschigen Filmhund Gwena. Foto: NDR/Georges Pauly
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Mit „Nord bei Nordost“ erprobt das Erste ein neues Schwesterformat zum Erfolgskrimi „Nord bei Nordwest“. Hauptdarstellerin Cordelia Wege erklärt im Interview, was man über den Krimi aus dem fiktiven Örtchen Westend wissen muss.

Der ARD-Krimi „Nord bei Nordwest“ holt Quoten auf „Tatort“-Niveau. Mit „Nord bei Nordost“ (ARD, 3. Oktober, 20.15 Uhr, jetzt schon in der Mediathek) bekommt der TV-Krimi ein Schwesterformat, bei dem alles anders läuft: Statt am Meer spielt der Fall „Westend“ an der Mecklenburgischen Seenplatte. Und während die „Nordwest“-Fans seit 25 Folgen darauf warten, dass der Polizist Hauke sich zwischen Jule und Hannah entscheidet, liegt die „Nordost“-Ermittlerin Nina Hagen (sie heißt wirklich so) schon im Pilotfilm mit ihren beiden Kollegen Tim (David Bredin) und Felix (Franz Dinda) im Bett.

Ist der neue Film als Auftakt einer Serie konzipiert? Und wird es womöglich sogar mal eine Crossover-Folge geben, in der die Figuren aus dem mecklenburgischen Westend („Nord bei Nordost“) die Kollegen in Schwanitz („Nord bei Nordwest“) besuchen? Wir haben mit der Hauptdarstellerin Cordelia Wege darüber gesprochen.

Frage: Frau Wege, ist „Nord bei Nordost“ wirklich nur ein Film? Oder doch eine neue Reihe?

Antwort: Vorerst haben wir ausschließlich den Film „Westend“ gedreht. Er ist als Pilotfilm gedacht, daher bin ich noch zurückhaltend und vorsichtig, aber ich hoffe sehr, dass „Nord bei Nordost“ tatsächlich eine Reihe werden wird. Entscheiden werden das die Zuschauerzahlen am 3. Oktober.

Frage: „Nord bei Nordost“ ist – man hört es sofort – das Schwesterformat der sehr erfolgreichen Reihe „Nord bei Nordwest“. Wie sind die beiden Formate aufeinander bezogen?

Antwort: Gar nicht. Unser Autor ist in beiden Fällen Holger Karsten Schmidt. Die Idee war, in der Mecklenburger Seenplatte, einer wunderschönen Landschaft übrigens, eine Reihe anzusiedeln. Beziehungsweise: erstmal einen Film! Und dafür hat er viele Dinge, die man aus Schwanitz von „Nord bei Nordwest“ kennt, in „Nord bei Nordost: Westend“ ins Gegenteil verkehrt.

Frage: Ganz auffällig ist das beim Liebesdreieck: In „Nord bei Nordwest“ rätseln die Fans seit 25 Folgen, ob Hauke mit Jule zusammenkommt oder mit Hannah. Wie ist das bei Ihnen?

Antwort: In „Nord bei Nordost – Westend“ gibt es eine Kommissarin und zwei männliche Kollegen. Und ja, es ist vielleicht etwas mehr zwischen ihnen als eine reine Arbeitsbeziehung. Die Zuschauer erfahren nicht, ob diese drei Menschen Geheimnisse voreinander haben oder ein Arrangement miteinander. Und ich kann verraten: Sogar wir Spieler wissen es nicht. Also auch wir sind gespannt, wie unsere Figuren weitererzählt werden könnten. Ein Dreieck ist ja immer spannend, weil es so dynamisch ist: Es können sich Allianzen bilden oder das Geflecht kann von außen „gestört“ und durcheinander gebracht werden. Und wie kommen die drei Hauptcharaktere mit der Überlagerung von Beruflichem und Privatem zurecht? Alles offene Fragen, auch für mich!

Frage: Wie lief das Casting für die drei Hauptrollen ab? Haben Sie gemeinsam vorgesprochen? Mussten Sie probekuscheln?

