Kolumne „Bi Karkens“ Einfach mal zuhören
In unserer Gesellschaft geht die Fähigkeit, einander zuzuhören und aufeinander zu hören, verloren, findet unser Kolumnist. Er plädiert dafür, das Zuhören gezielt zu schulen – nicht nur in der Kirche.
Dass die ganze Schöpfung dem Gotteswort entspringt, haben jüdische und christliche Theolog*innen immer neu zur Sprache gebracht. Darum gehört das „Hören“ – oder wie wir im Deutschen etwas unpassend sagen – das „Zu-hören“ zu den elementaren Lebensäußerungen des Menschen.
Manchmal gelingt das. Ich erlebe insbesondere bei Trauerfeiern, dass Menschen aufmerksam zuhören. Ich kann das nachvollziehen. Sie sind mit der oder dem Verstorbenen zumeist persönlich verbunden. Das schärft in dieser Situation des Abschieds die Aufmerksamkeit.
Ich finde es dennoch nicht selbstverständlich, weil uns das Aufeinander- Hören mehr und mehr verloren geht. Ich erlebe immer wieder Situationen, in denen Menschen einander nicht zuhören: Entweder meinen sie, schon zu wissen, was die oder der andere sagen will und machen „zu“ oder sie sind einfach mit etwas Anderem beschäftigt oder lassen sich schnell ablenken.
Vor einiger Zeit habe ich mit einer Gruppe jüngerer Leute versucht, einen Text gemeinsam zu lesen und vorzutragen. Es ging nicht, weil sie einfach nicht aufeinander hörten und so keinen gemeinsamen Vortragsrhythmus fanden. Ich glaube, wir brauchen hier dringend Coaching. Nicht nur junge Leute. Wenn wir es nicht hinbekommen, einander zuzuhören, wird unsere Gesellschaft noch weiter auseinanderdriften.
Wie können wir aktives Hören lernen? Als Freund von Musik bin ich sehr dafür, Menschen dafür zu sensibilisieren, hören zu lernen, was so alles in einem Musikstück geschieht. Da sind großartige Entdeckungen möglich. Und wer im Chor singt, ist mittendrin in einer wunderbaren Hör-Schule.
Als Liebhaber von Gottesdiensten höre ich gern Predigten. Auch wenn sie heute nicht mehr 30 Minuten dauern, sind auch kürzere Predigten eine wunderbare Schule fürs konzentrierte Hören. Solches Hören-Schulen kann durchaus vergnüglich sein. Sowohl bei Musik als auch bei Predigten.
Nur sollten wir nicht denken: Das brauch ich nicht. Das kann doch jede/r. Vielleicht war das früher so. Heute nicht mehr. Also, einfach mal wieder versuchen: Try to listen!
Kontakt: kolumne@zgo.de