Osnabrück  Kann Söder Kanzler? „Der Bart muss ab!“, riet ein Friseur einst einem SPD-Anwärter

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 03.09.2024 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Markus Söder beim politischen Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos. Foto: dpa
Markus Söder beim politischen Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos. Foto: dpa
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Bart als Bürde? Nach Michael Kretschmers knappem Sieg in Sachsen zeigt ein Blick in die Geschichte, wie sehr Gesichtsschmuck oder Glattrasur die politische Laufbahn beeinflussen können. Was sich daraus für Möchtegern-Kanzlerkandidat Markus Söder lernen lässt.

Nur ganz knapp hat sich die CDU bei der Landtagswahl in Sachsen noch gegen die AfD behaupten können, mit gerade mal etwas mehr als einem Prozentpunkt. Allzu stolz sollte Spitzenkandidat Michael Kretschmer also nicht sein. Denn, ganz ehrlich: Es hätte mehr drin sein müssen. Und es wäre wohl auch mehr drin gewesen, wenn – ja wenn, Kretschmer ohne Bart zur Wahl angetreten wäre?

Bei Politikerinnen thematisiert das geneigte Volk gern Kleidung oder eine Stimme, die sich bisweilen überschlägt. Oder das Äußere generell. Zu dick, zu dünn, zu irgendwas. Warum also nicht mal den männlichen Gesichtsschmuck in Augenschein nehmen, der gestandene Männer schnell wie – übergroße?– Gartenzwerge erscheinen lässt. Kann Neuerdings-Bartträger Markus Söder Kanzler?

Adenauer, Erhard, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder, sie alle waren glatt rasiert. Und der erste Kanzlerkandidat, der im Wahlkampf einen Bart trug – Genosse Rudolf Scharping – wurde im Wettstreit mit CDU-Gigant Helmut Kohl 1994 gnadenlos rasiert.

Auch dem zweiten erging es 2017 nicht besser. „Der Bart muss ab!“, hatte Starfriseur Udo Walz seinerzeit dem sozialdemokratischen Hoffnungsträger Martin Schulz noch geraten; es mache ihn jünger, gepflegter. Der Mann aus Würselen aber blieb seinem Stil treu – und verlor gegen Angela Merkel. Bärte in Berlin? Das kommt offenbar nur in Hipster-Kreisen gut an. 

Womit wir bei der Bundestagswahl wären. Der von seiner Partei erstaunlicherweise immer noch als Spitzenkandidat gesetzte SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz hat zwar keinen Bart; seine Beliebtheitswerte sind aber so, als hätte er einen. Das sollte der „Alten Tante“ zu denken geben.

Bleibt die Frage: Wer wird der Herausforderer? CDU-Chef Friedrich Merz? Alles spricht für den Sauerländer als Kanzlerkandidat der Union – zumindest so lange, wie sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nicht endlich wieder einer Rasur unterzieht, vorzugsweise öffentlichkeitswirksam in einem von Syrern betriebenen Barber Shop.

Oder aber Merz macht einen Fehler, wie seinerzeit Sozen-Chef-Bartträger Kurt Beck mit pfälzischer Feinfühligkeit; dieser riet einem Arbeitslosen, sich erstmal zu rasieren, dann klappe es auch mit einem Job. Der Rest ist Geschichte.

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