Antwort: Kuscheln musste ich beim Casting noch nie. Man bekommt drei Szenen, lernt sie fleißig auswendig und dann geht man in diesen nüchternen Casting-Raum. Da hat man zum Spielen einen Tisch und ein paar Stühle, eine Computerattrappe und möglicherweise noch Requisiten, die man gerne auch mal – wenn man gut vorbereitet sein will – selbst mitbringt. In diesem Fall waren das Brötchentüten, da in der Szene die Regieanweisung stand: „Beißt von seinem Brötchen ab“. Und lustigerweise hatte jeder von uns Brötchen dabei. Dann spielt man los. Es werden alle möglichen Teams mit verschiedensten Kollegen „durchprobiert“. Dabei wird herausgearbeitet, wer zu wem am besten passt, optisch wie insbesondere auch spielerisch. Dieser Vorgang dauert mehrere Tage bis Wochen. Ich war dreimal da. Verrückterweise blieb es dann bei der allerersten Konstellation: Franz Dinda, David Bredin und ich waren das erste Trio, das miteinander gearbeitet hatte und wir haben den Film dann auch zusammen gedreht. Es passte einfach.

Frage: Eine Beziehung, die noch mehr Spannung bietet als die zu den beiden Männern, ist Ninas Verhältnis zu einem zugelaufenen Hund. Erzählen Sie mal was über das Tier!

Antwort: Für meine Figur Nina ist dieses Hundetier am Anfang eher lästig. Einen Gefährten kann sie nicht gebrauchen. Sie hat ihren Beruf und sie hat zudem noch eine andere Mission, über die wir hier allerdings noch nichts sagen können. Also schickt sie dieses „aufdringliche“ Tier immer wieder weg. Vielleicht auch, weil sie sich in dem herrenlosen, streunenden Wesen selbst mehr wiedererkennt, als ihr lieb ist.

Frage: Als Schauspieler mit einem Hund zu arbeiten, ist schwer. Man kann kaum Absprachen treffen und im Zweifel spielt das Tier einen dann an die Wand.

Antwort: Aber dieser Hund ist ein so tolles, aufmerksames Tier, dass ich ganz begeistert war. Er ist sehr gut trainiert und kompatibel. Der Trainer ist immer mit dabei. Ich habe überhaupt keine Angst, dass dieser fantastische Hund mir die Show stiehlt. Für so einen Kollegen trete ich gern einen Schritt beiseite. Ich gucke ihm ja selbst mit Freude und voller Interesse zu! Und tatsächlich passieren beim Drehen dann Dinge, die man nicht planen kann: Plötzlich legt die Hundedame ihr Pfötchen auf mein Knie oder leckt mir das Gesicht ab. Da dachte ich nur: Hoffentlich haben sie das gerade gefilmt!

Frage: Haben Sie privat mit Hunden zu tun?

Antwort: Wir haben momentan nur noch eine Katze, nachdem wir früher auch Ziegen und Hühner auf unserem Hof hatten. Wir konnten sie zeitlich nicht mehr versorgen, unser Beruf fordert viel Reisen und Unterwegssein. Zu Hunden habe ich privat nicht besonders viel Kontakt, in unserem Dorf gibt es nur drei. Ich komme gut mit ihnen aus. Umso mehr Freude macht es mir jetzt, mit diesem exorbitant freundlichen Tier zu arbeiten.

Frage: Wie heißt er denn eigentlich?

Antwort: Wie der …? Oh Gott, Moment, wie peinlich – der Dreh ist anderthalb Jahre her. Mir liegt es auf der Zunge …

Frage: Wie Ihre menschlichen Kollegen heißen, wissen Sie aber schon?

Antwort: Haha, aber klar! – das weiß ich schon noch! Ich kenne auch den Namen des Hundes. Moment, das ist ein recht kurzer, eine Silbe oder zwei – sie heißt … Gwin… GWENA! Ich hab’s wieder! Sie ist eine Promenadenmischung, wie viele Filmhunde. Mischlinge gelten ja als klüger und lernbereiter und haben nicht die Zuchtschäden reinrassiger Tiere. In unserem Film hat Gwena übrigens noch gar keinen Rollennamen bekommen. Ich würde mich nicht wundern, wenn Nina sie am Ende einfach „Hund“ nennen würde.

Frage: Eine Frage, die ich Krimi-Schauspielern gern stelle: Hatten Sie privat schon mal mit der Polizei zu tun? Oder mit Verbrechern?

Antwort: Wenn ich in Berlin im Deutschen Theater oder im Berliner Ensemble abends eine Vorstellung spiele und anschließend nach Hause fahre, bin ich spätnachts hier in meiner Gegend, mitten auf dem Land. Und dann ist es hier wirklich still. Einmal kam mir aber plötzlich eine Polizeistreife auf einem landwirtschaftlichen Nutzweg entgegen. Ich muss die einzige Autofahrerin im Umkreis von mindestens 30 Kilometern gewesen sein. Sie haben mich angehalten und ganz ernsthaft eine allgemeine Verkehrskontrolle durchgeführt. Warndreieck, Weste, Verbandkasten: War alles da und noch nicht abgelaufen. Ich sollte sogar pusten. Sie konnten sich offenbar nicht vorstellen, dass jemand so spät noch nüchtern unterwegs ist. Sie waren offenkundig erstaunt, dass ich es war. Vielleicht haben sie sich gelangweilt oder sich einen Spaß mit mir erlaubt? Ich weiß es bis heute nicht! Das war meine einzige Begegnung mit der Polizei.

