Erfurt/Dresden  Wählerwanderung in Sachsen und Thüringen: Wem AfD und BSW die Stimmen abjagten

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 02.09.2024 14:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
33 Prozent holte die AfD in Thüringen. Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber
33 Prozent holte die AfD in Thüringen. Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber
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Die AfD triumphiert bei den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen und wird erstmals stärkste Kraft in Thüringen. Während die etablierten Parteien massive Verluste hinnehmen müssen, überrascht das Bündnis Sahra Wagenknecht mit zweistelligen Ergebnissen. Wie die Stimmen seit den letzten Wahlen flossen, zeigen Grafiken zur Wählerwanderung.

AfD und BSW gehören zu den großen Gewinnern der Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen. Erstmals ist die AfD bei einer Landtagswahl stärkste Kraft geworden. 33 Prozent holten die Blauen in Thüringen – mit 9,2 Prozentpunkten Vorsprung auf die zweitplatzierte CDU (23,6 Prozent). In Sachsen schaffte es die AfD mir 31 Prozent auf Platz zwei – nur kurz hinter der CDU (32 Prozent).

Das noch junge BSW konnte in beiden Bundesländern aus dem Stand zweistellige Ergebnisse einfahren: 16 Prozent in Thüringen und 12 Prozent in Sachsen. Die Linke, die in Thüringen mit Bodo Ramelow bisher den Ministerpräsidenten stellte, landete hinter dem erstmalig angetretenen Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) auf dem vierten Platz. Doch wem jagten die AfD und das BSW die meisten Stimmen ab?

Ein Blick auf die Analyse von Infratest dimap zur Wählerwanderung zeigt, dass AfD und BSW viele Wähler der etablierten Parteien für sich gewinnen konnten.

Sowohl die CDU, als auch die Ampelparteien verloren an die rechtsextreme AfD in Thüringen. Aber auch die Wähler der Linken, die seit 2014, mit kurzer Unterbrechung, den Ministerpräsidenten des Landes stellt, wechselten zu einem großen Teil zu den Blauen. Zudem konnte die AfD viele Nichtwähler für sich begeistern.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erlebte in Thüringen eine gelungenen Wahlabend: Vor allem die linken Wähler wechselten zur jungen Partei der ehemals linken Wagenknecht. Aber auch den anderen Parteien jagte der Neuling Stimmen ab: Vor allem Wähler der CDU, der SPD und der AfD wechselten zu großen Teilen zum BSW. Aber auch Nichtwähler konnte das Bündnis zum Gang an die Urne motivieren. 

Die CDU konnte vor allem im linken Lager Stimmen gewinnen, aber auch etliche Wähler der Ampelparteien wechselten zur Union. Verloren haben die Christdemokraten vor allem an die AfD und den BSW.

Die Linke mussten in dieser Wahl ordentlich einstecken. Sie gewannen ausschließlich von der FDP ein paar Stimmen. Zudem konnten sie einige Nichtwähler von ihrem Programm überzeugen.

Die SPD verlor etliche Stimmen an die CDU und das BSW. Ein paar Wähler wechselten auch zur AfD. Ihren Koalitionspartnern auf Bundesebene konnten die Sozialdemokraten hingegen Stimmen abjagen – und auch einige linke Wähler konnte die SPD überzeugen. 

Die Grünen gehören zu den großen Verlierern der Wahl. Bis auf wenige Nichtwähler konnte die Partei kaum jemanden Neues für sich gewinnen. Stattdessen mussten die Grünen etliche Wähler in Richtung CDU, BSW, SPD und AfD ziehen lassen.

Die FDP verlor viele bisherige Wähler an die CDU, die AfD und das BSW. Ein Teil der bisherigen FDP-Wählerschaft machte diesmal gar kein Kreuz. 

Die AfD konnte auch in Sachsen bei etlichen Wählern der etablierten Parteien punkten. Vor allem die CDU musste einen Großteil ihrer Wähler ziehen lassen, aber auch die Linke, die SPD und die Grünen verloren an die Rechtsextremen. Allerdings wendeten sich etliche ehemalige AfD-Wähler auch dem erstmals vertretenen BSW zu.  

Auch in Sachsen fuhr das BSW schon bei ihrer ersten Wahl sehr gute Ergebnisse ein. Die Partei jagte vor allem den Linken etliche Wähler ab, aber auch viele Wähler von CSU, AfD und SPD wechselten zum neuen Bündnis.

Die CDU konnte vor allem dem linken Lager – den Grünen, der Linken und der SPD – Stimmen rauben. Verluste gab es an die AfD und das BSW. 

Die SPD konnte vor allem bei Wählern der Grünen und der Linken Zugewinne verzeichnen. Sie verlor allerdings an die AfD, das BSW und die CDU.

Die Linke musste viele Wähler an das BSW der früheren Parteigenossin Sahra Wagenknecht ziehen lassen. Zudem verlor die Partei Stimmen an die CDU, SPD und die AfD. Eine Reihe von bisherige Linke-Wähler machten diesmal auch gar kein Kreuz. 

Die bislang mitregierenden Grünen stehen nach den jüngsten Wahlen ebenfalls schlecht dar. Sie verloren vor allem Wähler an ihre Koalitionspartner – die CDU und die SPD – aber auch an das BSW, die AfD, die Linke sowie ans Lager der Nichtwähler.

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