Norderney  Sollte man den Wolf auf Norderney suchen? Was Touristen wissen müssen

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 18.07.2024 16:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Wolf auf Norderney tappt in die Fotofalle: Eine Wildtierkamera filmt den Rüden auf der Insel im Nationalpark. Foto: NLPV
Der Wolf auf Norderney tappt in die Fotofalle: Eine Wildtierkamera filmt den Rüden auf der Insel im Nationalpark. Foto: NLPV
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Seit fast einem Monat ist die Ankunft des Wolfes auf Norderney bekannt. Zu Begegnungen mit Einheimischen oder Touristen kam es bislang noch nicht. Könnte das passieren – und wie müsste man sich dann verhalten?

Der Wolf auf Norderney hält sich gut versteckt – noch hat das Tier auf der Ostfriesischen Insel niemand live gesehen. Allerdings war der Wolf zweimal unvorsichtig, als er in eine Fotofalle im Nationalpark tappte.

Eine Rangerin hatte das Tier bei der Auswertung von Aufnahmen aus Wildtierkameras entdeckt. Die Bilder stammen vom 6. und 20. Juni. Das Wolfsbüro im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bestätigte anhand der Aufnahmen, dass es sich um einen Wolf handelt – vermutlich einen jungen Rüden.

Seitdem konnten weitere Belege für den Wolf im Bereich Südstrandpolder gesammelt werden. Eine Drohne mit Wärmebildkamera entdeckte den Wolf in der Ruhezone des Nationalparks.

In der Nähe sichtete die Drohne außerdem ein totes, angefressenes Stück Damwild. Die Fraßspuren waren eindeutig. Risse von Nutz- und Haustieren sind nach Angaben vom Nationalpark Wattenmeer bislang aber keine gemeldet oder nachgewiesen. Demnach hielt sich der Wolf auf Norderney von Weidetieren fern. Auf der Insel leben keine Schafe, aber eine Reihe von Pferden und eine Herde Galloway-Rinder, die vom Wolf angegriffen werden könnten.

Wölfe sind schon seit Längerem an der niedersächsischen Küste unterwegs. Das zeigen auch Risse an Nutztieren wie Deichschafen, die immer wieder vorkommen. Dass Wölfe auch auf Inseln gesichtet werden könnten, sei „immer im Bereich des Möglichen“, teilte die Nationalparkverwaltung mit. Doch: „Eine dauerhafte Ansiedlung von Wölfen dort ist unwahrscheinlich, da die Inseln dafür zu klein sind.“

Der Wolf ist laut der bisherigen Erkenntnisse durch das Watt auf die Insel gelangt. Das Gebiet zwischen dem ostfriesischen Festland und Norderney mit den offenen Wattflächen und den – bei Niedrigwasser – relativ schmalen Prielen dürfte ohne größere Probleme vom Wolf überquert werden können, heißt es von der Nationalparkverwaltung. Die Route von rund 3,5 Kilometern Länge nutzten laut Nationalparkverwaltung seit längerem größere Säugetiere wie etwa Damwild für regelmäßige Überquerungen zur Insel.

Wölfe seien sehr mobil. Jungtiere könnten auf der Suche nach einem neuen Revier bis zu 80 Kilometer am Tag zurücklegen. Doch nicht nur das: Wölfe können auch schwimmen und seien dadurch in der Lage, Priele im Watt zu durchqueren.

Karte zeigt: So kam der Wolf vermutlich nach Norderney

Seit der bestätigten Ankunft des Wolfes auf Norderney laufen verschiedene Maßnahmen auf der Insel zur Überwachung. Wie die Nationalparkverwaltung mitteilt, gehören dazu:

Die Nationalparkverwaltung bittet darum, zufällige Sichtungen des Wolfes zu melden. Möglich ist dies unter der Telefonnummer 04421 911-0 oder per E-Mail. Auch über die App „Wolfsmeldungen Niedersachsen“ der Landesjägerschaft Niedersachsen können Sichtungen mitgeteilt werden. Allerdings sollte nicht gezielt auf die Suche nach dem Tier abseits der Wege im Nationalpark gegangen werden.

Nach der Ankunft des Wolfes auf Norderney gab es erste Befürchtungen von Urlaubern. Wie Bürgermeister Frank Ulrichs in einem Interview mit unserer Redaktion angab, hatten zwei Gäste ihren Aufenthalt auf der Nordsee-Insel aus Furcht vor dem Raubtier storniert. Das seien seltene Einzelfälle, die meisten Touristen würde nach wie vor kommen, zeigte sich Ulrichs überzeugt.

Gäste müssen sich aktuell keine Sorgen machen. Bislang hat es auf der Insel keine Begegnungen mit Menschen gegeben. Die Nationalparkverwaltung beruhigt: Für eine Gefährdung des Tourismus oder für einzelne Personen gebe es derzeit keinerlei Anzeichen. Diese seien auch nicht zu erwarten. In der Regel flüchte das Tier vor Menschen.

Das Wolfsbüro gibt Empfehlungen ab, wie man sich bei einer Begegnung verhalten sollte. Demnach gilt:

Ähnliche Regeln zum Umgang mit dem Wolf gelten im Nationalpark. Dort sollten sich Besucher den Wildtieren nicht annähern. Das Abstandhalten ist nur nicht beim Wolf wichtig, sondern auch bei Seehunden und Kegelrobben. Hunde müssen an der Leine geführt werden und Touristen sollten beim Erkunden auf den zugelassenen Wegen bleiben. Müll sollte nicht in der Natur liegen bleiben, insbesondere keine Lebensmittelreste. Der Wolf und andere Wildtiere könnten den Menschen sonst als „Fast-Food-Quelle“ ansehen.

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Denkbar ist, dass Wölfe vom Festland zu allen ostfriesischen Inseln laufen, die durch das Watt für Menschen oder andere Säugetiere erreichbar sind. Von Insel zu Insel können die Raubtiere allerdings nicht übersiedeln, weil sie durch tiefe Seegats mit starker Strömung voneinander getrennt sind, teilt die Nationalparkverwaltung mit. Ob Juist, Baltrum oder Langeoog: Eine Abfrage unserer Redaktion auf den ostfriesischen Inseln ergab ein recht eindeutiges Bild, ob dort mit dem Wolf zu rechnen sei.

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