Osnabrück  Longlist des Deutschen Buchpreises: Nie so bunt wie in diesem Jahr?

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 20.08.2024 14:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Literaturstar auf der Longlist des Buchpreises vertreten: Mithu Sanyal präsentiert ihr Buch „Antichristie“. Foto: dpa/picture-alliance
Literaturstar auf der Longlist des Buchpreises vertreten: Mithu Sanyal präsentiert ihr Buch „Antichristie“. Foto: dpa/picture-alliance
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Mehr Frauen als Männer, viele politische Stoffe und engagierte Blicke auf die Gesellschaft: Das sagt uns die Longlist des Deutschen Buchpreises 2024.

Magda Goebbels ermordet ihre Kinder, die Bolschewisten deportieren missliebige Intellektuelle, IS-Kämpfer töten Angehörige einer Volksgruppe im Irak: Drei Bücher von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2024, drei unglaubliche Geschichten. Sie zeichnen das Bild einer Gegenwartsliteratur, die politisch wach und historisch informiert ist.

Vorbei die Zeiten, in denen Autoren noch vorgehalten wurde, sich in Nischenthemen und private Räume zurückzuziehen. Ob der Buchpreis selbst diesen Trend antreibt? Dieser Wettbewerb favorisiert die packende Geschichte, weniger das ästhetische Experiment.

13 Frauen und sieben Männer bilden die Gruppe der Autoren dieser Longlist: Darin liegt ein Signal, ebenso wie in der gleichmäßigeren Verteilung der Verlage. Mit vier Nominierungen liegt Rowohlt vorn, gefolgt von Hanser, Suhrkamp, Fischer oder C.H. Beck.

Kein Verlag dominiert mehr das Feld, aber immer noch gilt: Wer sich mit seinem Roman in der ersten Reihe positionieren will, kommt an den fünf, sechs führenden Verlagshäusern nicht vorbei. Die Präsenz von Droschl oder des Geparden-Verlags, sie bleiben Ausnahmen.

Etablierte Verlagshäuser schaffen es aber auch, immer neue literarische Talente in die Erfolgsspur zu bringen. Mehr als die Hälfte der Nominierten waren noch nie in der Longlist vertreten. Ein gutes Zeichen für eine vitale Szene – und für eine Jury, die neben Stars wie Nora Bossong, Michael Köhlmeier und Mithu Sanyal mit Verve neue Namen entdeckt hat.  

Vor allem machen die Bücher Lust auf das Lesen. Es geht zum Beispiel um eine binationale Ehe in der DDR, die Tristesse im Rust Belt des Mittleren Westen oder eben um die Deportation von Menschen, die in den Augen radikaler Machthaber zu viel nachdenken. Erstaunlich aktuell, diese Auswahl.

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