Berlin  Kamala Harris kontert Trump-Beleidigung: Ihr erster Fehler

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 23.07.2024 16:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Rennen zwischen Trump und Kamala Harris ist kaum eröffnet, schon fangen die Tiefschläge an. Foto: picture alliance/dpa/AP | Evan Vucci / AP | Alex Brandon
Das Rennen zwischen Trump und Kamala Harris ist kaum eröffnet, schon fangen die Tiefschläge an. Foto: picture alliance/dpa/AP | Evan Vucci / AP | Alex Brandon
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Kaum steigt Kamala Harris ins Rennen um die US-Präsidentschaft ein, muss sie auf Beleidigungen von Trump reagieren. Warum ihr erster Konter in die falsche Richtung geht.

Seinen Spottnamen für Kamala Harris hatte Trump, bevor sie überhaupt im Rennen war. „Laughing Kamala“ („Lach-Kamala“), will er sie nennen, rief er schon am Tag vor Bidens Rückzug. Die Frau, die jetzt seine neue Gegnerin im Rennen ums Weiße Haus ist, findet er durchgedreht. Und das sähe man schon daran, wie sie lacht.

Und Harris? Feuert zurück. Die einstige Staatsanwältin verweist auf ihre Erfahrung mit „Typen wie Trump“, mit „Triebtätern, Betrügern und Schwindlern“. Ihr Vorwurf mag fundierter sein als die Gaga-Idee vom irren Lachen – der scharfe Ton ist trotzdem falsch.

Schon deshalb, weil Trumps Anhänger die Schmähung persönlich nehmen. Und Angriffe auf ihn selbst definiert Trump als Beleidigung seiner Wähler. Wer ihn als Verbrecher behandelt, holt niemanden aus seinem Lager ab.

Noch wichtiger: Kamala Harris’ Gegner ist nicht allein Trump. Sie tritt auch gegen eine Polarisierung an, die Trump massiv vorantreibt, weil sie ihm nutzt – die aber nicht mit ihm verschwinden wird. Das Freund-Feind-Denken teilt die ganze Nation. Bis auf wenige Swing-States sind die US-Staaten demokratisches oder republikanisches Terrain. Auch die Medien werden als Partei wahrgenommen.

Die Unversöhnlichkeit des Konflikts ist staatsgefährdend: Nachdem Trump das Vertrauen in Wahlen zerstört hat, halten nicht wenige politische Gewalt für akzeptabel. Beim Sturm auf das Kapitol wollten Trumps Anhänger sogar dessen eigenen Vize-Präsidenten Mike Pence aufhängen – weil er nicht radikal genug war.

Was die USA jetzt brauchen, ist deshalb nicht die bessere Pointe über den Gegner – sondern eine echte Integrationsfigur. Wenn Kamala Harris dem Land etwas Gutes tun will, arbeitet sie an einer Botschaft, der auch die anderen zuhören können.

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