Frage: Frau Wege, damit „Nord bei Nordost“ weitererzählt wird, müssen die Zuschauer neugierig werden. Gibt es Hinweise im aktuellen Krimi, die schon auf mögliche kommende Folgen hindeuten?

Antwort: Nina Hagen, meine Figur, hat ihre Mutter durch ein Gewaltverbrechen verloren. Ihr Vater ist kurze Zeit später gestorben, an Krebs. Mit dem Mord an ihrer Mutter steht Nina also völlig allein da. Und wie man in unserem Film erfährt, war Nina schon mal aus rätselhaften Gründen ein paar Jahre lang weg. Keiner weiß, wo. Möglicherweise wird das der rote Faden, den wir dann aufgreifen.

Frage: Wissen Sie denn schon, was Ihre Figur in diesen Jahren getrieben hat?

Antwort: Ich weiß gar nichts, denn es gibt bisher noch keine weiteren Drehbücher. Deshalb bin ich ja selber sehr neugierig!

Frage: Vielleicht hat Ihre Figur schon eine dunkle Vergangenheit hinter sich – und Sie können das gar nicht mitspielen?

Antwort: Genauso ist es. Was ich nicht weiß, kann ich nicht mitspielen. Im Grunde glaube ich jedoch, dass das nicht unbedingt nötig ist. Vielleicht funktioniert es so: Was immer man später über die Vergangenheit meiner Figur erfährt – man wird es intuitiv in meiner Mimik lesen.

Frage: Wenn „Nord bei Nordost“ fortgesetzt werden sollte – werden Sie sich dann für eine gemeinsame Folge mit den Figuren aus „Nord bei Nordwest“ einsetzen? Sie könnten Hauke, Jule und Hannah zum Beispiel erklären, wie eine Dreicksbeziehung gelingt!

Antwort: Ganz ehrlich: Eine gemeinsame Folge habe ich mir schon gewünscht, als ich von dem geplanten Schwesterformat erfuhr und zum Casting eingeladen wurde. Wenn wir uns etablieren können – und dabei sind wir nicht als Konkurrenz zu „Nord bei Nordwest“ gedacht – und es eine Reihe werden sollte und sie ein paar Jahre läuft, dann werde ich unbedingt eine Crossover-Folge vorschlagen! Entweder kommen Hauke, Jule und Hannah dann zu uns nach Westend. Oder wir unterstützen die Ermittlungen in Schwanitz. Nina wäre sofort unterwegs! Vorher sollte sich unser Trio aber erstmal als würdig erweisen, finde ich.

Frage: Vielleicht versuchen Sie es mit Schmeichelei und sagen schnell noch was Nettes über „Nord bei Nordwest“.

Antwort: Da muss ich nicht schmeicheln. Die Reihe ist einfach gut! Weil die Autoren und Macher immer etwas Neues ausprobieren. Jede Folge hat einen eigenen Stil. Manche gehen in Richtung ernsthafterer„Tatort“-Krimis, manche sind richtig komödiantisch. In einer der letzten Geschichten haben alle für eine komplette Folge die Rollen getauscht. Es war alles eine große Traumsequenz, die Hauke Jacobs im Koma erlebt. Jule war plötzlich Polizistin, Hannah Tierärztin… Es war alles eine große Traumsequenz, die Hauke Jacobs im Koma erlebte. Die Figuren sind seit Jahren etabliert, man hat sie im Blut, man kennt sie in- und auswendig, und so können sie es sich durchaus erlauben, einmal alles auf den Kopf zu stellen. Ich bin ein totaler Fan von solchen Experimenten. Mir hat diese Folge besonders gut gefallen. Und außerdem – und das ist der eigentliche Punkt – der Cast in dieser Reihe ist zauberhaft! Man will die Geschichten der Leute in Schwanitz weiterverfolgen, sie alle haben sich in die Herzen der Zuschauer gespielt. Damit Liebe wachsen kann, braucht‘s Zeit. Zum Kennenlernen und Vertiefen. Vielleicht dürfen auch wir demnächst viele Geschichten aus „Westend“ erzählen und die Zuschauer mit auf diese Reise nehmen.

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