Osnabrück Verdacht auf Reizdarm: „Viele Patienten sind nicht vollständig diagnostiziert“
Ein Reizdarmsyndrom kann den Alltag auf den Kopf stellen. Die Betroffenen leiden meist seit Jahren unter Verdauungsstörungen. Warum es ein langer Weg bis zur Diagnose ist und welche Gründe für einen Reizdarm sprechen, weiß der Mediziner Detlev Scholz von der Darmklinik Exter.
Menschen mit einem Reizdarm haben Verdauungsstörungen: wechselnde Stuhlfrequenz, Blähbauch, Durchfall, Verstopfung, Völlegefühl und krampfartige Schmerzen. Die Symptome sind belastend und die Lebensqualität erheblich eingeschränkt. Viele Betroffene plagt auch die Angst, nicht rechtzeitig zur Toilette zu kommen und besonders das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.
Detlev Scholz von der Darmklinik Exter ist es wichtig, zu sagen: „Der Reizdarm ist ein häufiges gastroenterologisches Krankheitsbild mit hohem Leidensdruck. Es handelt sich um eine echte organische Erkrankung und keinesfalls um Einbildung.“
Bis zur Diagnose „Reizdarm“ ist es ein langer und mühsamer Weg, erklärt Scholz – denn vieles kann wie eine Reizdarmsymptomatik wirken. Um eine Reizdarmsymptomatik (RDS) zu diagnostizieren, müssen deswegen viele andere Erkrankungen, wie zum Beispiel chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Krebserkrankungen, eine chronische Gastritis oder eine Lebensmittelunverträglichkeit ausgeschlossen werden.
Das klappt nicht immer einwandfrei. „Viele Patienten sind nicht vollständig diagnostiziert“, warnt Scholz. Es werde oft viel zu früh die Diagnose gestellt und keine weiteren notwendigen Untersuchungen durchgeführt.
Nach heutigem Stand leben Menschen mit einem Reizdarmsyndrom nicht kürzer als andere, so Scholz. Dennoch seien viele im Alltag stark eingeschränkt. Die Ursachen der infrage kommenden Störungen sind vielseitig, daher gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Während die einen Patienten gut auf eine psychologische Behandlung ansprechen, hilft bei anderen eine Beeinflussung des gestörten Mikrobioms, also der Darmflora. Begleitend kann der Patient medikamentös behandelt werden. Diätetische Maßnahmen stehen häufig im Vordergrund der Therapie.
Aufgrund der Komplexität des Darmnervensystems ist in manchen Fällen eine psychokinesiologische Behandlung eine sehr gute Begleittherapie, so der Experte. Diese nimmt Zusammenhänge von Verdauungsproblemen und psychischem Stress in den Blick. Am wichtigsten ist bei diesem komplexen Geschehen für den Arzt, sich viel Zeit für den Patienten zu nehmen. Oft führt erst ein ausführliches Gespräch auf den richtigen Weg.
„Es ist also nicht notwendig“, so Scholz, „sich mit dem Schicksal abzufinden und damit ein Leben lang zurechtzukommen, man kann oft in mühevoller Kleinarbeit herausfinden, was die Ursachen sind und diese gezielt behandeln.“ Für die Zukunft erwarte er neue Forschungsergebnisse, um gezieltere Therapiestrategien zu entwickeln.