Freibäder und Seen in Ostfriesland  Badeunfälle vermeiden – Handyverbot für Eltern?

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 13.08.2024 17:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Schwimmbädern und der DLRG fällt auf: Immer mehr Eltern vernachlässigen ihre Aufsichtspflicht, weil sie am Handy sind. Auch in Ostfriesland ist das ein Problem. Foto: Ortgies
Schwimmbädern und der DLRG fällt auf: Immer mehr Eltern vernachlässigen ihre Aufsichtspflicht, weil sie am Handy sind. Auch in Ostfriesland ist das ein Problem. Foto: Ortgies
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Nicht immer kommen Eltern bei Badebesuchen ihrer Aufsichtspflicht nach. Bundesweit wird daher über ein Handyverbot diskutiert. In Ostfriesland zeigen sich Zuständige skeptisch. Das sind die Gründe.

Ostfriesland – Deutschlandweit wird diskutiert, ob Eltern die Nutzung von Handys in Schwimmbädern oder an Badeseen verboten werden soll. Der Hintergrund: Immer wieder würden Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzen, weil sie auf ihr Smartphone starren. Wir haben mit Zuständigen in Freibädern gesprochen und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) um Einschätzung gebeten. Das Ergebnis: Ein Handyverbot sehen die Ostfriesen kritisch.

Mehr Ablenkung durch Handys

Der Sommer läuft auf Hochtouren. Auch in Ostfriesland klettern die Temperaturen nach oben. Für viele Ostfriesen – allen voran Familien mit Kindern – geht es daher ins Wasser. Egal ob Freibad, Badesee oder Meer: Hauptsache Abkühlung. Was nach Spaß klingt, ist auch mit Gefahren verbunden. Denn wer baden geht, kommt unweigerlich mit Risiken in Berührung. Umso wichtiger, dass Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachkommen.

Nur tun sie das nicht immer. Das bestätigt auch Markus Bakker, der Betriebsleiter des Friesenbads in Weener. In vielen Fällen seien die Handys der Eltern Grund dafür. „In den letzten Jahren ist das immer mehr geworden“, so Bakker. Der Betriebsleiter sieht das Hauptproblem darin, dass Eltern denken würden, die Badeaufsicht im Freibad würde ihre elterliche Aufsichtspflicht übernehmen. „Das ist definitiv nicht der Fall“, sagt Bakker .

In vielen Schwimmbädern wird bundesweit über ein Handyverbot für Eltern diskutiert. Immer öfter würden die ihre Aufsichtspflicht verletzten, warnt der DLRG. Symbolbild: Kalaene/dpa
In vielen Schwimmbädern wird bundesweit über ein Handyverbot für Eltern diskutiert. Immer öfter würden die ihre Aufsichtspflicht verletzten, warnt der DLRG. Symbolbild: Kalaene/dpa

Allgemeines Handyverbot nicht umsetzbar

Gerade erst hat ein Fall in Hamburg für Aufsehen gesorgt, weil die Hamburger Bäder konsequenter gegen abgelenkte Eltern am Beckenrand vorgehen, mitunter mit einem Hausverbot. Auch über Handyverbote wurde diskutiert – über die Grenzen Hamburgs hinweg. Solch ein Verbot sei im Friesenbad Weener überhaupt nicht umsetzbar und kontrollierbar, findet Bakker. Die Badeaufsicht würde Eltern aber immer wieder auf ihre Aufsichtspflicht hinweisen, wenn Verstoße auffallen. Das sei zwar nervig, aber allemal besser als ein potenzieller Badeunfall. Um die Risiken weiter zu reduzieren, gebe es im Friesenbad Weener für Nichtschwimmer außerdem eine Schwimmflügel-Pflicht, sagt Bakker. Das deckt sich mit der Einschätzung von Cord Cordes von der Stadt Aurich, die das „De Baalje“-Bad betreibt. Auch da sei in den vergangenen Jahren eine vermehrte Handynutzung bei Eltern aufgefallen. Nach freundlichen Hinweisen zur elterlichen Aufsichtspflicht, sei diese aber umgehend wieder beachtet worden. Auch in Aurich wird dem Handyverbot eine Absage erteilt.

