Tipps von der Polizei Horror-Vorstellung Unfall am Stauende – was kann ich tun?
In Emden hat es am späten Montagabend zwei Auffahrunfälle am Stauende auf der A31 gegeben. Eine Horror-Vorstellung wohl für jeden Autofahrer. Was tue ich am Stauende, wenn der hinter mir nicht bremst?
Emden - Stau auf der Autobahn: Das sorgt schon unter normalen Umständen für Stress bei Autofahrern. Zum Horror wird es, wenn man am Stauende steht und von hinten schnell Autos nahen. Bremsen sie noch rechtzeitig? Sehen sie das Stauende? Was mache ich, wenn hinter mir augenscheinlich nicht mehr gebremst werden kann? Wir haben darüber mit Svenia Temmen gesprochen. Sie ist Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden.
Der aktuelle Anlass: Am späten Montagabend, 26. August 2024, hatte es gegen 22.45 Uhr gleich zwei Auffahrunfälle am Stauende auf der Autobahn 31 in Emden auf Höhe Emden-Mitte gegeben. Wahrscheinlich hatte es sich bei der Abfahrt gestaut, weil nach VW-Spätschicht-Ende viele Autofahrer in Emden-West auf die Autobahn fuhren und Emden-Mitte, also Richtung Auricher Straße, runter wollten. Ein 35-jähriger Auricher wurde bei dem Unfall schwer verletzt, weil eine 32-jährige Frau aus Emden das Stauende zu spät erkannte. Es gab außerdem fünf Leichtverletzte.
Wie verhalte ich, wenn es sich staut?
Um Auffahrunfälle dieser Art zu vermeiden, hat Svenia Temmen zunächst einen einfachen, aber oft ignorierten Tipp: „Gerade auf der Stadt-Autobahn ist es sinnvoll, sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit zu halten.“ Auf dem Autobahn-Ring rund um Emden gilt manchmal eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde, manchmal 100, manchmal 120. Für diese Regelungen habe man sich nicht aus Spaß entschieden, so Temmen. Das beruhe auf Erfahrungswerten insbesondere zu potenziell stockendem Verkehr bei den vielen Auf- und Abfahrten. Auch gebe es auf der A31 bei Emden „tricky Ecken“, also weniger gut einsehbare Abschnitte.
Defensiv und auf Abstand zu fahren, sei immer ratsam, sagt die Sprecherin. „Ausreichender Sicherheitsabstand ist einfach die Nummer 1.“ Die Faustregel, zwei Autolängen zum Vorfahrenden Platz zu lassen, reiche dabei meist nicht aus. Stattdessen rät Svenia Temmen zur Regel der „halben Tacho-Länge“. Heißt: Fahre ich 100 Kilometer pro Stunde, dann halte ich 50 Meter Abstand. Das lässt sich anhand der Leitpfosten an der Autobahn bestimmen. Diese stehen immer 50 Meter auseinander.
Was mache ich, wenn hinter mir nicht gebremst wird?
Vorbeugend kann man zum einen schnellstmöglich den Warnblinker anschalten, wenn man auf ein Stauende oder stark stockenden Verkehr zu fährt, rät Svenia Temmen. Dann sollte man zum anderen nicht Stoßstange an Stoßstange halten, sondern viel Platz zum Auto vor einem lassen. Fährt jemand hinten auf, wird man also nicht gleich auf ein nächstes Fahrzeug aufgeschoben.
Auch könne man schon einmal vorher schauen, wohin man ausweichen könnte - zum Beispiel auf den Standstreifen. Wird schnell erkennbar, dass der Autofahrer hinter einem nicht bremst oder es nicht mehr rechtzeitig schaffen wird, dann kann man die vorderen stehenden Autofahrer durch Hupen warnen, so Temmen.
Nicht nur am Stauende gibt es die Situation, dass jemand so dicht auffährt, dass man das Kennzeichen des anderen schon gar nicht mehr sehen kann. Auch für diesen Moment hat Svenia Temmen Tipps: „Auf keinen Fall abrupt Bremsen und ein Auffahren provozieren.“ Man sollte sich auch nicht aus der Ruhe bringen lassen oder womöglich selbst Gas geben. Vor Ampeln oder Kreuzungen bestenfalls sanft die Geschwindigkeit rausnehmen. Aber: Fährt man beispielsweise auf eine Ampel zu, die auf Gelb springt, und der Autofahrer hinter einem ist so dicht an einem dran, dass jedes bisschen Bremsen einen Auffahrunfall verursachen würde, dann sollte man ausnahmsweise über Gelb fahren, rät sie.
Hinweis der Redaktion: In einer vorigen Version hatten wir geschrieben, dass die Leitpfosten auf der Autobahn einen Abstand von 25 Metern zueinander haben. Das stimmt nicht. Es sind 50 Meter.