Krankenhaus-Suche  Wo können Kinder aus Ostfriesland im Notfall versorgt werden?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 10.09.2024 18:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Diese Zunge eines damals einjährigen Jungen aus Krummhörn wurde im Klinikum Oldenburg genäht. Foto: Privat
Diese Zunge eines damals einjährigen Jungen aus Krummhörn wurde im Klinikum Oldenburg genäht. Foto: Privat
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Eltern aus dem Raum Emden mussten mit ihren blutenden Kindern jeweils bis nach Oldenburg fahren, damit sie in einer Klinik ärztlich versorgt werden. Welche Versorgungslücken gibt es in Ostfriesland?

Ostfriesland/Oldenburg - Die Ohrblutung eines neunjährigen Mädchens aus Emden ist am 5. Juli 2024 im Klinikum Oldenburg versorgt worden – nachdem die Eltern kein Krankenhaus in Ostfriesland gefunden haben, das ihre Tochter behandelt hätte beziehungsweise behandeln konnte. Ähnlich ging es am 4. Juni 2023 den Eltern eines damals einjährigen Jungen aus der Krummhörn, dessen Zunge schließlich mitten in der Nacht operiert wurde – ebenfalls am Klinikum Oldenburg, nach vorangegangenen Zwischenstationen in den Krankenhäusern Emden und Aurich.

Es handelt sich um Fälle, die von Eltern als Notfälle empfunden werden. Dass in so einer Situation erstmal ein Krankenhaus gesucht werden muss, das ein Kind behandelt, wirft Fragen bezüglich der Notfallversorgung in Ostfriesland auf. Unsere Redaktion hat daher Presseanfragen an die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie an die Stadt Emden gerichtet, die Träger des Rettungsdienstes und von Krankenhäusern in der Region sind. Es folgen die Fragen und Antworten (Stand: Juli 2024):

Die Ohrblutung eines neunjährigen Mädchens aus Emden wurde im Klinikum Oldenburg ärztlich versorgt. Foto: Ellinger
Die Ohrblutung eines neunjährigen Mädchens aus Emden wurde im Klinikum Oldenburg ärztlich versorgt. Foto: Ellinger

Gibt es in Ostfriesland ein Notfallversorgungs-Angebot für Kinder im Hals-Nasen-Ohrenarzt-Bereich (HNO-Bereich) rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche (24/7) – also wenn ein Kind beispielsweise aus dem Ohr blutet oder sich Teile der Zunge abgebissen hat?

Kreisverwaltung Aurich: „Die nächstgelegene Schwerpunktklinik für den HNO-Bereich befindet sich in Oldenburg. Es ist darauf hinzuweisen, dass die genannten Beispiele ,Blutung aus Ohr‘ und ,abgebissene Zunge‘ unspezifische Verletzungsmuster darstellen. Eine Blutung aus dem Mund kann beispielsweise auch ein Nachbluten nach Mandel-OP sein. Eine Blutung aus einem Ohr kann auch je nach Beschreibung, Sturz et cetera, ein Hinweis auf ein neurochirurgisches Ereignis sein, bei dem andere Kliniken mit einem entsprechenden Angebot anzufahren sind.“

Kreisverwaltung Leer: „Für HNO-Notfälle gibt es keine Abteilung im Landkreis Leer. Sie werden nach Oldenburg gebracht. Das gilt auch bei Augenverletzungen. Siehe dazu auch die Antworten des Klinikums.

Klinikum Leer: „Das Klinikum Leer verfügt über keine HNO-Fachabteilung. Am Borromäus-Hospital in Leer sind Krankenhausbetten für diese Fachrichtung ausgewiesen, die im Belegarztsystem geführt werden. Grundsätzlich erfolgt in unserer Zentralen Not- und Patientenaufnahme daher keine Notfallversorgung von HNO-Patienten. Es erfolgt lediglich eine Erstversorgung der Patienten, je nach medizinischer Notwendigkeit. Tagsüber innerhalb der Praxiszeiten wird dann direkt Kontakt zu einer HNO-Praxis aufgenommen, so dass der Patient in der Fachpraxis weiterbehandelt wird. Außerhalb der Praxiszeiten wird der Patient zur Weiterbehandlung an die HNO-Notfallambulanz im Klinikum Oldenburg verwiesen.“