Zustimmung gibt es von Holger Schrank auf Borkum. Er ist Abschnittsleiter der Badeaufsicht der DLRG Borkum. Statt des Schwimmbads nennt Schrank den Nordseestrand seinen Arbeitsplatz. Das Problem sei aber dasselbe, sagt Schrank auf Nachfrage. Immer wieder gebe es Eltern, die wegen des Handys ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen. Statt auf ein Handyverbot zu setzen, müsse an die Eltern appelliert werden und verstärkt über Badegefahren aufgeklärt werden. Auf Borkum werde laut Schrank keine Verbots-Debatte geführt. „Wer soll das überhaupt kontrollieren?“, fragt sich der Abschnittsleiter.

Handyverbot im Notfall eine weitere Gefahr

Ähnlich äußert sich auch der DLRG-Vorsitzende des Ortsverbandes Leer, Stefan Kittel. Seinen Aussagen zufolge stehe das Handy sinnbildlich für Ablenkung. Ähnlich wie ein Buch oder eine Zeitung. Dass Eltern in letzter Zeit bei Badebesuchen vermehrt auf ihr Smartphone starren, sei ein großes Problem. Denn: Die Badeaufsicht ist nicht in der Lage, alles zu sehen. „Die zu überwachenden Bereiche sind oftmals viel zu groß. Es ist unabdingbar, dass die Eltern aufpassen“, so Kittel im Gespräch. Am Ende liege die Verantwortung immer bei den Erziehungsberechtigten selbst.

Viele Badestellen werden von der DLRG überwacht - das entbindet Eltern aber nicht von ihrer Aufsichtspflicht. Im Gegenteil: Die Badeaufsicht ist auf Mithilfe angewiesen. Foto: Scholz/dpa.
Viele Badestellen werden von der DLRG überwacht - das entbindet Eltern aber nicht von ihrer Aufsichtspflicht. Im Gegenteil: Die Badeaufsicht ist auf Mithilfe angewiesen. Foto: Scholz/dpa.

Auch wenn sich immer mehr Eltern an Badestellen durch ihre Handys ablenken lassen, ist Kittel ein Gegner des viel diskutierten Handyverbotes. „Wir sind ein freies Land, von Verboten halte ich wenig“, sagt der Vorsitzende der DLRG Leer. Außerdem seien Handys in Gefahrensituationen allzu oft ein Segen. Nur so seien schnelle Notrufe überhaupt erst möglich. Wenn keine Ersthelfer vor Ort sind, sei es laut Kittel auch oft die Suchmaschine, die den Eltern erklärt, auf welche Maßnahmen es bei einer Erstversorgung ankommt. Ein Handyverbot würde eher Gegenteiliges bewirken und wiederum weitere Gefahren mit sich bringen. Die Alternative: „Es muss nachhaltig und eindringlich an das Verantwortungsbewusstsein der Eltern appelliert werden“, sagt Kittel. Sind sie sich der Verantwortung nicht bewusst, würden sie das Leben der eigenen Kinder gefährden.

Zwischenbilanz der DLRG Anfang August

Über das Thema Badesicherheit und wer dafür zuständig ist, wird aktuell auch aufgrund der vermehrten Badeunfälle in diesem Jahr gesprochen. Das zeigt auch die Zwischenbilanz der DLRG, die erst Anfang dieses Monats, am 8. August, für das Jahr 2024 veröffentlicht wurde. Mit insgesamt 253 ertrunkenen Personen in der ersten Jahreshälfte, zeigt sich ein deutlicher Zuwachs an Badeunfällen. Im Vorjahr waren es 35 Ertrinkungsfälle weniger, wie aus der Statistik hervorgeht.

Bis zum 31. Juli verzeichnete die DLRG bundesweit 253 Badeunfälle. In Niedersachsen sind die Zahlen am dritthöchsten. Foto: Infografik DLRG
Bis zum 31. Juli verzeichnete die DLRG bundesweit 253 Badeunfälle. In Niedersachsen sind die Zahlen am dritthöchsten. Foto: Infografik DLRG

Nicht nur das: Die DLRG-Präsidentin Ute Vogt geht davon aus, dass die Auswirkungen der Klimakrise zu mehr Unglücken führen. Einerseits durch extremere Hitzeperioden und häufigere Badebesuche und andererseits durch vermehrte Hochwasserlagen durch Starkregenereignisse, die ebenfalls zu Unfällen führen. „Die klimatischen Veränderungen stellen uns vor neue Herausforderungen“, so Vogt bei der Vorstellung der DLRG-Zwischenbilanz.

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