Schwimmkurse für Kinder Wie steht es um die Wartezeiten in Ostfriesland?
Im August schlug die DLRG-Präsidentin Alarm: Kinder müssten mitunter jahrelang auf Schwimmkurse warten. Auf Anfrage dieser Zeitung zeigt sich: Mitunter ist das auch in Ostfriesland ein Problem.
Ostfriesland - Wartezeiten von bis zu drei Jahren – Mitte August klagte die Präsidentin der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Deutschland, Ute Vogt, in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über die Zustände bei Kinder-Schwimmkursen. „Die Not ist an den meisten Orten sehr groß und es gibt lange Wartelisten“, sagte Vogt. Als Hauptursache dafür nannte sie vor allem das Bädersterben. Da immer mehr Schwimmbäder schließen, seien Schulen mitunter dazu angehalten, Kurse ausfallen zu lassen. „Wir können ehrenamtlich nicht auffangen, was in den Schulen nicht mehr geleistet wird“, so die DLRG-Vorsitzende. Wir haben Betroffene und Zuständige in Ostfriesland befragt und wollten wissen: Sind die langen Wartezeiten auch in Ostfriesland ein Problem?
Lange Wartezeiten gelten als normal
Die Schwimmhalle ist warm, die Luft ist schwül und riecht nach Chlor. Das Wasser in den Badelatschen sorgt für ein Quietschen bei jedem Schritt. Um kurz nach 16 Uhr füllt sich das Udo-Solick-Bad in Pewsum mit Eltern und ihren Kindern. Jede Woche findet für 45 Minuten ein Seepferdchen-Kurs in der Halle statt – angeleitet durch Schwimmtrainer des ortsansässigen Turn- und Schwimmvereins. Acht Kinder sind an diesem Montag mit dabei. Die Teilnahme ist mitunter erst nach langen Wartezeiten möglich gewesen – so berichtet es eine Mutter. „Meine beiden Kinder standen auf der Warteliste. Insgesamt haben wir anderthalb Jahre gewartet“, berichtet sie. Aber so sei das eben, damit müsse nach der Corona-Pandemie und wegen der Personallage gerechnet werden.
Diese Schwimmabzeichen gibt es und das sagen sie aus
Eine andere Mutter musste in Pewsum hingegen nur wenige Monate warten. „Als ich angerufen habe, lag die Wartezeit bei zwei Jahren oder länger“, heißt es im Gespräch. Dann aber sei spontan ein Platz freigeworden und ihre Tochter konnte deutlich früher teilnehmen. „Es sagen ja auch immer mal wieder Familien ab. Das ist reine Glückssache“, so die Mutter. Dass die Schwimmkurse in Pewsum stattfinden können, sei der vielen ehrenamtlichen Arbeit des Teams zu verdanken, erklärt Schwimmtrainerin Claudia Dirks im Gespräch nach dem Kurs. „Hier arbeiten viele viel.“ Auch sie selbst arbeite eigentlich in der Grundschule Pewsum, komme aber dennoch fünf Tage in der Woche als Trainerin in die Schwimmhalle.
Bäder in Ostfriesland gehen unterschiedlich mit den Wartezeiten um
Die Trainerin des Turn- und Schwimmvereins bestätigt, dass die Wartelisten gut gefüllt – aber nicht zu lang – sind. Das Udo-Solick-Bad sei so beliebt, weil Kindern nach dem Seepferdchen die Möglichkeit geboten wird, im Schwimmverein zu bleiben, erklärt Dirks. Es gehe weniger um das Abzeichen und mehr um das Erlernen der Schwimmfertigkeiten. Das Bad setze aufgrund der langen Wartezeiten laut Dirks auf einen offenen Kurs. Das heißt: Wenn zwei Kinder das Seepferdchen bestanden haben, rücken zwei weitere Kinder direkt nach. Wie lange Eltern und Kinder auf einen Kurs warten müssen, hänge also immer davon ab, wie schnell die Schwimmfertigkeiten dem jeweiligen Kind vermittelt werden können. Und das hänge laut der Trainerin unmittelbar mit den Eltern zusammen. Ihr Lieblingssatz deshalb: „Wenn die Kinder zu Hause mit einem Regenschirm unter die Dusche gehen, wird es lange dauern, ihnen die Angst vor Wasser zu nehmen und ihnen zu zeigen, wie viel Spaß Wasser eigentlich macht.“ Neben den privaten Schwimmkursen würden noch die Grundschule und die Integrierte Sekundarschule in Pewsum bei den Schwimmkursen personell unterstützt.
