Hamburg  Fynn Kliemann meldet sich zurück – und spricht über die schwerste Zeit seines Lebens

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 25.09.2024 19:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bekannt wurde Fynn Kliemann durch seine Heimwerker-Videos auf Youtube. Foto: dpa/Georg Wendt
Bekannt wurde Fynn Kliemann durch seine Heimwerker-Videos auf Youtube. Foto: dpa/Georg Wendt
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Nach dem Maskenskandal von 2022 ist Fynn Kliemann weitestgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden. Nun ist er beim Podcast „Hotel Matze“ zu Gast und gibt Einblick in sein Leben nach dem Shitstorm.

Günstig und in Europa produziert: So bewarb der Youtuber Fynn Kliemann 2020 die Masken des Textilunternehmens Global Tactics. Recherchen des ZDF Magazin Royale zeichnen ein anderes Bild: Im Mai 2022 veröffentlichte das Team um Jan Böhmermann ein brisantes Video. Der Influencer habe betrogen, so der Vorwurf. Das Video wurde millionenfach abgerufen. Es folgte ein riesiger Shitstorm. Geschäftspartner wandten sich ab.

Bis dato war Kliemann einer der beliebtesten Influencer Deutschlands. Bekannt wurde er durch seine Heimwerker-Videos auf Youtube. Aber auch als Unternehmer, Musiker und Künstler war Kliemann erfolgreich.

Jan Böhmermann und Team warfen Kliemann und seinem Geschäftspartner Tom Illbruck, Inhaber der Firma Global Tactics, vor, Masken als fair in Europa hergestellt vermarktet zu haben, die stattdessen günstig in Asien produziert worden sein sollen. Zudem sollen sie 100.000 mangelhafte Masken an Geflüchtete gespendet haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Betrugsverdachts, Follower wandten sich ab – und Kliemann verschwand weitestgehend aus der Öffentlichkeit.

Im März 2023 sind die Ermittlungen gegen Fynn Kliemann gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 20.000 Euro eingestellt worden.

Nun meldet sich Kliemann mit einem Auftritt im Podcast „Hotel Matze“ von Host Matze Hielscher zurück. Dabei ging aus auch um den Maskenskandal, Schuld, Verantwortung und das Leben danach.

Der öffentliche Auftritt im Podcast sei für Kliemann eine Art, sich wieder „heranzutasten“. Es ginge darum, die „Angst zu verlieren“, beginnt der Influencer das Gespräch. „Angst ist ein ganz schlechter Begleiter“. Früher sei er viel angstfreier durchs Leben gegangen, doch das habe sich durch den Shitstorm geändert.

Zum Skandal und seinem Anteil daran erklärt Kliemann: „Ich war da ein Teil. Ein Rädchen – und ich hab mich da immer mitgedreht. Und das war der Fehler.“ Er räumt zwar ein, dass er an den entscheidenden Stellen nicht den Mund aufgemacht habe und so die Dinge aus dem Ruder gelaufen seien​. Die volle Verantwortung wolle er aber nicht übernehmen.

Anfangs habe er die Berichterstattung vom ZDF Magazin Royale selbst noch witzig gefunden, erzählt Kliemann. Er habe gedacht, „das ist eine Satireshow. Das nehme doch eh keiner ernst.“ Das Video „SCHEISSE bauen (DIY)“ habe er alleine in der Küche geschaut. Erst dann folgte die Erkenntnis: „Das ist aber weit über lustig hinaus“. „Und dann habe ich mit einem Statement nach dem anderen alles immer schlimmer gemacht“, erzählt er weiter. Als wäre er mit Brandbeschleuniger durch die Gegend gelaufen.

Angesprochen auf die Nachricht an seinen Geschäftspartner Illbruck mit den Worten „Krise kann auch geil sein!“, sagt Kliemann: „Super dummer Satz in einer total unangepassten Situation“. Am meisten getroffen hätten ihn Headlines wie „Fynn Kliemann versucht Geflüchtete im Flüchtlingsheim umzubringen. Da saß ich zu Hause und hab einfach nur geheult.“

Nun lasse es Fynn Kliemann ruhiger angehen: Nach der ZDF-Enthüllung habe er seine beruflichen Unternehmungen stark zurückgefahren. Er habe Anteile an Firmen verkauft, Gesellschafter herausgekauft und Mitarbeiter entlassen.

Das Kliemannsland – sein Herzensprojekt – habe er ebenfalls umstrukturiert. Im Juli 2022 gab er seinen Posten als Geschäftsführer ab, seit April 2023 tritt er wieder als Geschäftsführer der Kliemannsland GmbH auf.

Er möchte generell weniger machen. Aber das, was er macht, möchte er richtig machen. Früher habe er gedacht „mehr ist mehr“. Heute wisse er, dass weniger oft mehr ist. Stillsitzen könne er trotzdem nicht.

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