Brunsbüttel  Sabotageverdacht an der Nordsee: Mutmaßlich russische Drohnen über Industriegebiet

Oliver Tobolewski-Zarina
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Von Oliver Tobolewski-Zarina
| 22.08.2024 15:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Industriegebiet von Brunsbüttel sollen mutmaßlich russische Drohnen gesichtet worden sein. Foto: Imago/ Olaf Döring
Im Industriegebiet von Brunsbüttel sollen mutmaßlich russische Drohnen gesichtet worden sein. Foto: Imago/ Olaf Döring
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Flüge zu Sabotagezwecken an der Nordsee? Die Drohnen sollen in Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen unter anderem ein stillgelegtes Atomkraftwerk, ein LNG-Terminal sowie Chemie-Betriebe überflogen haben. Die Behörden sind alarmiert.

Mehrere mutmaßlich russische Drohnen sind in Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen an der Nordsee gesichtet worden. Sie sollen teilweise in einem hohen Tempo über das größte Industriegebiet Schleswig-Holsteins geflogen sein. 

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Flensburg. Das Industriegebiet soll Ziel eines Spionageangriffs geworden sein. Es sei ein „Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken im Zusammenhang mit wiederholten Drohnenflügen über kritischer Infrastruktur“ eingeleitet worden, bestätigt Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt unserer Zeitung. 

Zuerst hatte „Bild“ berichtet. In dem Bericht heißt es, die Drohnen sollen unter anderem das seit Juli 2007 stillgelegte Atomkraftwerk Brunsbüttel, das vor knapp zwei Jahren hingestellte LNG-Terminal sowie Chemie-Betriebe überflogen haben.

Nachfrage beim Chemieunternehmen Covestro, das neben Yara eine der großen chemischen Produktionsstätten dort betreibt: Zu den mutmaßlichen Drohnenflügen werde man sich nicht äußern. Man könne auch nichts sagen, heißt es. Auch andere Unternehmen im Industriegebiet verweisen an die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Auch das Kieler Innenministerium will sich zu den Drohnenflügen nicht äußern – wegen laufender Ermittlungen.

Erstmals hatte am 8. August ein Wachmann eine Drohne über dem Industriegebiet gesichtet. Danach sollen laut „Spiegel“-Informationen fast jede Nacht bis zu vier weitere Drohnen aufgetaucht sein. Die letzte Sichtung soll in der Nacht zum gestrigen Donnerstag gewesen sein.

Wer sich in dem Industriegebiet weiter umhört, dem begegnet, dass die Unternehmen für die Lage sensibilisiert worden sein sollen. Sie sollen gebeten worden sein, jede Auffälligkeit zu melden.

Die Polizei setzte selbst Drohnen zur Verfolgung ein. Doch diese, so der „Spiegel“, haben nicht mithalten können. Das nährte den Verdacht, dass es sich um Militärdrohnen handeln könnte. Auch ein aus Hamburg bestellter „AirDefender“, der mit weitreichenden Fähigkeiten zur Ortung von Drohnen ausgestattet ist, blieb bei der Verfolgung erfolglos. Inzwischen soll die Bundeswehr alarmiert worden sein, heißt es in dem Bericht weiter.

Erst vergangene Woche hatte der Verdacht auf Sabotageaktionen gegen die Bundeswehr Beobachter aufgeschreckt. Experten gehen davon aus, dass Russland Sabotage und Angriffe auf kritische Infrastruktur im Ausland als Mittel der hybriden Kriegsführung anwendet.

Der grüne schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete und Geheimdienstausschuss-Vorsitzende Konstantin von Notz äußerte sich am Donnerstag besorgt. „Der Verdacht, russische Drohnen würden Industrie-, Chemie- und Atomanlagen in Schleswig-Holstein potentiell bedrohen, wiegt schwer. Seit Monaten warnen wir vor der Skrupellosigkeit russischer Spionage- und Sabotageaktionen in Deutschland und der EU“, schrieb er auf der Plattform X.

Notz erneuerte seine Forderung, dass die Ampelkoalition rasch das geplante Gesetz zum Schutz von kritischer Infrastruktur beschließen müsse, das sogenannte Kritis-Dach-Gesetz: „Wir brauchen das Kritis-Dach-Gesetz, glasklare Zuständigkeiten, die äußerste Aufmerksamkeit aller Sicherheitsbehörden und moderne Technik unter anderem zur Ortung und Abwehr illegaler Drohnenaktivitäten.“

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