Ostfrieslands Sprache Huulbesen, Plüschmoors, tüdelig – das sind Ihre plattdeutschen Lieblingswörter
Plattdeutsch gehört zu Ostfriesland dazu, schon mit dem täglichen „Moin“ ist es Teil des Alltags. Einige Wörter mögen die Ostfriesen besonders. Ein Gespräch mit Grietje Kammler vom Plattdüütskbüro.
Ostfriesland - „Bangbüx“, „Filapper“, Riesticken“: Das Besondere an der plattdeutschen Sprache ist für viele nicht nur ein Gefühl von Heimat, Familie und Verbundenheit, sondern auch das Direkte und Humorvolle, das in der oft sehr bildhaften Sprache mitschwingt.
In einem Aufruf in unseren Social-Media-Kanälen Instagram und Facebook fragten wir unsere Leserinnen und Leser, was ihr plattdeutsches Lieblingswort ist. In den Kommentaren wurden verschiedenste Wörter genannt, und allein diese Liste könnte wohl schon eine kleine Ode an die plattdeutsche Sprache sein.
„Plattdeutsch macht auch einfach Spaß“
Zu den oben genannten kamen auch griffige Vokabeln wie „bregenklöterich“ (das eigentlich nicht aus dem ostfriesischen Plattdeutsch stammt und so viel bedeutet wie „ein bisschen durcheinander im Kopf“), und „Schloothüssi“ (also: Flusspferd). Besonders häufig nannten die Leserinnen und Leser aber „Huulbesen“, „Plüschmoors“ und „tüdelig“.
Warum ausgerechnet diese Wörter? Grietje Kammler, die Leiterin des Plattdüütskbüros der Ostfriesischen Landschaft, sieht darin vor allem Wörter, die witzig und unterhaltsam sind. „Wenn Menschen so was gefragt werden, gehen sie sicher eher in die lustige oder niedliche Ecke“, vermutet sie. „Das zeigt: Plattdeutsch macht auch einfach Spaß. Und das darf es auch.“
Woher kommen „tüdelig“, „Plüschmoors“ und „Huulbesen“?
Besonders an den Top Drei ist die unterschiedliche Herkunft der drei Wörter. „Tüdelig“ (also: „vergesslich“, „durcheinander“ oder „umständlich“) ist eine klassische plattdeutsche Vokabel, wie Grietje Kammler im Gespräch mit der Redaktion erzählt.
„Plüschmoors“ (also: „Hummel“) ist ihrer Kenntnis nach kein Wort aus dem ostfriesischen Plattdeutsch. „Für Ostfriesland kenne ich das Wort so nicht. Das kenne ich eher aus Hamburg oder Bremen“, sagt sie. Im Wörterbuch des NDR ist es unter anderem auch der Region Ostfriesland zugeordnet.
Bei „Huulbesen“ („Staubsauger“) handelt es sich laut der Expertin um ein Wort, das erst später entstanden ist. „Ganz oft erreichen uns Anfragen für Wörter, die es in der alten Sprache nicht gibt“, erklärt Grietje Kammler. „Für viele neue Dinge gibt es einfach noch keine Wörter auf Plattdeutsch. Deshalb lässt man auch hochdeutsche Wörter ins Plattdeutsche einfließen“, weiß sie.
Plattdeutsch verändert sich im Lauf der Zeit
Auf der Suche nach plattdeutschen Bezeichnungen seien auch neue Wörter kreiert worden. „Das sind dann Kunstwörter“, sagt Kammler. Als Beispiele nennt sie neben „Huulbesen“ noch den „Kiekkast“ für „Fernseher“ oder – mit Einfluss aus dem Niederländischen – „Spegelplaat“ für CD. „Manchmal rufen auch Menschen bei uns an und schlagen neue Wörter für unser Online-Wörterbuch vor“, erzählt sie. Andere Wörter, wie etwa Bezeichnungen für alte Handwerksberufe, verwende man gar nicht mehr, weil sie nicht mehr gebraucht werden.
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Das sei eine ganz normale Entwicklung. „Die Plattdeutsche Sprache verändert sich wie andere Sprachen auch, weil sie mit der Zeit geht“, sagt sie. Somit seien ebenso neue englische oder hochdeutsche Wörter mit darin. Man müsse nicht jedes Wort ins Plattdeutsche übersetzen. „Die Sprache wird weiterhin von den Menschen gemacht“, so Kammler.
Grietje Kammler mag die Wörter „Leevde“ und „Mitnanner“
Und was ist Ihr Lieblingswort auf Platt, Frau Kammler? „Das ist eine schwierige Frage“, sagt sie – und kommt dann doch recht schnell auf „Leevde“, also: „Liebe“.
In einer E-Mail im Anschluss an das Gespräch mit der Redaktion schickt sie noch ein weiteres Wort: „Mitnanner“, das mit „gemeinsam“ oder „zusammen“ übersetzt werden kann und zudem das Motto des aktuellen Plattdüütskmaant (Plattdeutsch-Monat) ist, den das Plattdüütskbüro jedes Jahr veranstaltet. „Damit wollen wir Menschen ermutigen, wieder mehr Plattdeutsch miteinander zu sprechen“, sagt sie.
Plattdeutsch soll bald als Fremdsprache an Schulen unterrichtet werden
Erst im August 2024 erklärte das Niedersächsische Kultusministerium die Schreibweise für das ostfriesische Plattdeutsch für Schulen als verpflichtend. Damit ging das Land nach den erschienenen Niederdeutsch-Büchern mit dem Titel „Snacken Proten Kören“ einen weiteren Schritt in Richtung Niederdeutschunterricht an Schulen, der laut Grietje Kammler spätestens ab 2028 angeboten werden soll. „Das bedeutet sehr viel für uns, dafür kämpfen wir seit Jahren“, sagt sie. „Nur so hat Plattdeutsch wirklich eine Chance, dass es mehr gefördert wird.“
Erwachsene sprechen zu wenig Platt mit Kindern
Bei einer 2023 durchgeführten Umfrage des Plattdüütskbüros gaben knapp 59 Prozent der rund 2600 Befragten an, dass sie gut bis sehr gut Platt sprechen, 48 Prozent sprechen es täglich. Nur 16 Prozent gaben an, dass sie auch regelmäßig mit Kindern Plattdeutsch sprechen. In der Pressemitteilung dazu gab Grietje Kammler an: „Das ist ausbaufähig und auch ein wenig erstaunlich vor dem Hintergrund, dass mehr als 93 Prozent der Meinung sind, dass Kinder mit Hoch- und Plattdeutsch aufwachsen sollten.“ Mit Kindern Platt zu sprechen sei wichtig, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. „Sonst sind wir bald wirklich kein Zweisprachenland mehr.“ Plattdeutsch oder auch Niederdeutsch ist seit 1999 in Deutschland als Regionalsprache im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt.
Wie bringt man mehr Plattdeutsch in den Alltag?
Und was kann man noch tun, um Plattdeutsch im Alltag lebendig zu halten? „Wenn man einen plattdeutschen Background hat, würde ich empfehlen, einfach mal wieder an der Kasse Platt zu sprechen“, sagt sie. „Oder, wenn man neue Leute kennenlernt, dass man einfach mal Platt miteinander spricht.“
In diesem Zusammenhang erwähnt Grietje Kammler noch eine neue Studie von der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. Darin werde unter anderem herausgestellt: „Je öfter man spricht, desto schneller fallen die Hemmungen“, sagt sie.