Osnabrück  Wo Claude Monet in den Impressionen seines Gartens schwelgte

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 12.08.2024 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Aus dem Traumreich der Kunst: Eines von Calude Monets Gemälden mit dem Motiv der japanischen Brücke in seinem Garten. Foto: IMAGO/Trigger Image
Aus dem Traumreich der Kunst: Eines von Calude Monets Gemälden mit dem Motiv der japanischen Brücke in seinem Garten. Foto: IMAGO/Trigger Image
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Frankreich ist ein beliebtes Reiseland der Deutschen. Künstler haben fleißig mitgeholfen, dass das so ist. Sie haben an vielen Orten berühmte Bilder geschaffen. Wohin sollte die Kunstreise führen? Hier die Tipps.

Dieser Ort ist ein Wunder, ein Platz unglaublicher Anmut und Schönheit. Nur eines ist dieser Ort bestimmt nicht: ruhig und beschaulich. Claude Monets Garten war schon zu Lebzeiten des Malers ein Ziel für Kunstenthusiasten und Journalisten. Die Berichte von Besuchen bei dem wichtigsten Vertreter des Impressionismus füllen Bände. Heute wird der Garten von Claude Monet (1840-1926) von Touristen in der Stärke ganzer Heerscharen geflutet. Macht nichts: Dieser Garten mit seinen vor Farben nur so flirrenden Beeten und Rabatten ist selbst das größte aller denkbaren Gemälde, der Seerosenteich mit der japanischen Brücke ein weltberühmtes Motiv des Impressionismus. Dazu das gelb gestrichene Wohnhaus mit erlesenen Sammlungen: Giverny punktet als Traumreich der Kunst und eines Mannes: Claude Monet. Wie sagen Franzosen? Quelle merveille!

Monets Garten: 84 Rue Claude Monet, 27620 Giverny.

In diesem Raum wird man ganz still. Was heißt auch Raum? Der Sterbeort Vincent van Goghs ist ein karges Kämmerchen, Wallfahrtsort für alle richtigen Fans des niederländischen Genies van Gogh (1853-1890), der in dem kleinen Ort bei Paris wundervolle Gemälde schuf und elend zugrunde ging. Auf dem nahegelegenen Friedhof ist sein Grab zu sehen – und das anderer Künstler. Auch Theo, der Bruder des Malers, liegt hier. Aber nicht nur das Andenken van Goghs macht Auvers-sur-Oise interessant. Hier findet sich auch das Atelierhaus des Malers Charles-François Daubigny, in dem dessen Malerfreund Camille Corot herrlich luftige Wandmalereien hinterlassen hat. Wer sich von der Schwermut van Goghs erholen will, ist hier genau richtig aufgehoben.

Van Gogh-Haus: 52, Rue du Général de Gaulle, 95430 Auvers-sur-Oise.

Wer hat eigentlich vor den Impressionisten die Kunst revolutioniert? Das waren jene Maler, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts in dem kleinen Dorf Barbizon bei Fontainebleau südlich von Paris niedergelassen haben. Der Ort gab der Gruppe den Namen, in der Künstler wie Camille Corot und Théodore Rousseau den Ton angaben: Schule von Barbizon. Ihr Markenzeichen sind die luftigen Landschaftsdarstellungen und Genrebilder, die so ganz aus dieser schönen Landschaft heraus leben und ihre Atmosphäre beziehen. In Barbizon erinnert heute ein Museum an diese Künstlergruppe. Der Ort selbst bietet jede Menge Charme und dezentes Charisma. Barbizon funktioniert wie jede gut gepflegte Künstlerkolonie: Hier ist die Kunst noch ganz nah, ihr Geist noch spürbar. Barbizon – ein Geheimtipp auch für alle, die von Paris aus einen Abstecher planen.

Museum der Maler von Barbizon, 92, Grande Rue, 77630 Barbizon

Wo anders als an der Côte d´Azur leuchtet die Kunst in ihren hellsten Farben? Diese Küste ist nicht nur eine Adresse des Jetset, sondern auch ein Eldorado für Liebhaber der Kunst. Wer es besonders erlesen haben will, der sucht die Chapelle du Rosaire in Vence unweit von Nizza auf. Das Gebäude wirkt von außen so unscheinbar, dass man den Eindruck gewinnen könnte, sich in der Adresse geirrt zu haben. Wer aber einmal diese kleine Kapelle betreten hat, der taucht in Fluten feinsten Lichts in allen Farben des Sommers. Henri Matisse (1869-1954) hat dieses kleine Gotteshaus mit Fenstern ausgestattet, die nicht wie abstrakte Gemälde im schlanken Hochformat funktionieren. Sie reflektieren auch das Sonnenlicht in schönsten Gelb, Grün und Blau. Auf den Wänden, auf dem Boden, überall spielt dieses farbige Licht. Das ist der Sommer, der Süden, das Mittelmeer. Zum Anbeten, diese Kapelle, auch für jene, denen der Gottesglaube fernliegt.

Die Kapelle von Matisse:  466, Avenue Henri Matisse, 06140 Vence.

Wie verrückt muss dieser kurze, heiße Sommer gewesen sein? 1905 malen André Derain und Henri Matisse um die Wette. Jedes ihrer Bilder strahlt in starken, ungebrochenen Farben. Kritiker nennen sie die Fauves, die Wilden. Sie werfen die Konventionen der Kunst um. Mit den Fauves beginnt in Frankreich eine Malerei, die wie von der Sonne durchglüht scheint, während zeitgleich in Deutschland die Expressionisten der berühmten „Brücke“ das Publikum mit starken Farben und kantigen Formen schockieren. Colliure, das kleine Küstenstädtchen am Mittelmeer, hat mit dem einen verrückten Sommer der Maler seinen Platz in der Kunstgeschichte sicher. Auch Picasso kommt an diesen magischen Ort. Heute erinnern ein Stadtrundgang und ein Museum an jene Kreativen, die für ihre Kunst das pure Sonnenlicht einfingen.

Der Weg des Fauvismus: Rue de la Prud´homie, 66190 Collioure

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