Verkehr in Neermoor  Anwohner von schnellen Autos genervt

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 19.09.2024 08:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Vor dem Haus von Jörg Schindler rauscht der Verkehr nach Neermoor hinein. Die geltenden Höchstgeschwindigkeiten würden von vielen ignoriert, ärgert er sich. Foto: Ortgies
Vor dem Haus von Jörg Schindler rauscht der Verkehr nach Neermoor hinein. Die geltenden Höchstgeschwindigkeiten würden von vielen ignoriert, ärgert er sich. Foto: Ortgies
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Zwischen dem Kreisel in Neermoor und der Autobahn drücken Autofahrer gerne mal aufs Gas. Ein Neermoorer spricht sogar von illegalen Autorennen. Was ist da dran?

Neermoor - Tausende Autos, Lastwagen und Motorräder rollen täglich am Haus von Jörg Schindler in Neermoor vorbei. Was ihn jedoch ärgert: „Wir haben hier ein Problem mit Rasern.“ Er wohnt an der Osterstraße, genau zwischen dem Kreisverkehr in der Ortsmitte und der Autobahn. Vor seinem Haus steht das Ortsschild, erlaubt sind auf der einen Seite nur 50 Stundenkilometer, auf der anderen 70. „Doch da hält sich fast keiner dran“, ist er überzeugt.

Seit zehn Jahren wohnt er mit seiner Frau in Neermoor und sein Eindruck ist, dass die Geschwindigkeit in dieser Zeit zugenommen hat. Fahrer, die gerade von der Autobahn kommen, seien vielleicht mental noch nicht auf das Landstraßentempo herunter. Die anderen, die aus dem Ort kommen, geben vor dem Haus Gas. Dazu kommen noch schwere Lastwagen: „Wenn die vorbeifahren, vibriert der Boden“, sagt Schindler. Beim Versuch, die Straße zu überqueren, sei er im März beinahe von einem telefonierenden Autofahrer erfasst worden. „Der verschaffte sich dann noch mit Hupen so richtig Respekt“, ärgert sich der Neermoorer.

13 Verstöße in drei Stunden

Er hat sich mit vielen E-Mails an die Behörden gewandt, erst an die Gemeinde Moormerland, dann an den Landkreis Leer – dessen Straßenverkehrsamt ist zuständig, weil es sich um eine Bundesstraße handelt. Schindler musste jedoch viele Mails schreiben, bevor der Landkreis Leer ein Messfahrzeug vor dem Haus positioniert hat. Das Ergebnis hat seinen Eindruck jedoch nur bedingt bestätigt.

Über drei Stunden dauerte der Einsatz des „Blitzers“ in Neermoor, teilt der Pressesprecher des Landkreises, Philipp Koenen, mit. Am Nachmittag des 16. Juli, einem Dienstag, wurden vom Nachmittag bis zum Abend demnach insgesamt 2128 Fahrzeuge erfasst. Dabei wurden 13 Verstöße gegen die Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern festgestellt. Sieben Fahrer mussten laut Koenen ein Verwarngeld zahlen, gegen sechs weitere wurde eine Anzeige erstattet.

Einer hatte fast 100 auf dem Tacho

Die maximale Geschwindigkeit lag an dem Tag bei 97 Stundenkilometern. Gemessen am Gesamtaufkommen an Fahrzeugen sei die Zahl der Verstöße relativ gering. „Messen werden wir dort auch weiterhin, allerdings nichts so oft wie an anderen Stellen, die weitaus auffälliger sind“, teilt Koenen dazu weiter mit. Für Jörg Schindler ist das unbefriedigend. Er hatte von einem Landkreismitarbeiter die Angabe bekommen, dass jedes siebte Fahrzeug zu schnell gewesen sei – „für mich fühlt es sich an, als würde sich nur jeder Siebte an das Tempolimit halten“.

