Rentner ärgert sich  So gefährlich ist das Fahrradfahren in Oldersum

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 09.08.2024 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kein Fahrradweg im Ortskern von Oldersum. Manfred Lütkebrune ärgert das. Foto: Heinig
Kein Fahrradweg im Ortskern von Oldersum. Manfred Lütkebrune ärgert das. Foto: Heinig
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Manfred Lütkebrune ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Über die Wege in seinem Wohnort Oldersum ärgert er sich jedoch regelmäßig. Wir haben uns mit dem Rentner getroffen.

Oldersum - Radfahren und Ostfriesland gehören wohl fast so untrennbar zusammen wie Tee und Kluntje. Schließlich laden die vielen Wege entlang der Deiche und Wieken Einheimische wie Touristen zu Touren durch die Natur ein. Auch Manfred Lütkebrune aus Oldersum ist viel mit dem Rad unterwegs – und ausgerechnet in seinem eigenen Wohnort mit den Wegen unzufrieden.

Das wird bei einem Treffen in Oldersum deutlich. Auf den ersten Blick ist Moormerland eine gute Gegend zum Fahrradfahren. Die Hauptverkehrsstraßen sind breit, häufig geht es schnurgeradeaus und außerorts gibt es fast überall Radwege. Anders in Oldersum: „Hier gibt es nicht einen Radweg“, ärgert sich Manfred Lütkebrune.

Radfahrer müssen auf vielbefahrenen Straßen oder Gehwegen fahren

Radfahrer sind daher gezwungen auf der Straße oder auf dem Gehweg zu fahren. Besonders gefährlich sei dies im Bereich der Landesstraße 2 (Emder Straße) in Richtung Gandersum und der Landesstraße 1 (Am Großen Tief) in Richtung Riepe. Denn dort rollen nicht nur zahlreiche Autos sondern auch Lastwagen. Wer beispielsweise auf der L 2 mit dem Fahrrad unterwegs ist, fährt teilweise an der Straße zwischen Seilerei und Höhe der Alten Waage an Häusern vorbei, die direkt am Gehweg liegen. „Wenn da einer aus der Haustür kommt während ich mit dem Fahrrad vorbeifahre, muss ich im Zweifel auf die Straße ausweichen. Dann kann man nur hoffen, dass in dem Moment kein Lkw da langfährt“, sagt Lütkebrune.

Kein Geh- und Radweg: Könnte die Straße "Hinter der Bleiche" eine Fahrradstraße werden? Foto: Heinig
Kein Geh- und Radweg: Könnte die Straße "Hinter der Bleiche" eine Fahrradstraße werden? Foto: Heinig

Als Entlastung habe der früher selbst politisch aktive Rentner der Gemeinde bereits vorgeschlagen, die Straße „Hinter der Bleiche“ zu einer Fahrradstraße zu machen. Dort gebe es bisher keinen Geh- oder Radweg. Wegen der Häuser auf der einen und der Gräben auf der anderen Seite könnten diese aber auch nicht nachträglich gebaut werden. Die Straße verläuft parallel zur L 2. „Statt an der vielbefahrenen Landesstraße entlangzufahren, hätten Radfahrer also eine sichere Alternative“, so Lütkebrunes Idee.

Ortsräte setzen sich für Radweg an der Landesstraße ein

Auch dem Ortsrat sei die Situation der Radwege bewusst, sagt Ortsbürgermeister Jens de Vries auf Nachfrage dieser Zeitung. Daher sei der Rat bereits in Gesprächen mit der Verwaltung. Bereits seit Jahren setzen sich die Ortsräte in Oldersum und Riepe beispielsweise für den Bau eines Radwegs an der Landesstraße 1 zwischen den beiden Ortschaften ein.

Schon mehrere Fahrradaktionen hat es zugunsten des Radwegs zwischen Oldersum und Riepe gegeben. Foto: Archiv
Schon mehrere Fahrradaktionen hat es zugunsten des Radwegs zwischen Oldersum und Riepe gegeben. Foto: Archiv

Bei der Landesstraßenbaubehörde wird der Bau des Radwegs noch vorbereitet. Wie deren Sprecher Johannes Booken bereits dieser Zeitung mitteilte, sei der Kartierungsumfang zur Vorbereitung der Planung inzwischen „final abgestimmt worden“. Die Planungen sollen voraussichtlich im nächsten Jahr an Fachbüros vergeben werden.

Radverkehrskonzept widmet sich auch Oldersum

Die Gemeinde Moormerland widmet sich ebenfalls besseren Radwegen. „Aktuell hat die Gemeinde Moormerland ein Ingenieurbüro mit der Erstellung eines Radverkehrskonzeptes beauftragt. Die Gemeinde erhofft sich aus diesem Konzept neue Impulse und Anregungen für eine Verbesserung der Radsituation im gesamten Gemeindegebiet“, schreibt Anna Buß vom Bauamt. Bereits im Februar 2024 gab es eine öffentliche Veranstaltung, bei der die Teilnehmenden ihre Kritik und Vorschläge mitteilen konnten. Anschließend schaltete die Gemeinde eine Onlineumfrage zum Konzept frei. Mehr als 500 Menschen füllten die Fragen aus.

Im Rahmen dieses Radverkehrskonzeptes werden auch Strecken im Ortsteil Oldersum geprüft, so Buß. Ob es auch eine Fahrradstraße geben könnte, stehe noch nicht fest. „Da uns die Ergebnisse des Konzeptes noch nicht vorliegen, vermag ich noch nicht mitzuteilen, ob eine Umgestaltung im Bereich Emder Straße/Hinter der Bleiche vorgesehen ist. Nach Fertigstellung wird das Radverkehrskonzept veröffentlicht und ist für die Öffentlichkeit einsehbar“, schreibt Buß.

Lösung zur Sicheren Querung der L2 wird geprüft

Der Abschlussbericht zum Radverkehrskonzept sei derzeit in Arbeit, sagte Daniel Hoch Mitte Juli gegenüber dieser Zeitung. Er ist bei der Gemeinde zuständig für Projekt- und Fördermittelmanagement. Die Gemeinde Moormerland arbeitet bei dem Projekt mit dem Ingenieurbüro Roelcke, Schütter & Schwerdhelm aus Varel zusammen. Bis zu den Ergebnissen kann es aber nicht mehr lange dauern: Der Abschlussbericht sollte „nach den Sommerferien“ vorgestellt werden.

Doch auch außerhalb des Konzepts wird bereits gehandelt. „Es ist hier bekannt, dass die Situation im Ortskern von Oldersum in den von Ihnen genannten Bereichen nicht zufriedenstellend für alle Verkehrsteilnehmer ist“, schreibt Anja Buß. Daher stimme sich die Verwaltung aktuell mit den zuständigen Baulastträgern und Genehmigungsbehörden ab, um die Verkehrssituation zu verbessern. „In diesem Zusammenhang wird beispielsweise eine Lösung zur sicheren Querung der L 2 von Fuß- und Radfahrern geprüft“, schreibt sie.

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