Kolumne „Bi Karkens“  Bitte kein „Das war schon immer so“

Ina Jäckel
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Eine Kolumne von Ina Jäckel
| 27.09.2024 08:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ina Jäckel
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Wenn nach Veränderungen gefragt wird, heißt es gerne: „Das war schon immer so.“ Unsere Kolumnistin nervt dieser Satz. Stillstand tue nicht gut – nicht nur in der Kirche.

Neulich bei einer Geburtstagsfeier: Wir saßen in großer Runde bei Tee und Kuchen zusammen. Ein älterer Herr richtete das Wort an mich: „Bei Ihnen in der Gemeinde war ja in den Sommerferien immer abends Gottesdienst. Und morgens gar nicht?“ – „Genau“, bestätigte ich. – „Find ich gar nicht gut, dass Sie den Gottesdienst ausfallen lassen!“, kommt es prompt zurück. – „Er fällt ja nicht aus“, widersprach seine Sitznachbarin. „Er findet doch abends statt.“ – „Das gehört sich aber doch nicht! Gottesdienst ist am Sonntagmorgen. Darauf müssen sich die Leute doch verlassen können. Das war schon immer so!“

Ich finde, dieser Satz ist ein echter Hemmschuh: „Das war schon immer so!“ Die Worte höre ich in meinem Beruf oft, wenn es darum geht, Dinge zu verändern. Könnte man den Gemeindebrief anders nennen? Es ist ja ein Heft, ein Magazin, kein Brief. Aber so einfach geht das nicht. „Das war schon immer so, dass das Gemeindebrief heißt!“ Man staunt, was alles angeblich schon immer so und nie anders war. Der Satz ist gern da zu hören, wo Menschen den Mut aufbringen, Dinge mal anders zu denken. Und das natürlich nicht nur in der Kirche.

Kann man Gottesdienst freitags statt sonntags feiern? Muss Gottesdienst um 10 Uhr sein? Könnte man in der Kirche nicht auch noch andere Sachen machen – Partys feiern zum Beispiel? Wäre es nicht schön, wenn die Kirche Stühle hätte statt dieser steifen Bänke? Die Liste könnte man ewig fortsetzen. „Das war schon immer so“ ist ein Satz, der mich oft müde macht und manchmal ein bisschen aggressiv. Eine echte Killerphrase!

Wenn Menschen glauben, dass etwas immer so war und deshalb nicht geändert werden kann, führt das zu einem Stillstand in der Entwicklung, sei es nun in der Kirche, in Gesellschaften oder in persönlichen Angelegenheiten. Ich glaube, dass es sich lohnt, Abläufe und Gewohnheiten immer wieder zu überprüfen und auch mal ganz andere Szenarien durchzuspielen. Wenn’s gut läuft, hören wir vielleicht: „Toll, das hat’s ja noch nie gegeben!“ Und wenn’s richtig gut läuft, gewinnen wir an Vielfalt. Und Menschen.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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