Nach IS-Attentat Terror-Anschlag in Solingen – Konsequenzen für Blütenfest, Gallimarkt & Co.?
Ein tödlicher Angriff auf einem Stadtfest in Solingen erschüttert Deutschland. Die Tat wirft Fragen zur Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen in Ostfriesland auf.
Ostfriesland - Ein junger Mann tötete, wohl getrieben von der menschenverachtenden Ideologie des „Islamischen Staats“, am vergangenen Wochenende drei Menschen in Solingen und verletzte weitere zum Teil schwer. Als Tatwaffe hatte der Syrer ein Küchenmesser gewählt. Die Tat schockiert die Menschen in Deutschland – und wirft erneut die Frage nach Sicherheitskonzepten auf.
Denn: Die Tat ereignete sich auf einem Stadtfest. Also einer öffentlichen Veranstaltung, wie sie auch in Ostfriesland und der Region regelmäßig stattgefunden haben – und bald wieder stattfinden: Blütenfest in Wiesmoor, Papenburg-Festival bei der Meyer-Werft, VW-Geburtstag in Emden, Gallimarkt in Leer.
Polizei arbeitet „intensiv“ an der Auswertung
Das Thema ist bei Polizei und Veranstaltern hoch aktuell. „Wir arbeiten aktuell intensiv daran, mögliche Konsequenzen aufgrund der schrecklichen Ereignisse von Solingen polizeilich zu bewerten“, teilt die für Ostfriesland und das Emsland zuständige Polizeidirektion Osnabrück auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Aktuell bitte man aber um Verständnis dafür, dass man noch keine fundierte Antwort geben könne.
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Wir hatten unter anderem danach gefragt, ob der Anschlag in Solingen schon direkte Konsequenzen beispielsweise für das Sicherheitskonzept des Blütenfestes am kommenden Wochenende in Wiesmoor habe. „Natürlich können Sie davon ausgehen, dass die Polizei generell wachsam und sensibel ist hinsichtlich etwaiger Gefährdungen für die Bevölkerung, insbesondere auch bei größeren Veranstaltungen. Wir tun alles, um die Menschen in der Region zu schützen“, so die Polizei.
Auch Friedrich Völler, ehemaliger Bürgermeister von Wiesmoor und jetziger Vorsitzender des Verkehrs- und Heimatvereins, hat die Debatte um den Solingen-Anschlag im Blick. Akuten Handlungsbedarf in Bezug auf das Blütenfest sieht er nicht. „Wir überarbeiten unser Veranstaltungs- und Sicherheitskonzept regelmäßig“, so Völler. Man entwickle sich von Jahr zu Jahr weiter, verfeinere und verbessere die Konzepte. So arbeite man, unter anderem beim Dämmerschoppen am kommenden Samstag, sowieso schon mit einem Sicherheitsdienst zusammen. Man wolle eine gute, sichere Veranstaltung für alle bieten, ohne gleichzeitig unnötig Ängste zu schüren.
Waffenverbot per Gesetz – und eigene Vorgaben von Veranstaltern
Losgelöst von konkreten Sicherheitskonzepten gilt schon jetzt, dass bei öffentlichen Veranstaltungen Waffen generell verboten sind. Das regelt das deutsche Waffengesetz. Dies gilt auch beispielsweise für Küchenmesser oder andere Gegenstände, die erstmal keine Waffen sind, aber als solche eingesetzt werden können.
Hinzu kommen Sonderregelungen, wie sie beispielsweise beim Papenburg-Festival auf dem Gelände der Meyer Werft gelten. Neben Taschen und Rucksäcken, die größer sind als ein A4-Blatt, dürfen beispielsweise folgende Gegenstände nicht mit auf das Festivalgelände genommen werden: Waffen, Messer, Taser, Schlagstöcke, Pfefferspray, Glasbehälter, Taschenlampen, Schlüssel- & Geldbörsenketten, Laserpointer, Regenschirme und Helme. „Entsprechende Kontrollen gehören zum Sicherheitskonzept“, so die zuständige Presseabteilung von Hannover Concerts.
Ob die Veranstalter des Papenburg-Festivals den jüngsten Anschlag als Anlass nehmen, das Konzept zu überarbeiten? Darüber gibt es auf Nachfrage keine Auskunft, nur den Verweis auf das bestehende Konzept. Es seien auch keine Vorfälle in der Vergangenheit bekannt, bei denen beispielsweise Messer eine Rolle gespielt hätten.
Von besonderer Bedeutung ist das Thema Sicherheit auch bei Volkswagen. Denn das Emder VW-Werk feiert am 14. September seinen Geburtstag – mit einem großen Familienfest, zu dem bis zu 50.000 Gäste erwartet werden. Auf Nachfrage teilt der Konzern mit, dass man zu etwaigen Änderungen noch nichts sagen könne. Man werde sich aber besprechen.
Die Stadt Leer als Veranstalter des Gallimarktes wurde ebenfalls von uns angefragt. Sobald es eine Antwort gibt, melden wir diese nach.