Sydney Knallhart-Chef aus Australien will seine Mitarbeiter „den ganzen Tag gefangen halten“
Um die Produktivität zu erhöhen, will ein Unternehmer aus Australien seinen Mitarbeitern Kaffeepausen in der Stadt verbieten. Auch vom Home-Office hält er nichts. Das sind seine Gründe.
Mitarbeitern des australischen Bergbauunternehmens von Chris Ellison ist es bereits verboten, von zu Hause aus zu arbeiten. Für einen Kaffee nach draußen zu gehen, ist nun die nächste Vergünstigung, die der Minenchef gerne streichen möchte. Dies sagte der 67-jährige Milliardär und Geschäftsführer von Mineral Resources während der Präsentation der Finanzergebnisse des Unternehmens, die Ende August auf YouTube veröffentlicht wurde.
Darin erklärt Ellison selbstbewusst und mit viel Überzeugung, dass er die Angestellten „den ganzen Tag gefangen halten“ möchte. „Ich möchte nicht, dass sie das Gebäude verlassen. Ich möchte nicht, dass sie die Straße entlanggehen, um eine Tasse Kaffee zu trinken“, sagte er. Und weiter: „Wir haben vor ein paar Jahren herausgefunden, wie viel das kostet.“
Nach eigenen Angaben hat die Firma rund 7000 Beschäftigte in Westaustralien, die in der Eisenerz- und Lithiumförderung sowie an Energieprojekten arbeiten. Beim Marktforschungsinstitut IbisWorld ist dagegen von 5690 Angestellten die Rede.
Noch vor den Worten, die seit einigen Tagen die Runde im Internet machen und dort eine Welle der Entrüstung ausgelöst haben, hatte Ellison aufgezählt, wie das Unternehmen versucht, die Mitarbeiterbindung zu verbessern. Er sprach über den „wirklich großen Fokus auf die psychische Gesundheit“ in seiner Firma und darüber, dass das Unternehmen neun Psychologen auf der Gehaltsliste habe.
Sieben davon arbeiten in den Minencamps in Westaustralien. Diese sind so abgelegen und einsam, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter für ihre Schichten ein- und ausgeflogen werden. Diese sogenannten „Fifo“-Arbeiter – wobei die Abkürzung für „Fly in, Fly out“ steht – arbeiten meist zehn bis zwölf Stunden für zwei bis vier Wochen am Stück, einschließlich Wochenenden, gefolgt von ein bis zwei Wochen frei.
Die Mitarbeiter, die Ellison „gefangen halten“ will, sind damit eher die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in der Firmenzentrale in Perth. Ellison, der ursprünglich aus Neuseeland stammt, seit den 1970ern aber in Westaustralien arbeitet und dort laut lokaler Medienberichte in einem 50-Millionen-Dollar-Haus (umgerechnet 30 Millionen Euro) lebt, versucht seit Jahren, den Arbeitsplatz für seine Angestellten so attraktiv zu gestalten, dass sie das Bürogebäude nicht wirklich verlassen müssen.
So hat das Unternehmen in ein Restaurant, ein Fitnessstudio und eine Hausarztpraxis investiert, damit die Mitarbeiter das Büro zur Mittagszeit nicht verlassen müssen. Kaffee im Haus kostet drei Australische Dollar, umgerechnet rund 1,80 Euro, und auch die Mahlzeiten und das Fitnessstudio sind subventioniert und damit billiger als außerhalb. Auch Kinderbetreuung soll bald im Haus angeboten werden.
Passend dazu, dass der Manager, der im vergangenen Jahr selbst sechs Millionen Australische Dollar (3,7 Millionen Euro) verdiente, seine Belegschaft davon abhalten will, die Firmenzentrale zu verlassen, hat er auch das Arbeiten von zu Hause verboten. Denn auch das hat seiner Meinung nach Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis. „Die Industrie kann es sich nicht leisten“, sagte er dazu in seiner Präsentation. „Wir können nicht zulassen, dass Leute drei Tage die Woche arbeiten und fünf Tage die Woche ihren Lohn kassieren.“
Trotz der vielen Vorteile, die Ellisons Führungsstil den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschafft, löste die Veröffentlichung der Präsentation heftige Diskussionen im Internet und in den lokalen Medien aus. Die meisten echauffierten sich über die Worte des Firmenchefs und argumentierten dagegen. „Zufriedene Mitarbeiter sind produktive Mitarbeiter“, schrieb ein Internetnutzer beispielsweise auf der Plattform X. „Ich habe mit Leuten zusammengearbeitet, die die Arbeit von zwei anderen Mitarbeitern erledigen konnten. Ich hatte kein Problem damit, ihnen als kleine Belohnung dafür, dass sie ein guter Mitarbeiter waren, mehr Pausen zu gönnen.“
Eine andere Kommentatorin stellte sich dagegen – mit einer kleinen Einschränkung – auf Ellisons Seite: „Die Menschen werden dafür bezahlt, zu arbeiten und sich am Arbeitsplatz aufzuhalten, es sei denn, es ist Mittagszeit.“ Wenn die Unternehmensrichtlinien nicht zu den Mitarbeitern passen würden, dann könnten sie jederzeit einen anderen Job finden.
Während Ellison die Kaffeepause wohl nur über seine Firmen-Benefits beeinflussen kann, stand es ihm frei, die Heimarbeit nach den Pandemiejahren wieder abzuschaffen. Denn auf diese haben australische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Rechtsanspruch. Allerdings haben sie unter bestimmten Umständen das Recht, flexible Arbeitsregelungen zu verlangen.
Dies ist möglich, wenn Arbeitnehmer mindestens zwölf Monate beim selben Arbeitgeber gearbeitet haben und Eltern oder Betreuer eines jüngeren Kindes oder eines Kindes im schulpflichtigen Alter sind, sie eine Behinderung haben, 55 Jahre oder älter sind, familiäre oder häusliche Gewalt erlebt haben oder schwanger sind.
Doch auch wenn keine rechtliche Grundlage besteht und Ellison im internationalen Vergleich nicht alleine dasteht – auch JPMorgan Chase-Chef Jamie Dimon oder Tesla- und X-Chef Elon Musk forderten im vergangenen Jahr ein Ende der Home-Office-Regelung aus der Pandemiezeit – so machen die Gewerkschaften in Australien etlichen Industrien einen Strich durch die Rechnung.
Beispielsweise erkämpfte die für den Bankensektor zuständige Gewerkschaft, dass die Angestellten einer der großen Banken weiterhin von zu Hause arbeiten durften, als diese im vergangenen Jahr etliche Mitarbeitende in die Büros zurückbeorderte.
Dass dies grundsätzlich nicht von Nachteil für die Firmen sein muss, zeigte im letzten Jahr eine Umfrage unter mehr als 50.000 Australiern, die die Nachrichtenseite News.com.au durchführte. Eine der gestellten Fragen war dabei, ob die Teilnehmenden weniger produktiv seien, wenn sie von zu Hause aus arbeiteten.
Fast ein Drittel der Befragten, 30 Prozent, gab an, dass ihre Produktivität davon abhänge, wie sie sich an diesem Tag fühlen. Fast genauso viele Befragte (29,2 Prozent) fanden jedoch, dass sie bei der Arbeit zu Hause „wesentlich produktiver“ sind. 22,4 Prozent gaben dagegen an, weniger produktiv zu sein und zwischendurch Hausarbeiten wie Wäsche waschen zu erledigen.