Osnabrück  Sie warten auf Jesus und feiern Trump: Die Evangelikalen und die Schlacht um Amerika

Tobias Sunderdiek
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Von Tobias Sunderdiek
| 30.07.2024 18:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Jesus, Trump, Israel – alles hängt zusammen für manch besonders radikale Evangelikale in den USA. Foto: Imago/Robin Rayne
Jesus, Trump, Israel – alles hängt zusammen für manch besonders radikale Evangelikale in den USA. Foto: Imago/Robin Rayne
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In der neuen Arte-Dokumentation „Armageddon – Die letzte Schlacht“ zeigt die norwegische Filmemacherin Tonje Hessen Schei, wie Bibeltreue in den USA den Nahost-Konflikt anheizen und die US-Politik beeinflussen. Ab 30. Juli in der Mediathek.

Das Kinoplakat zu dieser norwegischen Dokumentation sagt alles: Auf einem Schimmel sitzend ist Jesus zu sehen, wie er durch dramatisch finstere Wolken im Himmel reitet. In der einen Hand hält er eine wehende amerikanische Flagge. In der anderen ein Sturmgewehr. Gemalt ist das Motiv im Stil „typisch amerikanischer“ Christusdarstellungen, also fotorealistisch, einfach abbildend, voller Pathos, kitschig. 

Doch was für viele Europäer wie Satire wirkt, ist dagegen für viele Evangelikale in den USA bitterer Ernst. Ähnliche Abbildungen in diversen Heften oder an Wänden der zahlreichen „Kirchen“ lassen schließlich genau das vermuten.

Vor allem auf dem platten Land, in „God’s own country“, etwa in Idaho oder Colorado sind sie oft zuhause: Bibelfundamentalisten, die gegen Homosexualität, die „Transgender-Ideologie“ oder Abtreibungen sind. Die die Bibel wortwörtlich nehmen, und ihr gesamtes Leben danach richten. Sie stehen im Mittelpunkt der Dokumentation „Armageddon – Die letzte Schlacht“, die am Dienstag, 30. Juli auf Arte zu sehen und anschließend in der Mediathek abrufbar ist.

Der Film zeigt, wie Prediger versichern: Wer kein gottgefälliges Leben führt, den dürfte das letzte Gericht Gottes, das Armageddon, hart treffen. 

Damit aber dieses Gericht überhaupt stattfinden kann, muss es einen Judenstaat im Nahen Osten geben – nur dann kommt, nach dem festen Glauben einiger Evangelikaler, Jesus überhaupt zurück. Und diese Apokalypse soll nah ein. Sehr nah! Und sie soll von Israel ausgehen. Erst dann werde das Blut Christi sie von ihren Sünden reinwaschen.

Dieses glauben laut der Doku vor allem republikanische Christen. Dabei sollen sie bis zu 30 Prozent der Wähler Amerikas ausmachen. Allein die Organisation „CUFI“ („Christians United For Israel“- „Vereinigte Christen für Israel“) hatte 2022 circa 10 Millionen Mitglieder. 

Dabei huldigt die steuerfrei arbeitende Organisation nicht nur dem israelischen Militär und feuert etwa durch großzügige Spenden der Mitglieder, von denen auch Waffen gekauft werden, den Konflikt im Nahen Osten an. Zudem verneinen viele Mitglieder der „CUFI“ auch eine Zwei-Staaten-Lösung und sprechen Palästina sogar das Existenzrecht ab. Die umstrittene Siedlungspolitik Israels, wonach viele Palästinenser ihrer Häuser beraubt werden, sehen sie als gerechtfertigt an.

Und egal, ob Evangelikale unter Trump Bibelstunden im Weißen Haus abhalten oder Trump selbst mit der Bibel in der Hand posiert: Der Einfluss der Fundamentalisten in der US-Politik ist augenfällig.  

Dies alles zeigt der Film der renommierten norwegischen Dokumentaristin Tonje Hessen Schei in erschreckender Weise. So erleben die Zuschauer, wie die Abgeordnete Lauren Boebert aus Colorado, eine knallharte Waffenlobbyistin und Trump-Unterstützerin, schon mal öffentlich als Predigerin in einem Gottesdienst dafür betete, Präsident Joe Biden möge bald sterben. 

Die Republikanerin ist überzeugt: „Es wurden zwei Nationen geschaffen, um Gott zu ehren: Israel und die USA. Ich segne beide, verehre beide. Ich tue alles, um für sie einzustehen und sie zu verteidigen.“

Von der Demokratie zur Theokratie: Das Ziel mancher Evangelikaler, einen Gottesstaat zu gründen, rückt jedenfalls ein kleines wenig näher, sollte Donald Trump erneut die US-Wahlen im November gewinnen. Denn schon jetzt fischt seine Partei in fundamentalistischen Gewässern. Eine gefährliche Mischung.

Info: Die Dokumentation „Armageddon – Die letzte Schlacht“ läuft am Dienstag, 30. Juli, um 22.50 Uhr auf Arte. Sie ist bis zum 27. Oktober in der Mediathek abrufbar.

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