„Sind alle fassungslos“  Käsekönig schwer krank – keine Auslieferung nach Deutschland

Pieter van Hove
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Von Pieter van Hove
| 17.08.2024 09:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Staatsanwaltschaft in Aurich sieht vorerst von einer Strafverfolgung des sogenannten Käsekönigs ab. Foto: Archiv
Die Staatsanwaltschaft in Aurich sieht vorerst von einer Strafverfolgung des sogenannten Käsekönigs ab. Foto: Archiv
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Dem als Käsekönig bekannt gewordenen Marco D. werden 33 Betrugsfälle im Oberledingerland und Umgebung zur Last gelegt. Doch vor Gericht in Deutschland muss er sich zunächst nicht veantworten. Warum?

Rhauderfehn/Haarlem - Der wegen Betrugs verdächtige Marco D. aus Haarlem in den Niederlanden muss doch nicht nach Deutschland ausgeliefert werden, um wegen möglicher Täuschung vor Gericht gestellt zu werden. Die deutsche Staatsanwaltschaft sieht vorerst von einer weiteren Verfolgung ab, aufgrund der scheinbar schlechten Gesundheit des Haarlemmers, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Aurich, Jan Wilken. Marco D. sagt, dass er derzeit in den Niederlanden im Krankenhaus wegen Krebs behandelt wird.

Im Frühjahr 2020 trieb der als Käsekönig bekannt gewordene Marco D. auch in Rhauderfehn und Umgebung sein Unwesen. Der Niederländer hatte auf dem Fehn viel vor: Käsefabrik in Rhauderfehn, 200 Arbeitsplätze für die Region, Käsehandel und ein Fondue-Restaurant im ehemaligen Verlaatshus. Am Ende stellte sich heraus: Es war alles erstunken und erlogen. Der Schwindel flog auf, der heute 57-Jährige wurde in Langholt festgenommen.

Mitte Juli stimmte die Internationale Rechtshilfekammer des Amsterdamer Gerichts noch dem Auslieferungsantrag zu. Die deutschen Behörden hatten dies beantragt. Marco D. war damals nicht anwesend, ebenso wie bei den drei vorherigen Sitzungen aufgrund seiner Krankheit.

Seit 2017 trieb er sein Unwesen auf dem Fehn

In Deutschland wird er verdächtigt, 33 Betrugsfälle begangen zu haben. So soll er im Oberledingerland gleich mehrere Menschen über den Tisch gezogen haben. Die Betrugsfälle sollen zwischen September 2017 und April 2020 begangen worden sein – also auch schon weit vor seiner Zeit, in der er auf dem Fehn mit Käsegeschäfte betrügen wollte.

Auch in den Niederlanden soll Marco D. Menschen und Unternehmen betrogen haben. In Ijmuiden hatte er Ende letzten Jahres ein Feinkostgeschäft. Nach einigen Wochen verschwand Marco D. spurlos. Unternehmer, die bei der Einrichtung des Geschäfts geholfen hatten, bekamen kein Geld. Dasselbe galt für Lieferanten von Waren.

Viele Anzeigen von Geschädigten

Auch in seiner eigenen Stadt wollte der Haarlemmer ein ähnliches Geschäft eröffnen. Lieferanten und andere Unternehmer bekamen kein Geld. Bei der Polizei sind viele Anzeigen von Geschädigten eingegangen. Die niederländische Staatsanwaltschaft untersucht noch, ob D. strafrechtlich verfolgt wird. Der Mann wohnt seit einiger Zeit bei seinen Eltern in Haarlem-Noord.

Laut Nachbarn erzählte er jedem, der es hören wollte, dass sein Fall in Deutschland eingestellt wurde und dass er freigesprochen wurde. „Wir sind alle fassungslos“, so ein anonymer Nachbar. „Wir sehen ihn hier triumphierend herumlaufen. Das macht man nicht, wenn man schwer krank ist.“ Laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jan Wilken, wird Marco D. in „einigen Wochen“ erneut medizinisch untersucht, um festzustellen, ob er ausgeliefert werden kann.

Dieser Text ist erstmals in „Haarlems Dagblad“ erschienen, wurde mit KI-Unterstützung aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt und von einem Redakteur bearbeitet.

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