Hamburg Kombinierter FKK- und Hundestrand: Müssen Halter nackt sein?
Wer an Nord- und Ostsee nach einem Hundestrand für seinen Vierbeiner sucht, landet an manchen Küstenabschnitten im FKK-Bereich. Stark Behaarte neben ganz Nackten, diese Kombination erschließt sich zumindest nicht sofort. Wir haben nachgefragt.
Urlaub mit Hund wird immer beliebter – entsprechend haben sich auch an den Küsten Gastgeber und Gemeinden auf die tierischen Gäste eingerichtet. Eine hundefreundliche Unterkunft zu finden, ist deshalb meist nicht besonders schwer. Anders sieht es bei der Strandnutzung aus, zumindest in der Hauptsaison: Während im Winter Hunde fast überall erlaubt sind, ist das im Sommer nicht der Fall. Die meisten Badeorte verzeichnen dafür ausgewiesene Hundestrände, die zumeist etwas am Rande liegen.
Denn Nutzungskonflikte zwischen Hunden und menschlichen Badenden sind vorprogrammiert: Nicht entsorgte Hinterlassenschaften der Tiere sind ebenso ein Ärgernis wie der Raubüberfall auf das Lunchpaket in der Nachbarstrandmuschel. Tobende Hunde und kleine Kinder sind ebenfalls oft keine gute Kombination.
Bleibt also der Hundestrand, doch hier finden sich bekleidete Mensch und Vierbeiner gelegentlich unter Nackten wieder: An etlichen Strandabschnitten an Nord- und Ostsee sind FKK- und Hundebereich nämlich kombiniert. So etwa am Samoa-Strandabschnitt in Rantum oder auch an der berühmten Buhne 16 in Kampen, wo allerdings inzwischen auch Bekleidete baden dürfen.
Denn das Sylt-Marketing verzeichnet eine Umkehrung der Badetrends: „Der Hundestrand Abschnitt Buhne 16 in Kampen ist sowohl Textil als auch FKK“, heißt es von einer Sprecherin. Früher sei das ein reiner FKK-Bereich gewesen, das habe sich durch den Nachfragerückgang nach FKK-Stränden aber geändert. „Die Nachfrage nach Hundeständen wächst jedoch stetig“, heißt es von Deutschlands nördlichster Insel.
Traditionell verbreitet ist die Freikörperkultur vor allem im Osten. Aber auch hier müssen sich immer wieder Nackte und stark behaarte Vierbeiner einen Strandabschnitt teilen, etwa auf Usedom am Strand Trassenheide. In Warnemünde wiederum wird nach einer Petition jetzt nachgeschärft: Weil sich laut einer neuen Strandsatzung FKK-Badende einen Teil ihres angestammten Territoriums künftig mit Hunden teilen sollten, regte sich Protest. Nach Auskunft der Tourimsuszentrale Rostock und Warnemünde sei es „im Mischbereich Hundestrand/FKK Strand zu Konflikten zwischen Anhänger*innen der Freikörperkultur und Hunden, bzw. ihren Besitzer*innen gekommen“.
Der Protest der FKKler hatte Erfolg: Die Strandsatzung soll jetzt noch einmal überarbeitet werden. „Überschneidungen von unterschiedlichen Interessengruppen sind manchmal nicht nur unvermeidbar, sondern auch sinnvoll“, sagt allerdings Moritz Naumann von der Tourismuszentrale auf Nachfrage unserer Redaktion. „Schließlich gibt es auch FKK-Badende, die einen Hund besitzen.“
Neben den Nutzungskonflikten zwischen Hunden und Menschen bietet der Mix aus FKK- und Hundestrand aber noch anderes Frustpotential – etwa wenn es um die Frage geht, ob Hundebesitzer sich eigentlich auch ausziehen müssen. „An FKK-Stränden ist in Rostock das Baden oder Sonnenbaden Personen vorbehalten, die dies ohne Bekleidung machen möchten. Eine Pflicht zur Freikörperkultur gibt es in diesen Bereichen aber nicht“, sagt dazu Moritz Naumann.
Alfred Sigloch, der Präsident des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur, sieht die Sache so: „Befinden Sie sich auf einem FKK-Strand, auf dem Hunde erlaubt sind, sollten Sie sich entsprechend der Gegebenheit vor Ort verhalten, d.h. bei entsprechender Witterung sollten Sie sich Ihrer Kleidung entledigen, sie befinden sich ja auf einem FKK-Strand.“ Konflikte könne es ansonsten ohnehin immer geben: „Das liegt daran, dass nicht alle Menschen – egal ob Textiler oder FKKler – Hunde mögen oder sich in deren Nähe wohlfühlen“, so Sigloch.
Und ob überhaupt die Hunde selbst sich in sengender Sommersonne am Strand so wohlfühlen, ist zumindest für den Geschäftsführer des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) Jörg Bartscherer noch gar nicht ausgemacht: „Es ist für Hunde ja auch nicht gerade toll, den ganzen Tag am Strand zu liegen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Ärger über schlecht erzogene Hunde, die den Nachbargrill plündern, kann er nachvollziehen: „Das wäre für mich auch ein Ärgernis.“
Bartscherer plädiert für gegenseitige Rücksichtnahme – und eine alltagstaugliche Hundeerziehung. Er verweist außerdem auf Frankreich, wo an vielen Stränden Hunde tagsüber gar nicht, dafür aber zwischen 21 Uhr und 9 Uhr erlaubt sind. Dieser Kompromiss ist auch in Warnemünde im Gespräch – zumindest für den Strandabschnitt, den sich die Hunde bislang mit den FKK-Badenden teilen.