Plage auf Baltrum und Spiekeroog  Mücken nerven Insulaner und Urlauber

Karin Eden
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Von Karin Eden
| 27.07.2024 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mücken können eine echte Plage sein. Symbolfoto: Pleul/dpa
Mücken können eine echte Plage sein. Symbolfoto: Pleul/dpa
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Es ist kein Spaß: Auf Baltrum und Spiekeroog plagen Mücken die Insulaner und die Urlauber. Warum gibt es so viele Mücken – und wie sieht es auf den anderen Inseln aus?

Baltrum/Spiekeroog - Mücken plagten die Fußballer während der Europameisterschaft, Mücken plagen auch Urlauber an Orten, wo man das eher nicht erwarten würde: auf den ostfriesischen Inseln Baltrum und Spiekeroog. Schuld daran sind der milde Winter sowie jede Menge Regen im Winter, Frühjahr und auch im bisherigen Sommer. Das Wasser sammelte sich in den hügeligen Wäldern, in den Senken von alten Gärten auf Spiekeroog und auch in allerlei Gefäßen in den großen Gärten der Insulaner. Ideale Brutstätten für Mücken.

Das führte bereits im Mai zu nahezu schwedischen Verhältnissen. Und das nicht zum ersten Mal, wie der Spiekerooger „Inselbote“ verriet. Im vergangenen Jahr gab es dort ebenfalls eine Mückenplage. Nach wenigen sehr heißen Tagen schwirrten auch in diesem Jahr die Stechmücken bereits beim Maibaumaufstellen massiv aus, plagten dann die Pfingsturlauber gewaltig. Das war insbesondere dadurch begünstigt, dass es nahezu windstill war, was ebenfalls ungewöhnlich auf den ostfriesischen Inseln ist.

Bakterien sollen Larven fressen

Die Spiekerooger schimpften auf die Gemeinde, die „etwas tun müsse“. Tatsächlich hatte die Gemeinde bereits im April Regenrückhaltebecken, den Kurpark-Teich und andere stehende Gewässer mit Bakterien geimpft. Die sollten das Übel im Keim ersticken, indem sie die Larven der Stechmücken fressen. Offensichtlich ohne Erfolg: Vor dem Restaurant „Oll Kark“ kokelten Räucherspiralen nach Sonnenuntergang um die Wette, eine blaue Insektenlampe kündete im Sekundentakt mit einem feinen „klitz“ vom Tod einer Mücke. Auch das hat im Wesentlichen nichts genützt. Ein Restaurant schloss seine Außenterrasse, andere gaben ein Insektenschutzmittel an ihre Gäste aus. Es war zeitweilig auf der Insel vergriffen – schützt aber tatsächlich auch nicht zuverlässig vor den Insekten.

Am Strand von Spiekeroog, wo ein leichter Wind weht, lässt es sich aushalten. Foto: Eden
Am Strand von Spiekeroog, wo ein leichter Wind weht, lässt es sich aushalten. Foto: Eden

Wer den Sonnenuntergang am Strand genossen hatte, spazierte anschließend schnellen Schrittes und wild mit den Händen vor dem Gesicht wedelnd, flankiert von den wunderschön blühenden Heckenrosen, durch eine dichte Mücken-Wolke. Der abendliche Schaufensterbummel wurde mit etlichen Stichen belohnt. Auch im Kino und in den Geschäften machten sich die Mücken rund um die Uhr breit. Lediglich am Strand, an dem stets zumindest ein seichter Wind wehte, konnte man entspannt den Urlaub genießen. Die Gemeinde appellierte an die Insulaner, aktiv gegen die Mücken vorzugehen. In einem Brief wurden sie dazu aufgefordert, Wasser in Dachrinnen, Gießkannen, Eimern und sonstigen Gefäßen zu beseitigen und alle Behälter, in denen sich Wasser sammeln könnte, mit der Öffnung nach unten zu lagern. Regenfässer sollten abgedeckt werden und „regelmäßig restlos leer gegossen und gereinigt werden“.

Naturschützerin empfiehlt Netze

Stehende Gewässer behandelte die Gemeinde auch im Juni und Juli erneut mit den bakterienhaltigen Tabletten, erläuterte Spiekeroogs Bürgermeister Patrick Kösters gegenüber dieser Zeitung. Er empfahl auch den Insulanern, sich diese Tabletten zu besorgen. „Sinnvoller wäre es allerdings, natürliche Fressfeinde auf der Insel anzusiedeln, beispielsweise Fledermäuse: Eine Fledermaus verzehrt 4000 Mücken pro Nacht“, so Kösters.

Die Vermieter sollten sich und ihre Gäste mit Mückennetzen vor den Fenstern schützen, empfahl Swaantje Fock, Geschäftsführerin des Nationalparkhauses Wittbülten auf Spiekeroog. Auch auf Wangerooge sind ihren Angaben nach in diesem Jahr sehr viele Mücken. Sobald es etwas kühler und windiger sei, wäre es aber überhaupt kein Problem.

Das Impfen mit dem Bakterium sieht Fock kritisch. Es beeinträchtige nicht nur die Stechmücken, sondern „sehr viele andere Larven auch sowie die Tiere, die von ihnen leben“. Zudem kann sie der Mückeninvasion durchaus etwas Positives abgewinnen: „Profitieren tun in diesem Jahr die Kreuzkröten. Seit Jahren dürften die mal gute Nachwuchsmöglichkeiten haben. Sie rufen überall!“, berichtete Fock im Mai.

Norderney weist Behauptung zurück

Auf Baltrum gibt es ebenfalls viel zu viele Mücken, sagte Ordnungsamtsleiter Oliver Schütte. Aber man hätte nicht dagegen vorgehen dürfen, da das im Nationalpark nicht erlaubt sei, betonte er. „Juist ist eine Düne, die haben kein Mückenproblem“, berichtete Kösters. Das wurde von dort bestätigt. Auf Langeoog gibt es ebenfalls kein erhöhtes Mückenvorkommen, teilte die Gemeinde mit. Gleiches wurde von Borkum und Norderney gemeldet.

Ein Gastronom von Spiekeroog behauptete gegenüber unserer Zeitung, dass Norderney frei von Mücken sei, weil dort Gift eingesetzt werde. Die Stadt Norderney wies die Behauptung entschieden zurück. Und auch Bernd Geismann vom Naturschutzbund Norderney sagte, dass er es „für sehr unwahrscheinlich“ halte, dass auf Norderney Gift gespritzt wird. „Ich bin viel auf der Insel unterwegs und das hätte ich mitbekommen, wenn das gemacht worden wäre. Ich sitze auch im Stadtrat, da wurde auch nie darüber gesprochen.“ Auf Norderney gebe es eine große Fledermauspopulation, die halte wohl auf natürliche Weise die Mücken in Schach.

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