Extremwetter in Niedersachsen  Bahn-Chaos in Apen nach Evakuierung

Ute Nobel Pia Pentzlin
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Von Ute Nobel und Pia Pentzlin
| 15.08.2024 08:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Landkreis Ammerland ist ein Baum auf eine Oberleitung gestürzt und hat den Zugverkehr in Apen zum Erliegen gebracht. Foto: nwz/dpa
Im Landkreis Ammerland ist ein Baum auf eine Oberleitung gestürzt und hat den Zugverkehr in Apen zum Erliegen gebracht. Foto: nwz/dpa
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Über Ostfriesland ist ein schweres Unwetter gezogen. Auch im benachbarten Apen löste das großes Chaos aus. Nach einer Zug-Evakuierung wächst nun die Kritik an der Deutschen Bahn.

Apen - Ab Dienstagabend, 13. August 2024, zog über Niedersachsen ein schweres Unwetter. Die Region Ostfriesland traf es besonders schwer. Blitze, Donner, Hagelkörner und Starkregen – die Ereignisse haben sich in der Nacht überschlagen. So auch im benachbarten Ammerland, in der Gemeinde Apen. Aufgrund des Extremwetters musste ein Zug evakuiert werden. Dabei herrschte zwischenzeitlich großes Chaos. Was war da los?

Zug-Evakuierung große Herausforderung

Gegen 21 Uhr kam in der Nähe des Bahnhofs Augustfehn in der Gemeinde Apen ein Zug zum Stehen, wie eine Pressesprecherin der Deutschen Bahn mitteilte. Der Grund: Wegen starken Windes stürzte ein Baum auf die Oberleitung. Daraufhin kam der Bahnverkehr zum Erliegen.

Auch der Bürgermeister der Gemeinde Apen, Matthias Huber, bestätigt, dass die Evakuierung des Zuges mit rund 130 Fahrgästen eine der umfangreichsten Aufgaben in der Unwetter-Nacht war. Da die Passagiere bei Starkregen aber nicht draußen stehen gelassen werden konnten, wie Huber sagt, wurde eine Notunterkunft in der Grundschule in Augustfehn eingerichtet. Dafür arbeiteten das Deutsche Rote Kreuz, die Feuerwehr und die Gemeinde zusammen. Huber zeigte sich gegenüber dieser Zeitung begeistert, wie schnell auf kurzen Wegen geholfen wurde. Alle Einsätze hätten selbst koordiniert werden können.

Um 21 Uhr kam ein Zug der Deutschen Bahn in Augustfehn zum Erliegen. Kurz vor Mitternacht wurden die Fahrgäste evakuiert und in die Turnhalle der Grundschule gebracht. Foto: privat
Um 21 Uhr kam ein Zug der Deutschen Bahn in Augustfehn zum Erliegen. Kurz vor Mitternacht wurden die Fahrgäste evakuiert und in die Turnhalle der Grundschule gebracht. Foto: privat

Nordwestbahn wurde zur Unterstützung gerufen – und wieder zurückgeschickt

In der Planung der Zug-Evakuierung ging es aber mitunter chaotisch zu – und es wurde auch die Hilfe Außenstehender angefordert. Denn wie der Pressesprecher der Nordwestbahn, Benjamin Havermann, bestätigt, wurde auch die Nordwestbahn von der Deutschen Bahn um Unterstützung bei der Evakuierung gebeten – obwohl die Nordwestbahn in dieser Region eigentlich nicht unterwegs ist. Anwohner dürften sich also durchaus gewundert haben, sollten sie den blauen Zug in Augustfehn erblickt haben.

Aus der Betriebszentrale der Deutschen Bahn habe es laut Havermann am Abend eine dringende Aufforderung gegeben, den Regionalexpress RE 4426 zu evakuieren. Das sei auch passiert – unverzüglich wurden Fahrzeuge der Nordwestbahn nach Augustfehn entsandt. Deshalb fielen andere Zugleistungen teilweise oder ganz aus, sagt Havermann. Gegen kurz nach Mitternacht hätte es aber eine Planänderung von Seiten der Deutschen Bahn gegeben – die Evakuierung des Zuges wurde abgesagt. Für die Nordwestbahn hatte das laut Pressesprecher zur Folge, dass die Züge wieder zum Startpunkt nach Oldenburg zurückgekehrt sind.

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Zug-Evakuierung in Apen nach starkem Unwetter
14.08.2024

Trotz Hin und Her: Sicherheit steht an erster Stelle

Dieses Vorgehen bestätigt auf Nachfrage auch die Sprecherin der Deutschen Bahn. Nach dem Erliegen des Zuges in der Nähe des Bahnhofes, hätten der Notfallmanager der Deutschen Bahn und die Einsatzkräfte vor Ort über das weitere Vorgehen beraten müssen. In diesem konkreten Fall sei es in der Tat so gewesen, dass zur Evakuierung der Fahrgäste ein Leerzug der Nordwestbahn angefordert wurde. In solchen Notfällen sei es laut DB-Pressesprecherin üblich, auch mit privaten Zugunternehmen zu kooperieren. Das beruhe auch auf Gegenseitigkeit.

Da die Sicherheit der Reisenden und der Einsatzkräfte immer an erste Stelle stehe, seien vor Ort verschiedene Vorgehen evaluiert worden, um die Passagiere aus dem Zug zu bekommen. Da die Begebenheiten es hergegeben hätten, wurden die Reisenden letztendlich in Begleitung der Feuerwehr zu Fuß in die Janosch-Grundschule gebracht. „Die Überführung war um 23:45 Uhr abgeschlossen“, sagt die Pressesprecherin der Deutschen Bahn. Von der Schule aus hätten Taxen und Busse die Fahrgäste an ihren Wunsch-Zielort gebracht. Die angeforderte Unterstützung bei der Evakuierung durch die Nordwestbahn sei in der Tat am Ende nicht nötig gewesen.

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