Gedenkstätte Aschendorfermoor Rhauderfehner Gymnasiasten auf Spurensuche
Der zwölfte Jahrgang des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums erarbeitete Erinnerungstafeln für das ehemalige Strafgefangenenlager II Aschendorfermoor. Das ging über eine schulische Arbeit weit hinaus.
Rhauderfehn / Aschendorfermoor - Im Rahmen eines einjährigen Kooperationsprojektes erarbeiteten Schülerinnen und Schüler der 12. Stufe des Albrecht-Weinberg-Gymnasium Rhauderfehn mit Seminarleiter Igor Kukowski neue Geschichts- und Erinnerungstafeln für die Kriegsgräberstätte Aschendorfermoor. Gedenkstättenpädagogin Jacqueline Meurisch von der Gedenkstätte Esterwegen sowie Johanna Knoop, Bildungsreferentin vom Volksbund Bezirksverband Weser-Ems, begleiteten das Projekt.
Ende Juni dieses Jahres wurden die neuen Tafeln im Rahmen eines Festaktes feierlich eingeweiht. Die Errichtung von Erinnerungstafeln ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Gedenkstätte Esterwegen, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und wechselnden Schulen. Für das Albrecht-Weinberg-Gymnasium Rhauderfehn war diese Art der Zusammenarbeit eine Premiere.
Schulklasse war mit dem Thema vertraut
Die Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs vom Albrecht-Weinberg-Gymnasium lautete, neue Geschichts- und Erinnerungstafeln für die Kriegsgräberstätte der ehemaligen Strafgefangenenlagers II Aschendorfermoor innerhalb eines Jahres in Arbeitsgruppen zu erstellen. Seminarfachleiter Igor Kukowski begleitete das außerschulische Projekt, das zu Beginn des Schuljahres 2023/24 startete. Mit dem Schreiben der Seminararbeit im Herbst 2024 endet die schulische Komponente des Projektes.
Die Schulklasse war mit dem Thema vertraut. Bereits in der 10. Klasse stand ein Besuch der Gedenkstätte Esterwegen an. Als Vorbereitung für das einjährige Projekt sahen und besprachen die Schülerinnen und Schüler den deutschen Dokumentarfilm „Der Hauptmann von Muffrika“.
Quellenlage war nicht einfach
Aufgeteilt in vier Gruppen erarbeiteten die Jugendlichen größtenteils in Eigenregie Inhalte der Tafeln auf Grundlage von Recherche in Katalogen, Fachliteratur und Online-Texten. Die Fragen, was soll auf die Tafel und welche Möglichkeiten gibt es, Wissen zu vermitteln, mussten beantwortet werden. Die kreative Idee der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, Aussagen von Zeitzeugen in einem Hörwald über eine QR-Code hörbar zu machen, sei aufgrund fehlender Zitate nicht umsetzbar gewesen.
„Die Quellenlage der Gedenkstätte ist nicht einfach. Die Tafeln sind nicht biographisch aufziehbar, da es keine Gräberliste gibt. Es gibt keine Namenslistung der Toten. Die Zustände waren damals chaotisch gewesen. Viele Unterlagen der Gedenkstätte sind verloren gegangen“, berichtete Gedenkstättenpädagogin Jacqueline Meurisch. Bei dem diesjährigen Projekt sei es vielmehr darum gegangen, sich einen Überblick zu verschaffen und auf den Tafeln zu vermitteln, was die Menschen während des Krieges erlitten haben.
Jugendliche auf Spurensuche
Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dem sogenannten „Herold-Massaker“ und kritisierte seine Darstellung auf den alten Schildern, bei der es um die Erinnerung an die Opfer des Massakers von 1945 ging. „Auf den alten Schildern war Herold die Hauptfigur. In unserer Gruppe haben wir erarbeitet, wer er ist und warum er eine schlimme Person ist. Das vermittelt das neue Schild auf einen Blick. Wir haben stark herunter gekürzt. Wir wollten ihn auch nicht überrepräsentieren. Er ist der Haupttäter. Die alte Tafel hat dazu nicht viel gesagt“, erläuterte Gymnasiast Dennis Antoni (19). Die Erfahrung, über eine lange Zeit mit Unterstützung eigenständig zu arbeiten, sei für ihn interessant gewesen.
Weitere Gruppen erarbeiteten die Erklärung des Lageraufbaus Aschendorfer Moor und begaben sich auf Spurensuche. Ein anderer Forschungsbereich beschäftigte sich mit der Entwicklung nach 1945 aus archäologischer Perspektive.
Aktive Mitwirkung an Prävention
Auf insgesamt zwei Tafeln mit den Maßen 90 Zentimeter mal zwei Meter passen etwa zwei DIN-A4 Seiten Text und Bild. Die größte Herausforderung seien die Kürzungen gewesen, dass alles auf die Schilder passt, sagten die Jugendlichen, die trotz der schweren Thematik durchweg positiv von der Projektarbeit berichteten. „Es ist ein sehr bedrückendes Thema, ich fand es aber gut, dass wir auch etwas für die Ewigkeit geschaffen haben“, betonte Schülerin Helin Mohamad (18). Pia Brechtezende (18) sagte: „Ich fand es schön, dass man etwas für die Allgemeinheit macht, nicht nur für die Lehrer. Das ist schon eine andere Aufgabe.“ Und Jan Woldenga (18) ergänzte: „Man wirkt aktiv an der Prävention mit. Der Ort, den wir geschaffen haben, mahnt und warnt davor, dass wir so etwas nie wieder haben. Das ist das Tolle an diesem Lernort.“
Am 20. Juni 2024 wurden die neuen Geschichts- und Erinnerungstafeln für die Kriegsgräberstätte Aschendorfermoor im Rahmen eines Festakts, den auch die Schülerinnen und Schüler des Albrecht-Weinberg-Gymnasiums durch Redebeiträge und musikalische Vorführungen gestalteten, feierlich eingeweiht.