Kreisverwaltung Wittmund: „Eine 24-stündige HNO-Versorgung ist im Klinikum Oldenburg mit angeschlossener Kinderklinik oder im Evangelischen Krankenhaus in Oldenburg zu finden. Zur Erstversorgung und Diagnostik sind aber alle Krankenhäuser auch im Versorgungsgebiet der KRLO geeignet. Zur Frage ,Blutung aus dem Ohr‘ ist grundsätzlich eine umfänglichere Anamnese sowie (ärztliche) Abklärung (Trauma oder Entzündung, Hausarzt oder HNO-Arzt vor Ort erreichbar oder besucht worden?) erforderlich. Hinsichtlich einer Zungenverletzung ist je nach Ausmaß und strukturierter Ersteinschätzung ebenfalls eine ärztliche Beurteilung zur weiteren Diagnostik und Therapie erforderlich.“

Stadtverwaltung Emden: „Da es in den ostfriesischen Kliniken kein Krankenhaus mit HNO-Hauptabteilung gibt, ist auch keine entsprechende 24/7 Versorgung möglich. Letztendlich ist ein solches Angebot für den HNO-Bereich auch für erwachsene Patienten nicht vorhanden [...]. Ein entsprechendes Rund-um-die-Uhr-Angebot stellen die Oldenburger Kliniken zusammen mit der dortigen Kinderklinik sicher. Eine Erstversorgung kann auch hier durch alle Kinderkliniken in Ostfriesland erfolgen. Ältere Kinder können vom Rettungsdienst während der Sprechzeiten der HNO-Praxis in Emden nach Absprache auch im Klinikum Emden vorgestellt und konsiliarisch von den Kollegen der HNO-Praxis gesehen werden.“

In welchen medizinischen Bereichen gibt es in Ostfriesland keine Notfallversorgung für Kinder rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche (24/7-Versorgung) – in welchen medizinischen Bereichen müssen also Eltern oder Rettungsdienste mit verletzten Kindern Krankenhäuser außerhalb Ostfrieslands anfahren?

Kreisverwaltung Aurich: „Die Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich hat grundsätzlich eine 24/7 Notfallversorgung von Kindern. Bei bestimmten Notfällen, wie zum Beispiel HNO (Hals-Nasen-Ohren)/Urologie/Neurochirurgie et cetera werden Kinder entweder direkt mit einem Rettungsmittel in das nächstgelegene und geeignete Krankenhaus verbracht (sofern eine entsprechende Diagnose vorliegt) oder von der UEK Aurich mit einem Rettungsmittel (KTW/RTW/RTH) in die nächste Schwerpunktklinik verlegt.“

Kreisverwaltung Leer: „Als Kinder zählen Personen unter 18 Jahren. Diese kann der Rettungsdienst 24/7 mit nahezu allen Diagnosen ins Klinikum Leer bringen.“

Stadtverwaltung Emden: „Grundsätzlich können aus unserer Sicht alle Kinder in den Kinderkliniken in Ostfriesland und direkter Umgebung (Aurich, Leer, gegebenenfalls auch Wilhelmshaven) erstversorgt und behandelt werden. Ob nach der immer sichergestellten Erstversorgung in diesen Kliniken eventuell dann die sekundäre Verlegung in eine Spezialklinik erforderlich ist, wird dann von der erstversorgenden Kinderklinik entschieden. In Zweifelsfällen entscheidet der Rettungsdienst nach Rücksprache mit den ostfriesischen Kinderkliniken, ob direkt eine Spezialklinik angefahren werden muss. Das nächstgelegene Krankenhaus, welches dann angefahren werden kann, ist das Universitätsklinikum Oldenburg (z. B. HNO, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, schwerverletzte Kinder, inklusive Schädel-Hirn-Verletzungen).“

Kreisverwaltung Wittmund: „Sobald es um eine spezielle Versorgung geht, wäre Oldenburg der richtige Zielort, zum Beispiel als dortige Fachabteilungen Kardiologie oder HNO. Ansonsten ist an den Klinikstandorten in Leer, Aurich und Wilhelmshaven eine (Erst-)Versorgung und Behandlung von Kindern in den (Kinder-)Kliniken sichergestellt. Diese Kliniken würden bei speziellen Fällen nach der Erstversorgung im Bedarfsfall an eine andere Einrichtung verweisen und den Patienten dorthin verlegen lassen.“

Seitens Geschäftsführer Stephan Rogosik von der Krankenhaus Wittmund gGmbH teilte die Kreisverwaltung mit, dass „das Krankenhaus Wittmund grundsätzlich nicht auf die Behandlung von Kindern ausgerichtet ist“. Aber: „Notfälle können natürlich erstversorgt werden und werden dann entsprechend der Erfordernisse des Einzelfalles weiterverlegt.“

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