Unfall in Leer Gaffer stören Rettung von Schwerverletzten – Polizei besorgt
Bei einem Unfall in Logabirum kamen Dutzende Gaffer zu einem nahegelegenen Parkplatz. Sie behinderten die Rettung einer Schwerverletzten. Welche Konsequenzen hat das?
Leer - Am Samstag kämpften Feuerwehr und Rettungsdienst um das Leben einer jungen Frau: Wie die Feuerwehr mitteilt, war sie nach einer Frontalkollision auf der Oldenburger Straße in Logabirum in ihrem Fahrzeug eingeklemmt worden, sie wurde schwer verletzt. „Und dann nutzen Dutzende Gaffer den Parkplatz eines Möbelhauses dazu, um in erster Reihe dabei zu sein“, hieß es in der Pressemitteilung weiter.
Feuerwehr und die Polizei mussten die Schaulustigen immer wieder zurechtweisen und „auch noch diskutieren“. Die Feuerwehr befreite die Frau schließlich aus dem Auto, ein Rettungshubschrauber brachte sie in eine Klinik. Es blieb Entsetzen über das Handeln der Gaffer: „Wir und alle an diesem Einsatz beteiligten Rettungskräfte sind entsetzt über ein solches pietätloses Verhalten.“
Wie schätzt die Polizei den Vorfall ein?
Die Polizei bestätigt dies am Montag. „Die Polizei hat den Vorfall am Samstag mit großer Besorgnis zur Kenntnis genommen“, so Dustin Brandt, Polizeioberkommissar und Sprecher der Polizei Leer/Emden. „Es ist bedauerlich, dass sich eine große Anzahl von Gaffern auf dem Parkplatz des Möbelhauses eingefunden hat, anstatt sich respektvoll zurückzuhalten und den Rettungskräften ihre Arbeit zu ermöglichen.“
Die Polizei musste in Logabirum eingreifen: Polizistinnen und Polizisten und auch Angehörige der Feuerwehr mussten „tätig werden, um die Ordnung am Unfallort aufrechtzuerhalten“. Sie mussten den Verkehr regulieren und eben auch sicherstellen, „dass die Rettungsarbeiten nicht durch Gaffer gestört wurden“.
Was kann die Polizei unternehmen, was hat sie in Logabirum tun müssen?
Die Polizei kann einiges tun: „Wenn Gaffer die Rettungsarbeiten stören, hat die Polizei mehrere Handlungsoptionen. Dazu zählen Platzverweise, Identitätsfeststellungen und, wenn erforderlich, die Einleitung von Ordnungswidrigkeiten- oder Strafverfahren“, erklärt Brandt. Das Ziel sei es, den Einsatzkräften ungestörten Zugang zu ermöglichen und die Sicherheit am Unfallort zu gewährleisten.
In Logabirum musste die Polizei tatsächlich auch eingreifen. „Es wurden keine Platzverweise ausgesprochen. Eine Ansprache war ausreichend“, so Brandt.
Welche Regeln und Gesetze brechen Gaffer denn?
„Gaffer, die die Rettungsarbeiten stören oder sich unangemessen verhalten, können mit verschiedenen Maßnahmen konfrontiert werden“, erklärt Brandt. Dazu gehörten Bußgelder wegen Ordnungswidrigkeiten oder strafrechtliche Konsequenzen, wenn sie gegen geltende Gesetze verstoßen. Eine Ordnungswidrigkeit wäre demnach etwa Behinderungen der Rettungskräfte.
Es kann aber auch zu einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr kommen, „wenn Gaffer durch ihr Verhalten den Verkehr gefährden“ oder eine Nötigung, „falls sie durch Störung oder Bedrohung Rettungskräfte oder andere Personen behindern“. Strafrechtlich relevant sei es ebenso, „wenn Gaffer ohne Einwilligung Bilder oder Videos von Personen in Not machen und diese veröffentlichen.“
Welche Strafen erwarten Gaffer?
Unterschiedliche. „Die Strafen für störendes Verhalten können variieren. Bei leichteren Ordnungswidrigkeiten kann ein Bußgeld verhängt werden“, sagt der Polizeisprecher. Bei schwerwiegenderen Störungen oder Straftaten, wie etwa der Veröffentlichung nicht autorisierter Fotos, können die Konsequenzen schwerwiegender sein, einschließlich möglicher Strafanzeigen.
Kommt es zu einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, drohe eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, abhängig von der Schwere der Tat. Bei einer Nötigung könnte es zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre oder Geldstrafe kommen, Ordnungswidrigkeiten nach dem Straßenverkehrsgesetz könnten mit Bußgeldern zwischen zehn und 500 Euro verhängt werden, so Brandt. Dabei gebe es aber Luft nach oben – beispielsweise, wenn es nicht bei einem Mal bleibt.
Wie oft passiert so etwas wie bei dem Unfall in Leer?
„Leider sind solche Vorkommnisse in unserer Region nicht selten“, so Brandt. Die Polizei arbeite kontinuierlich daran, durch Präventionsmaßnahmen und Aufklärung solche Situationen zu minimieren.