Gütersloh  Ist Teilzeit noch zeitgemäß? So wollen Arbeitnehmer stattdessen arbeiten

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 08.09.2024 10:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn Eltern berufstätig sind: Vor allem bei Familien mit jungen Kindern sind flexible Arbeitszeitmodelle gefragt. Foto: IMAGO/Westend61
Wenn Eltern berufstätig sind: Vor allem bei Familien mit jungen Kindern sind flexible Arbeitszeitmodelle gefragt. Foto: IMAGO/Westend61
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Arbeitsmarkt im Wandel: Die klassische Teilzeit könnte bald der Vergangenheit angehören. Welche Modelle Frauen und Männer stattdessen bevorzugen, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Die klassische Teilzeitstelle hat ausgedient. Stattdessen stehen flexible Arbeitszeiten hoch im Kurs – bei Frauen und Männern gleichermaßen. Eine repräsentative Befragung der Bertelsmann Stiftung von mehr als 2500 Frauen und Männern zeigt: Reine Teilzeit ist nicht mehr das Modell der Wahl, vor allem nicht für Frauen mit Kindern. Vielmehr drängen sie auf Arbeitszeitmodelle, die ihnen die Möglichkeit geben, sich zwischen Beruf und Familie souverän zu bewegen, ohne in der Teilzeitfalle zu landen.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als seien Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt gut integriert: Die Erwerbstätigenquote liegt laut Umfrageergebnissen bei knapp 78 Prozent. Doch beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass beinahe die Hälfte der Frauen in Teilzeit arbeitet, obwohl dieses starre Modell zunehmend als unattraktiv empfunden wird.

Flexibilität ist das neue Schlagwort am Arbeitsmarkt. Rund die Hälfte der befragten Frauen, unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht, bevorzugt Arbeitsplätze, die ihnen Spielraum bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit bieten. Bei den Männern zeigt sich ein ähnliches Bild. Weniger als ein Drittel aller Befragten bevorzugt feste Arbeitszeiten. Das Bedürfnis nach Zeitsouveränität, mit der Beschäftigte ihre Arbeit besser an ihre Lebensumstände anpassen können, nimmt zu.

Die Befragten sollten in der Umfrage Muster-Stellenanzeigen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewerten. Die Ergebnisse zeigen, dass besonders Frauen mit jüngeren Kindern Vollzeitstellen als unattraktiv empfinden – nur etwa 21 Prozent würden sich dafür entscheiden.

Bei Männern mit Kindern liegt die Präferenz für Vollzeit bei etwa 38 Prozent. Beinahe die Hälfte der Befragten wünscht sich flexibel zwischen Voll- und Teilzeit wählen zu können. „Paare wollen heutzutage Erwerbs- und Sorgearbeit anders aufteilen. Dazu müssen sie Arbeitszeiten flexibler an ihre Bedürfnisse anpassen können“, wird die projektverantwortliche Arbeitsmarktexpertin, Michaela Hermann, in einer Mitteilung zitiert.

Starre Teilzeitmodelle stellen für Frauen oftmals eine berufliche Sackgasse dar. Besonders Mütter geraten nach dem Wiedereinstieg in den Beruf in die sogenannte „Teilzeitfalle“, da sie ihre Arbeitszeit nicht flexibel erhöhen können. „Viele bleiben bei einem geringen Stundenumfang, berufliche Karrieren brechen ab und Potenziale gehen verloren“, wird Luisa Kunze, die ebenfalls Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung ist, zitiert.

45 Prozent der Frauen und Männer würden gerne ganz auf feste Kernzeiten verzichten. „Diese Flexibilität schafft mehr Räume, auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu sein. Mitarbeiterorientierte flexible Arbeitszeitmodelle nützen so auch den Arbeitgebern“, sagt Hermann.

In Zeiten des Fachkräftemangels können Arbeitgeber mit familienfreundlichen Angeboten punkten. Besonders Frauen mit kleinen Kindern legen großen Wert auf eine familienfreundliche Arbeitsumgebung. Fast 45 Prozent von ihnen sehen dies als wichtigen Aspekt bei der Jobwahl. Auch finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder Betreuungsmöglichkeiten in Arbeitsplatznähe erhöhen laut Umfrageergebnissen die Attraktivität eines Arbeitgebers und sprechen sowohl Frauen als auch Männer an.

Während laut der Befragung einerseits mehr Flexibilität gewünscht ist, präferieren Arbeitnehmer im Schichtdienst feste Arbeitszeiten. In dieser Gruppe ist der Wunsch nach Flexibilität deutlich geringer ausgeprägt, da Verlässlichkeit und Planbarkeit im Vordergrund stehen.

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