Osnabrück Eizellspenden einfach erlauben? Warum der neue FDP-Vorstoß misstrauisch macht
Die FDP will mit Politikern anderer Fraktionen ein Gesetz auf den Weg bringen, das Eizellspenden erlauben soll. Freiwillige und unentgeltliche Hilfe für kinderlose Paare, das klingt erst einmal gut. Doch ein sprachliches Detail am FDP-Vorstoß ist verräterisch.
Immer, wenn ein politisches Schlagwort mehr verschleiert, als es benennt, sollte man argwöhnisch werden. Die FDP hat nun also tatsächlich den ersten Schritt Richtung Legalisierung der „Eizellspende“ gemacht, und dieses Wort klingt so nett. Spenden ist ja immer gut. Es kommt anderen Menschen in Not zugute und macht idealerweise sogar selbst ein bisschen stolz – kann denn Hilfe Sünde sein?
Das Problem ist nur: Der Plan, für den die Liberalen nun Mitstreiter in den anderen Fraktionen suchen, zielt in Wahrheit auf etwas ganz anderes.
Ginge es wirklich nur darum, verzweifelten kinderlosen Paaren eine befruchtete Eizelle zugänglich zu machen, die ihnen eine andere Frau freiwillig und unentgeltlich überlassen möchte, dann bräuchte die FDP nämlich gar nicht tätig zu werden: Diese Möglichkeit gibt es in Deutschland längst. Bei normalen künstlichen Befruchtungen entstehen immer wieder mehr Embryonen, als tatsächlich ausgetragen werden können, und diese überzähligen Embryonen können bereits heute gespendet werden.
Paare, die kein eigenes Kind bekommen können, haben damit die Möglichkeit, das Kind eines anderen Paares auszutragen und aufzuziehen – im Grunde eine Art vorgezogene Adoption.
Das aber reicht den Liberalen eben nicht. Weil sie, wenn sie „Eizellspende“ sagen, eigentlich „Leihmutterschaft“ meinen. Sie wollen ungewollt kinderlosen Frauen am liebsten auch erlauben, die eigene befruchtete Eizelle von einer anderen Frau austragen zu lassen und das Kind anschließend selbst aufzuziehen. Moralisch ist das ein himmelweiter Unterschied, weil bei derart geplanten Eizelltransfers verschiedenste Gefahren drohen, von einer Kommerzialisierung des Körpers von Leihmüttern bis hin zu möglichen psychischen Langzeitfolgen für alle Beteiligten, nicht zuletzt für das Kind selbst.
Dass Deutschland den Umgang mit Embryonen strenger regelt als andere Länder, ist kein Zeichen von Rückständigkeit. Es zeigt eher, dass der Gesetzgeber die großen ethischen Fragen rund um die Entstehung neuen menschlichen Lebens besonders ernst nimmt. Das FDP-Sprachspiel um die „Eizellspende“ wirft die traurige Frage auf, wie lange das noch so bleibt.