Aus Ruine wird Schmuckstück  Alte Post in Stapelmoor erwacht zu neuem Leben

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 28.07.2024 11:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das denkmalgeschützte Gebäude steht vor der Kreuzkirche. Foto: Gettkowski
Das denkmalgeschützte Gebäude steht vor der Kreuzkirche. Foto: Gettkowski
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Seit 2010 ist die Alte Post eine Brandruine. Viele Dorfbewohner hatten die Hoffnung aufgegeben, dass aus der Sanierung etwas wird. Jetzt soll aus dem Schandfleck doch noch ein Schmuckstück werden.

Stapelmoor - Häuser mit Geschichte haben es Heinz-Gerd Schmidt angetan. Er saniert schon seit einiger Zeit in Eigenarbeit das Gebäude, in dem von 1928 bis 1968 die Polizeistation von Möhlenwarf untergebracht war. Jetzt will er einem weiteren historischen Gebäude neues Leben einhauchen: der Alten Post in Stapelmoor. Heinz-Gerd Schmidt hatte sich im vergangenen Jahr an einem Interessenbekundungsverfahren beteiligt – und den Zuschlag bekommen. Wie viel er für das denkmalgeschützte Haus bezahlt hat und wie viel er in die Sanierung investieren wird, wollte er auf Nachfrage aber nicht verraten.

Das Dach wird komplett neu eingedeckt. Foto: Gettkowski
Das Dach wird komplett neu eingedeckt. Foto: Gettkowski

Es ist vor allem die Geschichte, die Schmidt beeindruckt. Wie in der Stapelmoorer Dorfchronik nachzulesen ist, war in dem Haus einst die Werkstatt des Kupferschmieds und Klempnermeisters Hinderk Donker untergebracht. Unterm Dach entdeckte Schmidt eine kleine Sensation: einen riesigen hölzernen Blasebalg mit Fußpedal, der fest mit dem Dachboden und Dachstuhl verankert ist. „Damit wurde früher die Feuerstelle der ehemaligen Klempnerei und Kupferschmiede im Erdgeschoss betrieben“, berichtet der Investor. Neben der Werkstatt des Handwerkers war in dem Gebäude aber auch die Poststelle beheimatet. Laut Dorfchronik war Donkers Frau Eti dort als Postangestellte beschäftigt. In den 1980er Jahren wurde die Post geschlossen. Danach gab es nur noch eine Poststelle beim damaligen Kaufmann Heijen an der Hauptstraße.

Mit diesem alten Blasebalg wurde die Feuerstelle der Klempnerei und Schmiede von Hinderk Donker im Erdgeschoss betrieben. Foto: Privat
Mit diesem alten Blasebalg wurde die Feuerstelle der Klempnerei und Schmiede von Hinderk Donker im Erdgeschoss betrieben. Foto: Privat

Historischer Blasebalg auf dem Dach

„Ich würde den historischen Blasebalg gerne einem Museum zur Verfügung stellen“, sagt der Investor. Das Teil sei hochwertig, ausschließlich mit Holzzapfen verarbeitet und in einem sehr guten Zustand. „Da steckt kein einziger Holzwurm drin“, versichert er. Das Teil einfach auseinander zu hauen und womöglich zu Brennholz zu machen, sei viel zu Schade. Beim Heimatmuseum in Weener habe er schon angeklopft, ob dort Interesse besteht. „Leider ist dort kein Platz“, bedauert Schmidt und hofft, anderweitig auf Interessenten zu stoßen.

Die Arbeiten kommen flott voran. Baugerüste umgeben die Mauern und das Dach ist schon gedeckt. Schmidt will das Haus von Grund auf sanieren und dort vier Altenwohnungen einrichten. „Zwei oben und zwei unten“, berichtet der Unternehmer, der in Möhlenwarf eine Firma für Innenausbau und Trockenbau betreibt. Um den Bewohnern den Aufstieg ins Obergeschoss zu erleichtern, wird dort ein Treppenlift eingerichtet. Im Dezember sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Doch bis dahin gibt es noch reichlich zu tun. Unter anderm soll die Alte Post neue Fenster nach historischem Vorbild bekommen.

Neben einem neuen Dach erhält die Alte Post auch neue Fenster nach historischem Vorbild. Foto: Gettkowski
Neben einem neuen Dach erhält die Alte Post auch neue Fenster nach historischem Vorbild. Foto: Gettkowski

Seit 2010 Brandruine

Seit mehr als zehn Jahren ist das alte Haus alles andere als eine schöne Visitenkarte für den Ort. Am 4. Oktober 2010 war dort ein Feuer ausgebrochen. Ermittlungen der Polizei ergaben damals, dass es sich um Brandstiftung handelte. Seitdem ist die Alte Post unbewohnbar. Die Denkmalschutzbehörde erachtete das ortsbildprägende Gebäude mit seinem markanten Standort vor der Kirche und dem Friedhof zwar als erhaltenswürdig. Viele Stapelmoorer empfanden die Brandruine mitten im Ort aber eher als Schandfleck und hätten einen Abriss lieber gesehen.

2016 keimte in der Politik in Weener dann aber die Hoffnung auf, das Gebäude mit Zuschüssen aus dem Dorfentwicklungsprogramm sanieren zu können. Die Stadt kaufte dem früheren Eigentümer Pieter Spakmann, einem Niederländer, das Gebäude in der Absicht ab, es sanieren zu lassen. Nachdem Experten allerdings errechnet hatten, dass die Stadt trotz hoher Zuschüsse selbst noch 230.000 Euro Sanierungskosten hätte tragen müssen, fassten Politik und Verwaltung mit Blick auf die klamme Kassenlage der Stadt den Entschluss, das Haus zu verkaufen.

Vier neue Altenwohnungen

Zwischenzeitlich erwarb Piet van der Laan, ein Bauunternehmer aus Wiesbaden mit Wurzeln in Weener, das Haus. Auch er wollte dort Altenwohnungen realisieren, warf dann aber frustriert das Handtuch. Der potenzielle Investor hatte damals die mangelnde Unterstützung durch die Stadt kritisiert. Der neue Eigentümer des Hauses hat solche Erfahrungen nach eigenen Angaben nicht gemacht. „Ob Denkmalpflege oder Bauamt - die Zusammenarbeit mit allen Behörden lief wie am Schnürchen“, betont Heinz-Gerd Schmidt.

Viele Stapelmoorer empfanden die Brandruine mitten in der Ortsdurchfahrt als Schandfleck für den Ort. Als sich die Sanierungsprojekte mehrfach zerschlugen, wurde der Ruf im Dorf nach einem Abriss immer lauter. „Es wäre schön gewesen, wenn das Haus zu unserer 600-Jahr-Feier in diesem Jahr fertig geworden wäre, aber wir sind froh, dass das historische Haus erhalten bleibt“, freut sich Bernhard Siemons, Ortsvorsteher von Stapelmoor.

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