Verarbeitung von Einsätzen  Feuerwehr setzt auf gemeinsamen Austausch

Oliver Hermes
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Von Oliver Hermes
| 14.08.2024 10:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ehrenamtliche Kräfte: Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Cloppenburg sind oft im Einsatz. Symbolfoto: Hermes
Ehrenamtliche Kräfte: Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Cloppenburg sind oft im Einsatz. Symbolfoto: Hermes
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Die ehrenamtlichen Kräfte sind schnell an Unfallstellen, oft sehen sie dort schreckliche Bilder. So wie am Sonntag auf der B213 mit zwei Todesopfern.

Cloppenburg - Zwei verstorbene Menschen und drei verletzte Personen, teils lebensgefährlich: Das ist die Folge eines Verkehrsunfalls in Cloppenburg am Sonntag. Zu den ersten Einsatzkräften vor Ort gehören die Feuerwehrleute, die unter anderem die Leichen aus dem Fahrzeug befreien mussten. „Das kann schon belastend sein“, erklärt Feuerwehr-Pressesprecher Björn Lichtfuß auf Anfrage. In solchen Fällen gebe es die ständigen Anlaufstellen wie die Psychosoziale Notfallversorgung beim Deutschen Roten Kreuz. „Aber auch der Austausch untereinander nach solch einem Einsatz ist ungemein wichtig. Da setzt man sich danach im Feuerwehrhaus noch einmal zusammen“, so Lichtfuß weiter. Der Cloppenburger ist seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Helfer im Einsatz. An diesem Sonntag war er zwar nicht vor Ort, dennoch gelte aus seiner langjährigen Erfahrung: „Man merkt dann zu Hause schon, dass so etwas noch länger nachhallt.“

Ob die Erfahrung eine Rolle bei der Verarbeitung spielt, könne er nicht sagen, so Lichtfuß: „Darauf habe ich bislang noch nicht geachtet. Es gibt Menschen, die können so etwas besser verarbeiten als andere.“ Nach dem Ende des Einsatzes bleibe dies aber nicht in den Kleidern hängen. Man nehme das durchaus mit, und jeder habe seine eigenen Methoden, damit umzugehen. Dabei gebe es immer wieder Unfälle, die im Gedächtnis bleiben. In jedem Fall seien die Führungskräfte geschult, mögliche Veränderungen bei Kollegen zu registrieren und dann darauf einzugehen. Glücklicherweise gehe man heute mit dem Umgang und eventuellen Belastungen offener um. Und sollte es größere Probleme bei der Verarbeitung geben, könne man sich auch bei der nächsten Unfall-Alarmierung zurückziehen. Gleichzeitig achte das Feuerwehr-Team darauf, dass nicht gerade neue Kollegen als Erstes an die Unfallstelle kommen. „Wir versuchen, so weit das möglich ist, sie in Ruhe heranzuführen“, sagt der Pressesprecher. Gut sei, dass man während der Anfahrt bereits einige Informationen bekomme und sich so vorbereiten kann. Insgesamt seien Unfälle in den vergangenen Jahren eher zur Ausnahme für die Cloppenburger Einsatzkräfte geworden. Da seien die Emsteker Kollegen, die einen Autobahnabschnitt auf ihrem Gebiet haben, anderes gewohnt.

Feuerwehren haben ihre Vorgehensweisen

Der dortige Gemeindebrandmeister Reinhard Vaske hatte in diesem Jahr ebenfalls über die Verarbeitung von Unfällen berichtet: „Man muss dann die Körpersprache und das Verhalten eines jeden Einzelnen lesen.“ Bei Auffälligkeiten biete man tiefergehende Gespräche und auch eine professionelle Hilfe an. Wichtig sei es, diesen Schritt auch früh genug zu gehen, damit die psychische Belastung schnell verarbeitet werden kann. „Da muss sich auch niemand schämen und Angst haben, dass er beim nächsten Einsatz nicht dabei ist. Dem ist nicht so“, macht Vaske deutlich. Wie der Gemeindebrandmeister weiter erklärt, sei die Verarbeitung auch Gegenstand in Ausbildung und Schulungen.

Bei dem Unfall in Cloppenburg war ein mit drei Personen besetzter Wagen auf der B213 in Richtung Cloppenburg unterwegs, als er nach Zeugenaussagen auf die Gegenfahrbahn geriet. Dort streifte der Pkw laut Polizeiangaben ein Auto mit zwei Insassen und einem Wohnwagen. Der Pkw geriet ins Schleudern und prallte seitlich gegen einen in Richtung Lastrup fahrenden Pkw, in dem zwei Personen saßen.

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