Im Friesenbad Weener hingegen gibt es gar keine Warteliste für die Kinder-Schwimmkurse. „Die haben wir aufgrund der hohen Nachfrage schon vor 2020 abgeschafft“, sagt Betriebsleiter Markus Bakker im Gespräch. Die Wartelisten seien wieder eine Aufgabe mehr, die nicht zu stemmen sei. „Wir bieten pro Saison zwischen acht und zehn Kurse an, mehr schaffen wir nicht“, so Bakker. Wie lange die Wartezeiten in Weener derzeit sind, kann Bakker deshalb nicht beantworten. „Wir bereiten die Kurse in der Vorbereitungszeit vor der Saison vor und dann können die Eltern anrufen und Plätze buchen“, erklärt Bakker. In den meisten Fällen seien die Kurse innerhalb eines Tages ausgebucht. Zu Kursausfällen – wie sie unter anderem von DLRG-Präsidentin Ute Vogt thematisiert wurden – sei es in Weener bisher noch nicht gekommen, erklärt Bakker. Sowohl bei den eigenen Schwimmkursen als auch beiden Schwimmkursen mit den Grundschulen in Weener und umzu.
Großes Angebot verringert die Wartezeiten
Die Friesentherme in Emden verzichtet ebenfalls auf Wartelisten. Laut Betriebsleiter Björn Molter hat das aber einen anderen Grund als in Weener: Es gebe schlichtweg keine langen Wartezeiten. Zwischen 20 und 30 Kurse würden in der Friesentherme im Jahr angeboten – von der Wassergewöhnung über Anfängerkurse bis hin zu den erweiterten Schwimmkursen für Fortgeschrittene. „Wir geben das über die Homepage und die sozialen Medien bekannt“, so Molter. Und dann könne sich jeder Interessierte für einen Kurs anmelden. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, macht Molter deutlich. Allerdings seien auch immer wieder vereinzelt Plätze frei. „Da findet sich schon eine Möglichkeit“, ist sich der Betriebsleiter der Friesentherme in Emden sicher.
Auf ein großes Kursangebot blickt auch das Hallenbad Plytje in Leer. Die Geschäftsführerinnen Anja Buse und Lisa Kesse meinen, sagen zu dürfen, dass das Angebot, schwimmen zu lernen, im Plytje insgesamt riesig sei. Möglich gemacht werde das durch den Schwimmlehrer der hauseigenen Schwimmschule – unterstützt durch die Fachangestellten für Bäderbetriebe und die Rettungsschwimmer. „Derzeit gibt es, aufgrund unseres breiten Kursangebotes, keine großen Beschwerden, dass Eltern keinen Platz erhalten würden“, heißt es auf Anfrage. Bei den Kursen ebenfalls mit am Start seien die DLRG mit den Ortsgruppen Leer und Weener und der SV Poseidon Leer und der SV Hesel. Außerdem würde das Plytje mehreren Einrichtungen in ausgewählten Zeiten sechs Bahnen in der Halle zur Verfügung stellen – darunter fallen laut Kesse und Buse auch die sieben städtischen Grundschulen der Stadt Leer, rund elf Landkreisschulen und sieben Schulen aus den Nachbargemeinden. Die Durchführung der Kurse liege bei den Schulen selbst.
DLRG Ostfriesland: Nachfrage überschreitet regelmäßig die Kapazitäten
Das Problem dabei: Nicht überall in Ostfriesland gibt es in den Schwimmbädern ein großes Kursangebot. Ein Aufruf der Redaktion in den sozialen Medien zeigt eindeutig, dass Eltern in der Region mitunter lange auf einen Schwimmkurs für ihre Kinder warten. „Wir warten jetzt schon seit einem Jahr, und es ist noch kein Ende in Sicht“, berichtet ein Vater auf Instagram. Weitere berichten von Wartezeiten zwischen neun Monaten und zwei Jahren. Im Gegensatz dazu stehen aber auch Erfahrungen mit geringen Wartezeiten. „Ging schnell“ und „Super schnell“ hieß es da beispielsweise in der Kommentarspalte. Dass es keine pauschale Übersicht über Wartezeiten bei Kinder-Schwimmkursen in Ostfriesland gibt, bestätigt auch die DLRG für den Vereinsbezirk Ostfriesland. „Es ist jedoch grundsätzlich zu sagen, dass die Nachfrage regelmäßig die Kapazitäten der jeweiligen Kurse überschreitet“, sagt Pressesprecher Benjamin Buserath.
Dass die Kursangebote nicht signifikant ausgebaut werden können, liege laut Buserath an den zur Verfügung stehenden Wasserzeiten in den Bädern und den Kapazitäten der ehrenamtlichen Helfer. Des Weiteren gebe es nur noch in wenigen Schulen die Möglichkeit, an einem Schwimmunterricht teilzunehmen. Das liege an den wenigen Bädern, die es im direkten Umfeld der Schulen gibt, und an einem Mangel an entsprechend qualifizierten Lehrkräften. Diese Situation – lange Wartezeiten bei Kinder-Schwimmkursen und weniger schulischer Schwimmunterricht – führe dazu, dass Kinder im Zweifel später schwimmen lernen, so Buserath.