Vermehrte Einsätze  Warum brennen Autos und wie sollte sich der Fahrer verhalten?

| | 18.08.2024 10:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Feuerwehr musste dieses Auto am Samstag in Rhauderfehn löschen. Foto: Hellmers
Die Feuerwehr musste dieses Auto am Samstag in Rhauderfehn löschen. Foto: Hellmers
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Im Landkreis Leer haben in den vergangenen Tagen mehrfach Autos gebrannt. Gibt es eine Häufung solcher Fälle? Was die Feuerwehr bei Autobränden rät.

Rhauderfehn - Ein Auto fährt entlang der 1. Südwieke in Rhauderfehn. Plötzlich qualmt es unter dem Auto - so schildert es später eine Zeugin. Der Fahrer fährt auf den Parkplatz eines Imbisses. Kurze Zeit später steht der Wagen in Flammen. Der erste von mindestens vier Fällen im Landkreis Leer, bei dem ein Auto spontan angefangen ist, zu brennen. Was hat es mit der Häufung auf sich und wie sollten sich Autofahrer verhalten?

Das brennende Auto in Rhauderfehn wurde von der Feuerwehr gelöscht. Es ist komplett ausgebrannt. Foto: Feuerwehr
Das brennende Auto in Rhauderfehn wurde von der Feuerwehr gelöscht. Es ist komplett ausgebrannt. Foto: Feuerwehr

Welche Fälle hat es gegeben?

Außer dem Fahrzeugbrand an der 1. Südwieke in Rhauderfehn vor gut einer Woche, waren noch Fahrzeuge in Weener und Hesel in Brand geraten. Zuletzt hat ein Feuer in einem Fahrzeug in Rhauderfehn gebrannt. Dazu gab es noch einen Fall in Scharrel Ende Juli.

Das Auto in Weener stand komplett in Flammen.Foto: Joachim Rand/Feuerwehr
Das Auto in Weener stand komplett in Flammen.Foto: Joachim Rand/Feuerwehr

Was hat es mit der Häufung auf sich?

„Das mag Zufall sein“, sagt Bernd Haskamp. Er ist seit vielen Jahren Ortsbrandmeister in Westrhauderfehn. Im Schnitt müssten er und seine Kameraden zwei bis drei Mal pro Jahr aufgrund eines Fahrzeugbrandes ausrücken. Dass es nun innerhalb von acht Tagen - der erste Fall war in seinem Zuständigkeitsbereich, beim zweiten haben die Westrhauderfehntjer die Feuerwehr Holte unterstützt - zwei Fälle gibt, sei Zufall. Insgesamt sei das eher selten. Auch Flachsmeers Ortsbrandmeister Andre Westermann sagt, brennende Autos seien eher selten. Das bestätigt auch Westoverledingens Gemeindefeuerwehrsprecher Markus Bruns. Der letzte Fahrzeugbrand sei im Winter auf der B70 gewesen. Auch der ADAC schreibt in einem Artikel von seltenen Fällen und zitiert eine Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft: Wenn Kleinstbrände, wie Schmorbrände nicht mitgerechnet würden, seien das etwa 15.000 Fälle pro Jahr.

Es blieb in Weener nur noch ein verkohlter Haufen vom Auto übrig. Foto: Joachim Rand/Feuerwehr
Es blieb in Weener nur noch ein verkohlter Haufen vom Auto übrig. Foto: Joachim Rand/Feuerwehr

Warum brennen Fahrzeuge?

Eine allgemeine Erklärung gebe es auch hier nicht, sagt Haskamp: In den meisten Fällen sei es ein technischer Defekt. Dass es nun im Sommer warm ist, spiele seiner Erfahrung nach keine Rolle. „Das Wetter spielt die geringste Rolle“, betont auch Bruns. Wenn, dann sei es ein technischer Defekt. Übrigens: „Das ist kein Fahrzeug spezifisches Problem bei bestimmten Marken“, sagt er. Wenn dann könne es alle Fabrikate treffen. Der ADAC nennt in seinem Artikel unter anderem Kurzschlüsse im Bordnetz oder heißgelaufene Bremsen als Gründe. Weiter heißt es in dem Artikel, dass sich Brände im Auto nur sehr langsam ausbreiten. Und: „Normalerweise kommt es nicht zu einer Explosion“.

Gibt es auch andere Ursachen?

Bei dem Fall in Scharrel vor knapp drei Wochen gab es nach damaligen Erkenntnissen der Feuerwehr Scharrel beispielsweise eine andere Ursache. Das Feuer war durch Schweißarbeiten am Pkw entstanden. Erste Meldung war damals auch ein Garagenbrand.

Wie sollte sich der Fahrer verhalten?

Nach Möglichkeit rechts ranfahren, sagt Haskamp. Wenn die Zeit noch da sei: Schlüsselumdrehen und Handbremse anziehen. Anschließend das Fahrzeug verlassen und sich in Sicherheit bringen. Und natürlich 112 wählen, um die Feuerwehr zu alarmieren. Bruns ergänzt: „Auf jeden Fall Ruhe bewahren. Wir sind schnell da.“

Die Feuerwehr in Rhauderfehn bei Löscharbeiten. Foto: Hellmers
Die Feuerwehr in Rhauderfehn bei Löscharbeiten. Foto: Hellmers

Sollte man selber löschen?

„Das wichtigste ist, das man sich nicht selbst in Gefahr bringt“, sagt Haskamp. Im Vordergrund stehe aber die eigene Sicherheit. Viele Autos hätten mittlerweile einen Feuerlöscher dabei. Das würde aber nur etwas bringen, wenn das Feuer gerade entstehen würde. Wenn ein Gartenschlauch zur Hand ist, könne auch mit Wasser gelöscht werden, sagen Bruns und Haskamp auf Nachfrage. „Wir löschen auch zuerst mit Wasser“, so Bruns weiter. Allerdings könne es in manchen Fällen auch schwer werden den Motorraum zu öffnen. Die Feuerwehr habe spezielle Gerätschaften um den sicher zu öffnen.

Macht es einen Unterschied, wenn es sich um ein Elektro-Auto handelt?

Dabei gehe es in erster Linie um die Batterie, sagt Haskamp - und die spiele dann vor allem nach den eigentlichen Löscharbeiten eine Rolle. In dem Akku würde es auch im Anschluss zu Reaktionen kommen und daher würde er sich aufheizen. Deshalb müsse der gekühlt werden. Bei den ersten Löscharbeiten spiele das aber keine Rolle. Um später den Akku zu löschen, hätten die Westoverledinger extra Gerätschaften angeschafft: eine Löschlanze für E-Autos.

Die Feuerwehr Scharrel musste an dem brennenden Auto nur noch Nachlöscharbeiten vornehmen. Foto: Giehl
Die Feuerwehr Scharrel musste an dem brennenden Auto nur noch Nachlöscharbeiten vornehmen. Foto: Giehl

Wann wird es beim Selberlöschen gefährlich?

Bei einem Feuer entstehen große Hitze und oft auch dichter Rauch. „Das ist nicht gesund“, sagt Haskamp. Spätesten dann sollten Laien auf Abstand gehen. „Wir tragen ja auch unseren Atemschutz. Sowas hat man ja sonst nicht im Auto“.

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