Mobile Blitzgeräte hat der Landkreis Leer im Einsatz, die Orte wechseln täglich. Foto: Ortgies/Archiv
Mobile Blitzgeräte hat der Landkreis Leer im Einsatz, die Orte wechseln täglich. Foto: Ortgies/Archiv

Allerdings bekommt das Ehepaar oft mit, dass es in den späten Abendstunden illegale Autorennen gibt. „Die kommen schon mit hohem Tempo aus dem Kreisverkehr und fahren zu zweit nebeneinander“, erzählen sie. Vor ihrem Haus hätten diese Autofahrer dann sicher schon mehr als 100 Stundenkilometer drauf. Das sei nicht nur zu hören, sondern förmlich zu spüren. Sie wundern sich, dass dabei noch nichts passiert ist.

Polizei hat wegen Autorennen ermittelt

Während beim Landkreis Leer davon laut Koenen nichts bekannt ist, sieht es bei der Polizei anders aus. „Im vergangenen Jahr haben wir auf der Straße drei Mal verbotene Rennen festgestellt“, sagt die Sprecherin der Polizeiinspektion Leer-Emden, Svenia Temmen. Jeweils im April, Mai und Juni 2023 seien solche Rennen gemeldet worden, gegen die Fahrer wurde demnach ermittelt. „In der Regel werden solche Rennen mit hohen Geldstrafen und dem Entzug des Führerscheins geahndet“, so Temmen. In diesem Jahr dagegen seien solche Rennen noch nicht angezeigt worden.

Wie die Sprecherin sagt, würden die Streifenbeamten verstärkt auf solche Rennen achten. Ansonsten jedoch sei die Osterstraße in Neermoor für die Polizei nicht auffällig. Geschwindigkeitsüberschreitungen kämen auf vielen Straßen vor. Temmen vermutet ebenfalls, dass die Nähe der Autobahn dazu führe, dass es die Menschen am Steuer nicht so genau mit dem Tempo nähmen.

Neermoorer fühlt sich nicht ernst genommen

Der Bürgermeister in Moormerland, Hendrik Schulz, wohnt gar nicht weit von Jörg Schindler entfernt. Er kenne natürlich die Situation auf der Osterstraße, hält sie aber ebenfalls nicht für sehr problematisch. Dass der viele Verkehr und der Lärm durch die Fahrzeuge nervt, dafür hat er jedoch Verständnis. „Ich bin im Ortskern aufgewachsen und weiß, wie das ist“, sagt Schulz. Weil die Osterstraße keine Gemeindestraße ist, bleibe ihm aber nichts anderes übrig, als an den Landkreis zu verweisen. Dort sei man der Bitte um eine Messung nachgekommen.

Jörg Schindler fühlt sich von den Behörden nicht richtig ernst genommen. Es habe Wochen gedauert, bis auf seine Schreiben reagiert wurde. Er hatte in den Mails unter anderem Beinahe-Unfälle geschildert. So beobachtete er, dass ein Tiertransporter beinahe auf stehende Pkw aufgefahren wäre, die nach links zur Gärtnerei Klock abbiegen wollten. Es sei gut, dass ein Blitzer eingesetzt wurde, aber er weiß auch: „Wo so ein Gerät steht, geht das doch in Minuten viral.“ Über soziale Medien, aber auch über Radiosender werde rasch berichtet, wo die Radarfallen stehen.

Ein "Superblitzer" wurde im April in Westerende-Kirchloog installiert. Der erfasst Geschwindigkeitsverstöße in beide Fahrtrichtungen. Im Landkreis Leer gibt es solche stationären Anlagen bisher nicht. Foto: Banik/Archiv
Ein "Superblitzer" wurde im April in Westerende-Kirchloog installiert. Der erfasst Geschwindigkeitsverstöße in beide Fahrtrichtungen. Im Landkreis Leer gibt es solche stationären Anlagen bisher nicht. Foto: Banik/Archiv

Jeweils morgens, mittags und am frühen Abend sei besonders viel Verkehr. Dass nicht mehr unternommen wird, ärgert ihn. Die Vorschriften gälten für jeden, es sei unbegreiflich, dass sie so oft ignoriert würden. Er wünscht sich dauerhafte Radargeräte: „Im Landkreis Aurich oder in der Stadt Emden wird doch ordentlich ‚durchgegriffen‘.“ Der Neermoor fände es gut, wenn so ein Gerät auch an der Osterstraße installiert würde.

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