Trauer um Jochen Kruse Elektromeister, Politiker – und ein sehr sozialer Mensch
Seit 1996 gehörte der Sozialdemokrat Jochen Kruse dem Stadtrat an. Seine offene und ehrliche Art schätzten viele. Und mit seiner Elektro-Firma sorgte er für genügend Strom auf dem Gallimarkt. Ein Nachruf.
Leer - Als Jochen Kruse Ende Mai bei der Sondersitzung des Leeraner Stadtrates zur Abwahl des Stadtbaurates in den Festsaal kam, sah man ihm zwar an, dass es ihm nicht gut geht. Im Gespräch ließ er es sich aber nicht anmerken. Freundlich und lächelnd begrüßte er die Anwesenden und plauderte. Schließlich stimmte er für die Abwahl. Als am vergangenen Donnerstag der neue Stadtbaurat Jens Lüning gewählt wurde, konnte Jochen Kruse nicht teilnehmen. Der Sozialdemokrat und Elektromeister starb am Freitag, 9. August 2024, nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren.
Mehr als 27 Jahre lang gehörte Kruse dem Stadtrat ununterbrochen an. „Er war einer meiner wichtigsten Wegbegleiter und Berater“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Dieter Schmidt. Gemeinsam seien sie 1996 in den Rat eingezogen. Kruse habe sehr viel Sachverstand gehabt und auch unpopuläre Entscheidungen treffen können. „Jochen Kruse war ein sehr besonnener Politiker“, sagt Ratsvorsitzender Hauke Sattler (SPD). „Er war sehr fürsorglich und sozial eingestellt.“ Mit Leidenschaft habe er dabei seine Themen Energie, Klima und Umwelt vertreten.
Positive Entwicklung der Stadt Leer maßgeblich mitgeprägt
„Die Stadt Leer verliert einen gradlinigen und verlässlichen Kommunalpolitiker, der vor allem aufgrund seiner menschlichen und fachlichen Qualitäten über die Parteigrenzen hinweg geschätzt war“, schreibt Bürgermeister Claus-Peter Horst, dessen 1. Stellvertreter Kruse zuletzt war. Im Jahr 2014 kandidierte Kruse für die SPD bei der Bürgermeister-Wahl in Leer, unterlag jedoch bereits im ersten Wahlgang Amtsinhaber Wolfgang Kellner und der späteren Gewinnerin Beatrix Kuhl (CDU).
Kruse sei mehr als 27 Jahre lang in verschiedenen einflussreichen Funktionen federführend an wichtigen politischen Weichenstellungen beteiligt gewesen. Dabei habe er die positive Entwicklung der Stadt Leer maßgeblich mitgeprägt.
„Kruse war bekannt für seine offene und ehrliche Art. Er stand für klare Worte, aber auch für einen liebenswürdigen und herzlichen Umgang mit seinen Mitmenschen und politischen Wegbegleitern“, schreibt Horst. „Bodenständig und den Menschen zugewandt war es ihm ein Herzensanliegen, sich für die Belange aller Leeranerinnen und Leeraner – besonders auch in seinem Ortsteil Loga – stark zu machen und möglichst unbürokratisch zu helfen.“ Darüber hinaus engagierte sich Kruse unter anderem als nebenamtlicher Vorstand beim Bauverein, als Ortsvereinsvorsitzender der SPD in Loga sowie im Verwaltungsrat der Stadtwerke. Dem Kreistag gehörte der Sozialdemokrat fünf Jahre lang von 2006 bis 2011 an.
„Jochen Kruse ist ein Zauberer“
Doch nicht nur in der Politik sei der Logaer erfolgreich gewesen, sondern auch mit seinem Elektro-Geschäft. „Einer seiner Mitarbeiter hat mir mal auf einer Baustelle auf die Frage, wie Jochen Kruse so sei geantwortet: Er ist der beste Chef der Welt“, erinnert sich Heinz Dieter Schmidt – und fügt an „Wir verlieren einen sehr, sehr wertvollen Bürger.“
Das war er auch für die ostfriesischen Schausteller. Seit vielen Jahren ist sein Unternehmen für die Stromversorgung auf dem Gallimarkt zuständig. „Jochen Kruse ist ein Zauberer“, sagt der Ehrenvorsitzende der Schausteller, Karl-Heinz Langenscheidt. „Diesen Mann kann man nicht ersetzen.“
Kruse sei es unter anderem zu verdanken, dass mittlerweile die großen Fahrgeschäfte auf dem Markt stehen. So habe er die Stadt davon überzeugt, dort große Trafos auf dem Gelände aufzubauen. „Er war wie ein Schausteller“, sagt der Ehrenvorsitzende. Kruse sei ein ganz wichtiger Mann für den Berufsstand gewesen. „Der Gallimarkt hätte nicht so einen großen Stellenwert ohne ihn“, sagt Langenscheidt. „Wir verdanken ihm sehr, sehr viel.“