Fußballfans sauer  Knöllchen-Flut bei GW Firrel – erst Wut, nun Straferlass

| | 03.09.2024 16:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Ordnungsamt der Samtgemeinde Hesel schickte am Sonntagnachmittag einen Mitarbeiter nach Firrel, der dort 33 Knöllchen verteilte. Fotos: Doden
Das Ordnungsamt der Samtgemeinde Hesel schickte am Sonntagnachmittag einen Mitarbeiter nach Firrel, der dort 33 Knöllchen verteilte. Fotos: Doden
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In der Nähe des Firreler Sportplatzes dürfen Besucher von 15 bis 20 Uhr nicht parken. Nach 33 Knöllchen am Sonntag – auch für den Gästebusfahrer – war die Wut groß. Jetzt gibt es ein Happy End.

Firrel - In Firrel brodelte es seit Jahren. Die Parkgewohnheiten der Fußballfans von Grün-Weiß Firrel rund ums Sportgelände sorgten bei Anwohnern der Nordenderstraße und in Teilen der Politik für Unmut. Denn das dort vor rund einem Jahrzehnt durchgesetzte Parkverbot ignorierte das Firreler Fußball-Publikum geflissentlich. Am Sonntag erreichte der Konflikt seinen vorläufigen Höhepunkt. Die Samtgemeinde Hesel schickte erstmals Mitarbeiter des Ordnungsamts in die „brisante Zone“ und verteilte 33 „Knöllchen“. Selbst den Busfahrer des Gästeclubs SSC Dodesheide erwischte es. 70 Euro sollte der SSC-Chauffeur berappen.

Parken verboten – das gilt in Firrel in Sportplatznähe nur von 15 bis 20 Uhr und zielt speziell auf Fußballfans ab.
Parken verboten – das gilt in Firrel in Sportplatznähe nur von 15 bis 20 Uhr und zielt speziell auf Fußballfans ab.

Viele Zuschauer traten angesichts eines Strafbescheids in Höhe von 20 bis 70 Euro – je nach Straßenseite und Parkdauer – mit Wut im Bauch die Heimfahrt an. Später meldeten sich etliche Besucher erzürnt bei der Gemeinde oder beim Firreler Klubchef Johannes Poppen. Nun besänftigt die Samtgemeinde die Gemüter. Laut Marco Fuss, dem Fachbereichsleiter „Menschen“ (dazu gehört das Ordnungsamt), werden alle Parksünder Post mit dem Hinweis auf ihr Vergehen erhalten, aber niemand müsse die angekündigte Strafe zahlen. Diese Entscheidung trafen Samtgemeindebürgermeister Uwe Theemann und Marco Fuss gemeinsam.

Gelbe Karte für Falschparker

„Wir sehen das als Sensibilisierungsmaßnahme und wollten ein Zeichen setzen“, betont Fuss. „Es soll aber nicht den Eindruck erwecken, als wenn sich die Gemeinde die Taschen vollmachen will.“ Ein bloßer Zettel-Hinweis auf das Parkverbot hätte ganz ohne Bußgeldbescheid nach seiner Ansicht keinen Effekt gehabt. Mit dieser versöhnlichen Regelung zeigt sich auch der Bürgermeister und GW-Vorsitzende Johannes Poppen einverstanden und kommentiert die Maßnahme in Fußballer-Manier. „Das war jetzt die Gelbe Karte für die Falschparker. Beim nächsten Mal gibt es Rot.“

Johannes Poppen hofft, dass nun Ruhe einkehrt.
Johannes Poppen hofft, dass nun Ruhe einkehrt.

Als weitere Maßnahme, den Frieden zwischen Sportlern und Anwohnern wieder herzustellen, ist zudem eine neue Parkregel geplant. Auf der Grünflächenseite (östliche Straßenseite) soll das Parken verboten bleiben, auf der anderen Seite das eingeschränkte Halteverbot aber aufgehoben werden. Das soll in einer Gemeinderatssitzung am 16. September beschlossen und dann vom Landkreis umgesetzt werden. So parken die Fußball-Besucher höchstens noch auf einer Seite und es bliebe genügend Platz für alle anderen Bürger.

Kein echtes Problem in 51 Jahren

„Letztlich entstand das Problem durch Unwissenheit und Gemütlichkeit“, sagt Fuss. Mit Unwissenheit meint er, dass Ortsunkundige oftmals nicht um die Parkmöglichkeiten beim Modehaus Kaiser und bei der Baptistengemeinde wissen. „Da sehe ich jetzt den Verein in der Informationspflicht.“ Das räumt auch Johannes Poppen ein. „Ich werde alle Gästemannschaften anschreiben und auf die Parkmöglichkeiten hinweisen.“ Er verweist trotzdem darauf, dass die Firreler Gäste nie den Verkehr behindert hätten. „Letztlich hat es in der Straße durch parkende Autos in 51 Jahren kein echtes Problem gegeben“, sagt er. „Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen hatten immer genügend Platz.“

Allerdings gebe es nun einmal seit rund einem Jahrzehnt die Parkverbotsregel. Und sie wurde damals extra für das Fußball-Publikum erlassen, denn das Verbot gilt nur von 15 bis 20 Uhr. Laut Fuss hätten sich die Anwohner immer beklagt, dass sie mit ihren Fahrzeugen aus ihren Ausfahrten nicht herauskämen. „Die Fronten zwischen Sportverein, Anwohnern und Politik waren verhärtet. Ich hoffe, dass man sich jetzt in der Mitte trifft.“

Um niemanden zu vergrätzen, erlässt die Gemeinde nun den Parksündern das Bußgeld. Fuss weiß, dass die Samtgemeinde die Paragrafen sehr wohlwollend ausgelegt hat. „Grundsätzlich können Verwaltungsakte zurückgenommen werden“, sagt er. Aber die praktische Rücknahme beim Falschparken ist eine Besonderheit, die es in dieser Form wohl nur in Firrel gibt.

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