MS Spitzhörn in Barßel Neuer Kapitän am Steuer des Ausflugsschiffs
Lange herrschte akuter Mangel an Kapitänen für das Schiff der Touristik Barßel-Saterland. Nun hat die Suche ein Ende: Touristikchef Jens Lindstädt fand einen Freiwilligen mit Binnenschifferpatent.
Barßel - Händeringend hat der Touristikverein „Erholungsgebiet Barßel-Saterland“ in den vergangenen Jahren Ausschau nach kompetenten Schiffsführern gehalten, die den Ausflugsdampfer „MS Spitzhörn“ sicher durch die Fluten von Soeste, Barßeler Tief und Leda schippern. Immer wieder wurde SOS gefunkt, zuletzt in diesem Frühjahr.
Seeleute gibt es in Barßel und Umgebung genügend – sogar mit dem Kapitänspatent A 6 für Große Fahrt. Doch um auf der „Spitzhörn“ als Schiffsführer hinter dem Steuerrad zu stehen, benötigt man das Binnenschifferpatent, erläutert der Geschäftsführer des Touristikvereins, Jens Lindstädt. Das sei das Dilemma.
Erste Fahrten liegen hinter ihm
Jetzt zur laufenden Saison gab es spontanen Erfolg bei der Suche. Mit dem gebürtigen Sedelsberger Engelbert Meyer, der jetzt in Barßelermoor lebt, hat ein neuer Schiffsführer die Planken des Musikdampfers im Barßeler Hafen betreten. Meyer ergänzt das Personal am Steuer, zu dem außerdem Egon Buß aus Elisabethfehn und Karl-Heinz Meyer aus Rhauderfehn gehören. Die beiden erfahrenen Kapitäne haben den Neuling freundlich aufgenommen und nach den ersten Probefahrten und einer Einarbeitungszeit stand für sie fest „der kann die Spitzhörn sicher durch die Fluten schippern“.
Mittlerweile hat der 59-jährige Meyer schon einige Fahrten hinter sich. „Es macht mir sehr viel Spaß. Das Metier ist mir nicht unbekannt. Über 20 Jahre bin ich bei Hapag Lloyd auf einem Tanker überwiegend den Rhein sowie die Donau rauf und runter gefahren“, sagt Meyer. Er ist im Besitz mehrerer Schiffspatente für „Donau, Rhein, Elbe“ und hat auch das Binnenschifferpatent. Heute nennt es sich Unionspatent (UP). Es entspricht dem ehemaligen Binnenschifferpatent B und berechtigt zum Führen von (gewerblichen) Wasserfahrzeugen auf allen europäischen Binnenwasserstraßen, auch auf dem Rhein.
Hauptberuflich als Postbote unterwegs
Damit ist für Meyer die Fahrt auf den Barßeler Gewässern wohl eher ein Kinderspiel. Er steuert die MS Spitzhörn in seiner Freizeit und im Urlaub durch die Fluten, denn in seinem aktuellen Hauptberuf stellt er als Postbote täglich Briefe und Pakete zu. Sein neues Engagement auf dem Wasser hat er natürlich abgestimmt mit seinem Arbeitgeber.
„Die Schifffahrt ist mir eigentlich in die Wiege gelegt, denn mein Vater Alfons liebte schon das Bordleben. Als Kinder bis ich des öfteren mitgefahren. Nach meiner damaligen Ausbildung als Automechaniker habe ich dann bei der Reederei Hapag Lloyd angeheuert“, so Meyer. Doch nach 20 Jahren Seeluft zog es ihn schon wegen der Familie, wieder an Land.
Schiffspatent extra verlängert
Mittlerweile wohnt er seit neun Jahren mit seiner Familie in Barßelermoor in unmittelbarer Nähe seines zweiten Jobs in Hafennähe. Der Geschäftsführer der Touristik, Jens Lindstädt, konnte den gebürtigen Saterländer für den Freizeitjob gewinnen. „Ich bin froh, dass wieder einen weiteren Käpt`n für unseren Ausflugsdampfer haben, denn die beiden bisherigen Schiffsführer möchten etwas kürzer treten. In mehreren Gesprächen konnte ich Meyer die Fahrgastbeförderung schmackhaft machen. Erforderlich dazu war auch die Verlängerung seiner Schiffspatente. Das hat reibungslos geklappt“, schildert Lindstädt.
Meyer freut sich an der MS Spitzhörn. „Das hat mir hier auf Anhieb sehr gut gefallen. Man muss sich an jedes Schiff, ob klein oder groß, neu gewöhnen. Ein Binnenschiff ist beispielsweise 80 Meter lang und acht Meter breit. Die Spitzhörn dagegen nur 20 Meter lang und 4,50 Meter breit. Außerdem fehlt tideabhängig hin und wieder Wasser unterm Kiel“, stellt Binnenschiffer Meyer fest.
Über Soeste, Leda und das Barßeler Tief
Da auch die Crew einen guten Eindruck hinterließ und er die erforderlichen Schiffspatente hat, habe er, natürlich nach Rücksprache mit seiner Frau, zugesagt und beim Fremdenverkehrsverein angeheuert. Nun hat er auf der Kommandobrücke das Ruder fest in die Hand genommen und schippert nach Lust und Laune den Musikdampfer mit den Fahrgästen sicher durch die Fluten von Soeste, Leda und Barßeler Tief.