Polizei ermittelt Feuer in Borkumer Wohnung – es war Brandstiftung
Laut Staatsanwaltschaft Aurich und der Polizeiinspektion Leer/Emden wurde das Feuer in der Hindenburgstraße am 23. August absichtlich gelegt. Die Rede ist von einem versuchten Tötungsdelikt.
Borkum - Die Ursache für den Wohnungsbrand auf Borkum am frühen 23. August in der Hindenburgstraße steht fest: Es war Brandstiftung. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Aurich und der Polizeiinspektion Leer/Emden vom Montagnachmittag hervor.
Darin heißt es: „Nach umfangreicher Spurensuche und Auswertung sind die Staatsanwaltschaft Aurich und die Polizeiinspektion Leer/Emden nun zu dem Ergebnis gekommen, dass das Feuer das Resultat einer Brandstiftung ist. Da sich zum Zeitpunkt des Brandes sieben Menschen, darunter zwei Kleinstkinder, im Brandobjekt befanden, hat die Staatsanwaltschaft Aurich den Brand als versuchtes Tötungsdelikt eingestuft.“
Polizei sucht weiter Zeugen
Nach dem Feuer hätten Brandermittler der Polizeiinspektion Leer/Emden und die Staatsanwaltschaft Aurich die Ermittlungen in der Sachlage übernommen. In die Ermittlungen seien zudem unabhängige Brandgutachter einbezogen worden. Die Brandermittler der Leeraner Polizei seien derzeit für weitere Untersuchungen vor Ort und bitten Zeugen, die zur Sachlage oder zu weiteren Umständen Angaben machen können, die Polizei unter der Telefonnummer 04922/91860 zu kontaktieren.
Bei dem Brand vor zweieinhalb Wochen waren die Freiwillige Feuerwehr Borkum und andere Helfer wie DRK und DLRG im Großeinsatz gewesen. Das Feuer war in der Nacht gegen 2.40 Uhr in einer Wohnung im ersten Obergeschoss des Mehrfamilienhauses ausgebrochen und hatte sich bis in den Dachstuhl ausgebreitet. „Die Löscharbeiten waren komplex und forderten den vollen Einsatz aller beteiligten Feuerwehrleute“, hatte Dominik Janßen, Sprecher der Feuerwehren im Landkreis Leer, seinerzeit berichtet. „Dank der professionellen Arbeit konnte eine Ausbreitung des Feuers auf weitere Teile des Gebäudes verhindert werden.“
Eltern sprangen aus dem Fenster
Dramatische Folgen hatte das Feuer dennoch. Unter anderem waren ein Vater und eine Mutter mit zwei Kleinkindern aus dem Fenster im ersten Obergeschoss gesprungen, wobei sich die Erwachsenen beim Aufprall auf dem Boden schwere Verletzungen zuzogen. Sie wurden mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. „Die Tatsache, dass die Eltern einen solchen Schritt wagten, zeigt, in welcher großen Gefahr die Familie durch den Brand gewesen sein muss“, teilte Dominik Janßen mit. Insgesamt wurden bei dem Brand nach seinen Angaben neun Personen verletzt. Und es wurden zwei aus Rumänien stammende Familien obdachlos.
Die Mutter, die sich bei dem Fenstersprung die Hüfte gebrochen hatte und in einem Krankenhaus in Groningen operiert worden war, sei mittlerweile wieder auf der Insel, hatte die ebenfalls aus Rumänien stammende Borkumerin Ana Maria Andrei vergangene Woche gegenüber dieser Zeitung berichtet. Der schwer verletzte Mann und ein anderer Vater waren zu dem Zeitpunkt in Hamburg beziehungsweise Leer in medizinischer Behandlung. Ana Maria Andrei steht in regelmäßigem Kontakt mit den beiden Familien und hatte vom Brand Betroffene – darunter die beiden zumindest körperlich unversehrten Kleinkinder – vorübergehend bei sich aufgenommen.
Viele Spenden gesammelt
Inzwischen, so Ana Maria Andrei in der vergangenen Woche, sei aber ein Haus gefunden worden, das eigentlich zum Verkauf stehe und nun entsprechend ein- und hergerichtet werde. Dort könnten die beiden Familien fürs Erste unterkommen. „Es ist nicht einfach, aber die Hoffnung gibt es immer, dass alles besser wird“, sagte Ana Maria Andrei, die unter anderem als Übersetzerin mithilft und sich stellvertretend für die breite Anteilnahme und die Unterstützungsangebote bedankte – sei es mit Geldspenden – Medienberichten zufolge waren bereits über 27.000 Euro zusammengekommen – oder Sachspenden wie Kleidung oder Möbel. „Wir möchten gerne Danke sagen zur ganzen Borkum-Community. Wir sind sehr dankbar. Man kann das nicht alles alleine organisieren.“