Berlin  Fake-News-Kampagne gegen Baerbock: Steuergelder für afrikanischen Gigolo missbraucht

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 08.08.2024 12:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ist Opfer einer Fake-News-Kampagne geworden. Foto: dpa/Britta Pedersen
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ist Opfer einer Fake-News-Kampagne geworden. Foto: dpa/Britta Pedersen
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Gegen Bundesaußenministerin Annalena Baerbock läuft derzeit eine Desinformationskampagne. Der Grünen-Politikerin wird angedichtet, sich auf Kosten der Steuerzahler mit einem afrikanischen Gigolo zu vergnügen. Das Auswärtige Amt vermutet pro-russische Propaganda.

In den sozialen Netzwerken kursiert derzeit eine Desinformationskampagne gegen Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Konkret geht es um einen Artikel der Internetseite „zeitgeschenen.de“ mit dem Titel „Wo gehen deutsche Steuergelder hin? Baerbock macht Sextourismus mit einem afrikanischen Prostituierten auf Amtsreisen“.

Darin heißt es, es lägen „glaubwürdige Beweise“ vor, wonach die Grünen-Politikerin „eine Affäre mit einem Escort-Mann aus Afrika“ habe.

Als vermeintliche Quelle dient ein angeblicher Gigolo namens „Kingsley“. Dieser berichtet in einem Video auf Youtube, bereits mehrfach mit „einer Ministerin aus Deutschland“ mit dem Namen Annalena verabredet gewesen zu sein. Sie habe „3500 Euro und mehr“ ausgegeben, um die Nächte mit einem „hübschen, schwarzen Gentleman“ zu verbringen.

Die Geschichte zieht im Internet derart große Kreise, dass sich das Auswärtige Amt jetzt zu einer Reaktion genötigt sieht. „Das pro-russische Desinformationsportal ‚zeitgeschenen.de‘ verbreitet eine falsche, frei erfundene und völlig abstruse Geschichte“, hieß es auf Anfrage des ZDF. Die Internetseite ging laut Recherchen erst am 24. Juli dieses Jahres online und verfügt über kein Impressum.

Darüber hinaus erschien der Fake-News-Artikel auf der Webseite der nigerianischen „Daily Post“. Dort trägt der Text den Titel „‚Ich spende einsamen Eliten emotionalen Trost‘ – Kingsley spricht über seine Karriere als Gigolo“. Nach Angaben des ZDF handelt es sich bei der „Daily Post“ eigentlich um eine seriöse nigerianische Zeitung.

Allerdings trägt der Artikel den Hinweis „Sponsored“. Das bedeute, dass es sich um keinen redaktionellen Inhalt handelt, sondern um einen eingekauften Text, beispielsweise wie bei Werbeanzeigen. Folglich muss jemand dafür bezahlt haben, damit der Artikel über Baerbock auf einer seriösen Internetseite geteilt wird. Wer das war, ist bislang unklar.

Um den Fake-Text möglichst glaubwürdig wirken zu lassen, berichtet der Gigolo, er habe sich mit der Außenministerin im Dezember 2022 in Nigeria getroffen. Sie habe „dieses purpurrote Kleid“ getragen, so „Kingsley“. Tatsächlich zeigte sich Baerbock bei ihrem damaligen Besuch in einem solchen Kostüm.

Mittlerweile reagierten auch die Grünen auf die Desinformationskampagne gegen ihr Parteimitglied. Derartige Fake News „sollen gezielt Misstrauen, Angst und Wut gegenüber unseren demokratischen Vertreter*innen und Institutionen säen“, heißt es auf der Homepage. „Deswegen gehen wir entschlossen gegen Falschinformationen vor, sensibilisieren Nutzer*innen für dieses Problem und machen uns stark für den Schutz unseres demokratischen Zusammenhalts.“

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