Osnabrück Scholz: Meyer Werft-Berichte beispielhafter Journalismus
Ob Ukraine oder Corona: Auf einem Kongress forderte Kanzler Olaf Scholz jetzt von den Medien, mehr Meinungsvielfalt abzubilden. Auch auf die Bedeutung lokaler Medien ging er ein. Dabei erwähnte er auch die „Neue Osnabrücker Zeitung“.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die Medien aufgefordert, für eine größere „Diskursbreite“ zu sorgen. „Dass viele Menschen salopp gesagt denken, Medien und Politik seien eine Soße, muss uns zu denken geben“, sagte Scholz kürzlich beim Kongress des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin.
Die Medien müssten genauer „hinhören und alle Fragen thematisieren, die die Leute im Land bewegen“, sagte Scholz, der aber auch selbstkritisch auf die Rolle der Politik einging. Medien wie Politik würde „weniger Profilierung in eigener Sache und mehr Konzentration auf die Sache helfen“, so Scholz. Er wünsche sich „mehr Meinungsvielfalt statt Berliner Blase“. Dabei trage auch die Politik eine Mitverantwortung an der aktuell in der Gesellschaft spürbaren Verunsicherung. „Das ging schon los mit der Diskussion über Corona“, sagte Scholz: „Das Gefühl vieler war ja, es gibt keine unterschiedliche Meinung.“
Dies erlebe er auch aktuell in der Diskussion über die deutsche Unterstützung für die Ukraine. Bei Bürgerversammlungen gebe es immer jemand, der frage, wie ausgerechnet mit Waffen Frieden geschaffen werden solle. „Dann klatschen immer 20 bis 30 Prozent der Anwesenden“, sagte Scholz. Aber diese Meinung und Diskussion finde in den Medien „so gut wie gar nicht statt, es sei denn es sind Extremisten, die so etwas vorbringen“. Dabei sollten solche Themen, die viele Menschen beschäftigten, nicht vom Rand, „sondern besser aus der Mitte kommen“, so der Kanzler.
Am Beispiel der Bemühungen um eine wirtschaftliche Sanierung der Meyer Werft betonte der Regierungschef die Bedeutung von Lokalmedien. So werde etwa eine Betriebsversammlung des Papenburger Schiffsbauers „natürlich“ nicht im nationalen Fernsehen übertragen. Dafür betreffe sie „den Busfahrer in Landshut oder die Einzelhandelskauffrau in Chemnitz zu wenig“, sagte Scholz.
„Für die Familienangehörigen der Werft-Arbeiter aber, für die Leute in Dutzenden Zuliefererbetrieben ging es an dem Morgen um Alles oder Nichts. Und die ‚NOZ‘, die dort vor Ort als Ems-Zeitung erscheint, war da für ihre Abonnenten – per Live-Stream und mit einem minutenaktuellen Live-Ticker aus der Veranstaltung.“ Das zeige ihm, sagte der Kanzler: „Lokale Medien sind das Rückgrat unserer Medienlandschaft.“ In vielen Regionen seien sie die einzige unabhängige Quelle für lokale Nachrichten. Er sei fest überzeugt: „Local News bleiben ein Geschäftsmodell. Lokale Medien haben eine Zukunft.“