Bad Essen  Sechs Tipps, wie Eltern ihre Kinder vor sexuellen Übergriffen im Internet schützen

Jana Derksen
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Von Jana Derksen
| 10.09.2024 06:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Internet gibt es Gewaltvideos, Nacktfotos und Fake-News. Wie können Eltern ihre Kinder in der digitalen Welt schützen? Foto: dpa/Oliver Berg
Im Internet gibt es Gewaltvideos, Nacktfotos und Fake-News. Wie können Eltern ihre Kinder in der digitalen Welt schützen? Foto: dpa/Oliver Berg
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Digitaler Alptraum: Kinder und Nacktfotos, Hasskommentare im Klassenchat oder Gewalt. Wie können Eltern ihre Kinder in der digitalen Welt schützen? Der Verein Rundherum mit Standorten in der Region Osnabrück gibt Tipps.

Nacktfotos im Internet, ein beleidigender Kommentar oder ein intimes Foto als Nachricht im Chat: Viele Schüler ab der 6. Klasse kennen all das, wissen die Beraterinnen von Rundherum aus Belm, Georgsmarienhütte und Bad Essen, die in Schulen im Raum Osnabrück sexualpädagogische Prävention und mehr anbieten.

Doch wie können Eltern ihre Kinder vor sexuellen Übergriffen im Internet schützen? Sechs Tipps.

Wie schnell entsteht Kinderpornografie? „Jungen oder Mädchen wollen sich ausprobieren, machen zum Beispiel Nacktfotos und schicken sie vielleicht im Vertrauen an den besten Freund“, sagt Franziska Breitschaft vom Verein Rundherum aus Belm. Eigentlich sollte der Freund das Bild für sich behalten, schickt es aber ohne Einverständnis weiter. So wird zum Beispiel Kinder- und Jugendpornografie verbreitet.

„Kinderpornografie ist eine Straftat. Wenn Kinder pornografisches Material auf dem Handy haben, machen sie sich strafbar“, sagt sie. Ihr Tipp: Eltern sollten Kinder aufklären, was im Digitalen erlaubt und was verboten ist. In diesem Fall zum Beispiel: „Das Bild kann man einfach löschen, eine unerwünschte Person blockieren, Inhalte in sozialen Netzwerken melden.“ Sobald Kinder ein Handy haben, sollten Eltern ihnen auch Anlaufstellen mitgeben.

Eine Masche ist Cybergrooming: Erwachsene bahnen sich an Kinder im Internet an, täuschen vor, gleich alt zu sein und sich für dasselbe Hobby zu interessieren, um Vertrauen zu gewinnen und die Kinder später dazu zu bringen, Nacktbilder zu machen, mit denen sie dann die Kinder oder Jugendlichen erpressen. Sie verlangen Geld oder anderes.

Was hilft? „Sexuelle Aufklärung ist wichtig“, sagt Marina Niehaus aus Georgsmarienhütte. Den Vorfall solle man bei der Polizei anzeigen, eine Anzeige ist auch online möglich. „Nur so können Banden aufgegriffen werden“, erklärt Niehaus.

Oft erzählen die betroffenen Kinder solche Vorkommnisse den Menschen, denen sie am meisten vertrauen und von denen sie keinen Ärger befürchten, zum Beispiel der Freundin, den Eltern oder einer Online-Stelle. „Hilfe holen ist kein Petzen“, sagt Niehaus.

Das Kind will nicht im Status-Bild der Eltern auftauchen? Oder es will nicht, dass Oma und Opa ein Foto an ihre Freunde schicken? Ein „Ich will nicht“ muss akzeptiert werden, fordert Franziska Breitschaft. Das fange schon im Kleinen an. „Ein Satz wie ,Ach komm, so schlimm ist das ja nicht‘ kann später auch von Tätern genutzt werden. Daher ist es umso wichtiger im Gespräch zu bleiben, zu erklären, warum man gerne ein Familienbild hat oder zeigt, aber es auch zu akzeptieren, wenn das Kind das nicht möchte“, sagt sie.

„Das Kind mit einzubinden, ist wichtig. Man kann zum Beispiel sagen: Wir möchten gerne ein Familienfoto als Erinnerung machen. Wollen wir das jetzt machen oder später?“ So lerne das Kind, dass ein Nein akzeptiert wird – und es stärkt das Selbstbewusstsein.

„Wenn Kinder für sich einstehen können, wissen, was sie wollen, und auch wissen, was sie wert sind, ist das der beste Schutz“, sagt die Beraterin. „Wenn Kinder bestärkt werden, dann trauen sie sich in sensiblen Situationen stärkere Entscheidungen zu und wissen, was gut ist und was nicht.“

Negative Kommentare wie „du bist hässlich“ oder „du hast nichts zu sagen“ in einer privaten Nachricht, im Klassenchat oder auf Plattformen wie Instagram „hinterlassen Wunden“, weiß Breitschaft. Ebenso wie Cybermobbing oder Cybergrooming. Ihr Tipp: Kinder von klein auf bestärken und ihnen sagen, dass sie gut sind, tolle Fähigkeiten haben und ihnen zeigen, dass sie bei Ängsten jederzeit zu einem kommen können.

Eltern sollte bewusst sein, dass im Internet auch beleidigt, gelogen, erpresst und gedroht wird. Es gibt Gewaltvideos, Nacktfotos und Fake-News. Generell sollten Eltern sich schon im Vorfeld gemeinsam mit ihren Kindern Gedanken über diese Themen machen.

Eltern können Kinder fragen: Bist du bereit für ein Handy? Die erste Antwort darauf sei meist ehrlich und zeige oft, dass auch Kinder unsicher sind. Ihr Tipp: die Checkliste auf Klicksafe.de.

Einen Link von Fremden öffnen, Fake-News erkennen oder das Recht am eigenen Bild: „Eltern sollten im Gespräch mit ihren Kindern ehrlich sein. Uns geht es ja auch manchmal so, dass wir nicht genau wissen, ob das nun echt ist oder wir ein Foto geschickt bekommen, das wir gar nicht haben wollen“, sagt Niehaus. „Wir als Eltern sollten offen sagen, dass uns auch Fehler passieren. Umgekehrt sollte man auch Kindern diese zugestehen und mit ihnen diese dann besprechen.“ Wichtig sei, zu wissen, wie man damit umgeht. Zum Beispiel: den Link nicht öffnen oder seriöse Quellen kennen. Die „Tagesschau“ zum Beispiel informiere gut über TikTok.

„Wenn Kinder ein Handy haben, dann geben Eltern Kontrolle ab und sollten Vertrauen haben“, sagt Marina Niehaus. Jede Familie müsse ihren Weg finden. Nur eins sei klar: „Wissen schützt.“

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