Treffen mit SEFE Gasriese drehte Geldhahn zu – neue Hoffnung für Jemgum?
Seit 2018 bekommt Jemgum keinen Cent mehr vom Gasriesen SEFE, der in der Gemeinde Kavernen betreibt. Nun hat es einen „konstruktiven Dialog“ gegeben. Was bedeutet das?
Jemgum - Die Gemeinde Jemgum mit ihrem Fischerort Ditzum ist über die Grenzen Ostfrieslands hinaus beliebt. Wer durch die Gemeinde fährt, wird wohl die großen Industrieanlagen wahrgenommen haben, an denen man vorbeikommt. Dass unter der Erde eine der größten Gasspeicheranlagen Europas und ein strategisch wichtiger Teil des Gastransportsystem ist, wissen viele nicht – oder erst seit Deutschland wegen des Ukrainekrieges bang auf die Erdgas-Speicherstände geschaut hatte. Wenn nun, wie kürzlich, die Speicher im Gespräch sind, geht es aber weniger um Erdgas. Eher um Wasserstoff.
„Damit Klimaziele erreicht und die Energiewende gelingen kann, braucht es unter anderem auch Wasserstoff. Für die Speicherung von Wasserstoff liegt der Standort Jemgum, in der Nähe der niederländischen Grenze, strategisch optimal. Das internationale Energieunternehmen SEFE hat sich zum Ziel gesetzt, die Energiewende voranzutreiben und eine zentrale Rolle im wachsenden europäischen Wasserstoffmarkt einzunehmen“, schreibt das Büro der Bundestagsabgeordneten Anja Troff-Schaffarzyk (SPD). SEFE steht für Securing (S) Energy (E) for (F) Europe (E), zu deutsch: Sichern der Energie für Europa. Das Unternehmen gehört dem Bund. Es habe nun einen „konstruktiven Dialog“ zwischen der Politikerin, dem Bürgermeister Hans-Peter Heikens und Vertretern von SEFE gegeben, wie die künftige Zusammenarbeit mit der Gemeinde Jemgum aussehen könnte.
Neuer Speicherbau soll schon bald losgehen – es wird ernst
„Wir haben Möglichkeiten diskutiert, wie SEFE die Gemeinde einbinden kann“, teilt die Bundestagsabgeordnete mit. Deutlich sei aber auch geworden, dass der Aufbau eines europäischen Wasserstoffmarktes von verschiedenen Faktoren abhänge, zum Beispiel der Infrastruktur. Der voraussichtliche Start des Baus eines Wasserstoffspeichers in Jemgum sei für 2027, die Inbetriebnahme für 2032 geplant. „Vor diesem Hintergrund habe ich in dem Gespräch sehr deutlich gemacht, dass eine Energiewende vor Ort nur vorankommt, wenn die Gemeinde Jemgum auch etwas davon hat“, wird die Abgeordnete zitiert.
In dem Zusammenhang wurde auch erneut das Thema Gewerbesteuer besprochen. Neben Troff-Schaffarzyk hatte sich unter anderem auch Gitta Connemann (CDU) immer wieder mit diesem Thema auseinandergesetzt. Jemgums Bürgermeister Heikens setzt sich, insbesondere seit das Unternehmen in der Hand des Bundes ist, dafür ein, dass die Gemeinde wieder profitiert.
Wird es endlich wieder Gewerbesteuer geben?
„Es stehe fest, dass SEFE Gewerbesteuer zahlen müsse, sobald Gewinne erwirtschaftet werden“, heißt es in der Mitteilung weiter. Das sei aktuell nicht der Fall, könne sich in den nächsten Jahren aber ändern. Eine Firmensitzverlagerung nach Jemgum würde an der Situation aber nichts ändern. „Darum muss es aktuell andere Lösungen geben, über die wir weiter diskutieren“, wird Troff-Schaffarzyk zitiert.
Zum Hintergrund: Seit 2018 fließt keine Gewerbesteuer mehr an die Gemeinde Jemgum, weil das Unternehmen umstrukturiert wurde und im Zuge dessen eine Abmachung mit der Gemeinde aufgekündigte. Seinerzeit wurde der Speicher noch von der Astora – einer Tochter der Gazprom Germania – geführt. Um die Gasversorgung in Deutschland zu sichern, überführte die Bundesregierung diese Unternehmensgruppe 2022 ins Eigentum des Bundes. „Das betrifft auch den Gasspeicher in Jemgum“, teilte Fiete Wulff, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesnetzagentur in Bonn, seinerzeit mit.
Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern wichtig
Auch die Ems, „über die das gesamte europäische Wassernetz erreicht werden kann“, wurde beim Treffen besprochen. „Dabei betonte Bürgermeister Hans-Peter Heikens ebenfalls die Wichtigkeit eines engeren Dialogs mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.“
SEFE sei ein Austausch und eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde wichtig, heißt es in der Mitteilung weiter. „Noch dieses Jahr wird SEFE Storage einen ersten Bürgerinformationsabend veranstalten, um über die Planung und den Aufbau eines neuen Wasserstoff-Speichers zu informieren.“ Dieser solle dann in regelmäßigen Abständen stattfinden, um den Stand des Projektes mit der Öffentlichkeit zu teilen. „Wir sind davon überzeugt, dass SEFE mit diesem Projekt die Zukunft für Wasserstoff mitgestaltet und so einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung und für die Gemeinde Jemgum leisten wird“, wird Eduard Schmitke, Geschäftsführer SEFE Storage GmbH, in der Mitteilung zitiert.