Prozess geht weiter Tötung im Weeneraner Drogenmilieu bleibt mysteriös
Im Januar starb ein Weeneraner durch einen Messerstich ins Herz. Der mysteriöse Totschlag beschäftigt das Auricher Landgericht weiter.
Aurich/Weener - Ein mysteriöser Totschlag im Weeneraner Betäubungsmittelmilieu beschäftigt das Auricher Schwurgericht weiter. Am 27. Januar 2024 ist ein 34-Jähriger in seiner Wohnung mit einem Messerstich ins Herz getötet worden, den niemand gesehen oder ausgeführt haben will. Schon gar nicht der 52-jährige Angeklagte. Er selbst bestritt die Auseinandersetzung beim Prozessauftakt am vergangenen Freitag nicht. Er sagte aus, er sei nach einer Nacht mit Kokainkonsum mit dem Rad zu dem 34-Jährigen gefahren, um Gras zu kaufen. Der habe ihn mit einem Fleischerbeil angegriffen. Er habe sich mit einem Messer verteidigt, dabei auf Gliedmaßen eingestochen und von ihm heruntergezogen worden.
Bei der Fortsetzung des Prozesses am Dienstag, 24. September, wurden etliche Zeugen befragt. Sie berichteten so unterschiedlich wie verworren, an was sie sich vom Tatgeschehen erinnerten.
Das sagt der Schlichter vom Sicherheitsdienst
Er schlichtete die Auseinandersetzung: Der Zeuge, ein 40-jähriger Leeraner, sei zufällig vorbeigekommen, weil er seinen im Haus wohnenden Cousin mit dem Auto zum Einkaufen abholen wollte. Bei seiner Schilderung beschrieb er die Bedrohungssituation mit dem Fleischerbeil vor der Haustür. Dann seien die Kontrahenten im Flur verschwunden, sagte der kräftig gebaute Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.
Weil er dort auch Kinder gesehen habe, sei er aus dem Auto ausgestiegen und schnell hinterher: „Da lagen die beiden schon auf dem Boden, da war auch etwas Blut.“ Er dachte, es sei eine Schlägerei, sah das Messer erst später. Er habe auf den Angeklagten beruhigend eingeredet, dieser habe erschöpft genickt und sei mit seinem Rad weggefahren. „Sein Kopf war voll mit Blut, der Gesichtsbereich, überall“, berichtete der Zeuge. Das spätere Opfer sei wieder aufgestanden – „er wollte nicht, dass man den Krankenwagen ruft“. Das Messer beschrieb der Leeraner als schwarz mit einer etwa zwanzig Zentimeter langen Klinge.
Das sagt der blutende Bekannte
Ein guter Kumpel des Getöteten sagte ebenfalls aus. Er sei in der Wohnung gewesen, hatte kurz vorher von Angreifern einen Schlag mit einem Besenstiel in den Mund bekommen, als er ihnen die Wohnungstür mit einem Elektroschocker in der Hand geöffnet hatte. Diesen habe er dem späteren Opfer verkaufen wollen, weil er Waffen sammelte.
Der Zeuge bezeichnete sich selbst als schwer alkoholabhängig. Am Tattag wurden bei ihm 2,4 Promille gemessen, dennoch erinnerte sich der 41-jährige Weeneraner an einiges. Den Schlag habe er abbekommen, weil er mit dem Gerät in der Hand die Tür geöffnet habe: „Ein Zahn abgebrochen, die Lippe blutete, ich bin zu Boden gegangen.“ Eine 62-Jährige hätte ihm wegen der Blutung mit einem Lappen geholfen. „Dann ging das Gerangel los. Er hat einen Messerstich in den Oberschenkel gekriegt, das hab ich gesehen“, kam er auf das Tatgeschehen zu sprechen. Dann sei der Kräftige gekommen und habe den Angeklagten runtergezogen. „Ich habe dann noch ein bisschen mit meinem Kumpel geredet. Da war noch alles in Ordnung“, sagte er. Was später passiert sei, wisse er nicht – „ich hab das erst auf der Polizeiwache erfahren.“ Der Zeuge will gesehen haben, dass das Messer einen Holzgriff hatte.
Das sagt die Frau mit dem Lappen
Eine 62-jährige Weeneranerin war bei ihrer Aussage sehr angefasst von dem Elebten. Sie sagte, sie habe sich von dem später Verstorbenen – er war ganz vernünftig, ganz normal – einen Lappen geben lassen, um dem blutenden Bekannten zu helfen und sich zu ihm gebückt. Dann hätten die Kontrahenten „gerangelt, gehauen, in der ganzen Küche. Ich bin immer weiter in die Ecke gekrochen“, erzählte sie. Der Angeklagte habe ihn im Schwitzkasten gehabt und ihm ins Bein gestochen – „ein paar Minuten später kam ein Mann und hat ihn in den Flur geworfen“. Ihrer Erinnerung nach hat der später Verstorbene das Fleischerbeil erst im Laufe der Auseinandersetzung von der Küchenzeile gegriffen.
Ob sonst noch jemand bei der Kampfszene dabei gewesen sei, wollte der Vorsitzende Richter Björn Raap wissen. Die Zeugin verneinte. Den Angeklagten kenne sie vom Sehen: „Er hat bei Nachbarn den Garten in Schuss gehalten. Er war freundlich und nett.“
Das sagt die Ex-Freundin des Getöteten
Die Ex-Freundin des Getöteten, eine 50-Jährige aus Weener, kam kurz nach dem Vorfall in dessen Wohnung. „Er lag zwischen Aquarium und Küche. Er hat nach seinem Hund gerufen, ich bin raus und habe ihn gesucht“, sagte sie. Als sie kurz darauf zurückgekommen sei, habe sie den Krankenwagen gerufen. Der blutende Bekannte auf dem Sofa habe sie gerettet: Er habe den Schlag mit dem Besenstiel abbekommen, der ihr gegolten hätte. Sie habe den später Verstorbenen im Arm gehalten, „dann kam der Anfall“, berichtete sie. Danach habe der 34-Jährige nicht mehr geantwortet. Der Rettungsdienst sei eingetroffen und habe von Wiederbelebungsmaßnahmen gesprochen. Sie habe die Wohnung verlassen.
Der Prozess wird am 14. Oktober um 9 Uhr mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Der Termin dauert nur den Vormittag über, weil nachmittags ein Prozessauftakt angesetzt ist.