Tierheim im Kreis Cloppenburg Tierheim wartet auf eine neue Bleibe
Die Verhandlungen für ein neues Grundstück laufen. Es stehen aber weiterhin Entscheidungen aus. So lange muss sich der Tierschutzverein Friesoythe und Umgebung mit den vielen Baustellen arrangieren.
Sedelsberg/Landkreis Cloppenburg - Seit mehr als drei Jahren ist ein Neubau für das Tierheim im Landkreis Cloppenburg Thema. Getan hat sich bisher nicht viel. Der Tierschutzverein Friesoythe und Umgebung muss sich für die Versorgung von Fundtieren immer noch mit dem früheren Bauernhaus an der Friesoyther Straße in Sedelsberg arrangieren. Seit 1992 finden dort bereits Hunde, Katzen und andere Tiere aus dem gesamten Kreis Zuflucht. Zu wenig Platz, abgängige Bausubstanz... Baustellen gibt es an allen Ecken und Enden. Diese Redaktion hat sich die Lage vor Ort angeschaut.
Indes geht es in Sachen neuer Standort schleppend voran. Derzeit befindet sich der Landkreis in Verhandlungen mit dem Eigentümer des infrage kommenden Grundstücks, erklärt Pressesprecher Frank Beumker. Die nächsten Schritte könnten erst folgen, wenn das final bestimmt ist. Außerdem müssten die Kommunen immer noch dem Kreis gegenüber verbindlich erklären, dass sie die Maßnahme zentral an einem Standort umsetzen wollen. Denn nach Gesetz sind die Städte und Gemeinden für die Unterbringung von Fundtieren verantwortlich; der Kreis tritt als freiwilliger Dienstleister auf.
Großartige Verbesserungen gab es in jüngster Zeit nicht
Um so lange den Betrieb noch aufrechtzuerhalten, seien laut Beumker mehrere Bauunterhaltungsmaßnahmen vorgenommen worden. Zudem sei dem Tierheim im Frühjahr ein Bürocontainer zur Verfügung gestellt worden. Auch wenn Tierheim-Leiterin Franka Thun und Vereinsvorsitzende Monika Böker dankbar sind für alles, was der Landkreis freiwillig leistet – großartig verbessert hat sich für ihre Arbeit in jüngster Zeit nicht viel, erzählen sie im Gespräch.
Das Leitungsbüro, das vorher im Katzenhaus untergebracht war, findet nun in dem schmalen Container Platz. Dafür kann der Raum wieder von Vierbeinern genutzt werden. Seitdem ist die Telefonverbindung aber schlecht, weil der Metallcontainer das Signal abschirmt, berichtet Böker. Die Sanierung der Kreisstraße direkt vor der Tür habe dafür gesorgt, dass die Autos vorbeirasen. Eine Tempo-Beschränkung wie vor Altersheimen gab es für das Tierheim nicht. Daher sei das Überqueren der Straße beim Gassigehen gefährlich geworden. Der Keller sei immer mal wieder nass, auch wenn provisorisch eine Ableitung gebaut wurde. Die alte Heizung im Katzenhaus macht Probleme. Waschmaschinen hatten öfter nach kürzester Zeit Kurzschlüsse, sodass die Vorsitzende vermutet, dass die alten, überlasteten Leitungen damit etwas zu tun haben. Die Pflasterung sackt immer mal wieder ab, Lagerfläche fehlt überall, Parkplätze sind kaum vorhanden. Die Liste von Thun und Böker ist lang. Notwendige Reparaturen zahlt der Verein aus eigener Tasche.
Medizin, Futter, Energie und Co. werden durch Spenden finanziert
220.000 Euro erhält der Tierschutzverein von dem Landkreis und den Kommunen jährlich. 240.000 Euro kostet allerdings nur das Personal. Alles andere werde durch Spenden finanziert, so Böker. Um sich zukünftig besser auf die Beine zu stellen, sollen ab 2025 Fundtierverträge mit den einzelnen Kommunen abgeschlossen werden, erklärt Thun. Derzeit gibt es einen Vertrag mit dem Kreis, die Städte und Gemeinden zahlen einen Beitrag nach Einwohnerzahl. In Zukunft soll jede Kommune für die Kosten „ihrer“ Fundtiere aufkommen. Das bedeutet mehr Papierkram, weiß Thun, sei aber längst überfällig. Wenn die Kommunen für ihren Teil aufkommen würden, könnten die Spenden auch wieder als solche verwendet werden, hofft Böker.
Es gibt Unterschiede, wie viele Tiere pro Gemeinde gefunden werden, beobachtet Thun. Das liege unter anderem daran, wie stark die Verwaltungen die geltende Kastrationsverordnung für Katzen umsetzen. Die Städte und Gemeinden würden bei Fundtieren oft die Verantwortung von sich weisen. Dann kämen die Menschen vollkommen verzweifelt zu ihnen, berichtet Böker.
Verantwortliche zeigen wenig Verständnis
Warum sich die Zustimmung für eine gemeinsame Lösung so lange hinzieht, können die Verantwortlichen des Tierheims nicht nachvollziehen. Die Alternative wäre, dass eine Kommune selbst für tierschutzgerechte Räumlichkeiten und Fachpersonal sorgen müsste. Das würde wesentlich mehr kosten als der Anteil für einen Neubau, meint Thun. Noch haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Am dringendsten wünscht sich Böker Sozialräume für die Mitarbeiter und eine Kranken- und Quarantänestation für die Tiere. Ein vernünftiges Kleintiergehege und Volieren wären dringend nötig. Thun freut sich darauf, irgendwann wirtschaftlicher arbeiten zu können.
Aktuell investiert der Verein erneut eigene Zeit und Geld, um das Beste aus der Lage zu machen. Die Fußböden in den Hundezwingern werden erneuert, schildert Thun. Der alte, rissige Boden wird gegen einen neuen Belag ersetzt, der wesentlich einfacher zu reinigen sei. Dennoch ist das alles keine Lösung auf Zeit. Besondere Ansprüche an eine neue Bleibe haben sie nicht, so Böker, vorstellen könnten sie sich so gut wie alles. Bloß sollte irgendwann eine Verbesserung her. Wann es so weit sein wird, gilt abzuwarten.