„Fremantle Highway“-Unglück Autos von Feuer-Frachter dürfen nicht in Verkauf
BMW-Fahrzeuge im Wert von Millionen, die das Feuer auf der „Fremantle Highway“ überstanden, landen nun wohl auf dem Schrott. Händler wollten sie verkaufen, doch der Hersteller zog vor Gericht.
Den Haag - Jetzt steht es fest: 260 Fahrzeuge der Marke BMW, die das Feuer auf dem Autotransporter „Fremantle Highway“ vor knapp einem Jahr zumindest auf den ersten Blick relativ unbeschadet überstanden hatten, dürfen nicht an Endkunden verkauft werden. Das hat ein Gericht in Den Haag am Montag entschieden, wie aus dem im Internet veröffentlichten Urteil hervorgeht.
Auf der „Fremantle Highway“ war Ende Juli vergangenen Jahres ein Feuer ausgebrochen, als das Schiff mit rund 3700 Autos an Bord vor der niederländischen Insel Ameland unterwegs war. Ein indischer Seemann kam während der Evakuierung des Frachters ums Leben, weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Während der tagelangen Bergungsarbeiten auf See herrschte auch in Ostfriesland die Sorge vor einer Umweltkatastrophe durch austretendes Schweröl oder verloren gegangene Fracht. Das schwer beschädigte Schiff wurde schließlich nach Eemshaven geschleppt, wo ein Großteil der Ladung von Bord gebracht wurde. Viele der fabrikneuen Autos wirkten so gut wie unbeschadet, als sie aus dem Bauch der „Fremantle Highway“ gefahren wurden.
Unternehmer kauften Autos für mehr als fünf Millionen Euro aus Taiwan
Ein Zusammenschluss von Unternehmen aus Rotterdam kaufte die 260 Autos, um die es nun vor Gericht ging, im Oktober vergangenen Jahres über einen Zwischenhändler von einer taiwanesischen Versicherungsgesellschaft – zum Preis von insgesamt 5,1 Millionen Euro, wie aus den online veröffentlichten Gerichtsdokumenten hervorgeht. Mit dem Vorhaben, die Fahrzeuge an Endkunden zu verkaufen und damit auf die Straße zu bringen, war BMW allerdings nicht einverstanden.
Der Münchner Autobauer führte Sicherheitsbedenken an und fürchtete einen Imageschaden für den Konzern. BMW ließ die 260 Autos Ende vergangenen Jahres gerichtlich beschlagnahmen, um einen Weiterverkauf durch die Rotterdammer Unternehmen vorerst zu verhindern.
BMW-Ingenieur sieht gravierende Sicherheitsprobleme
BMW untersuchte auch selbst Fahrzeuge, die während des Brandes auf den unteren Decks der „Fremantle Highway“ gestanden hatten. Das Feuer hatte vor allem im oberen Teil des Schiffs gewütet. Die Ergebnisse der Untersuchung durch einen BMW-Ingenieur finden sich nun in den Gerichtsdokumenten wieder: „Die Fahrzeuge sind keinesfalls ‚wie neu‘ und damit nicht für den Wiederverkauf geeignet“, heißt es darin.
Dass die Autos während des Brandes großer Hitze, Chemikalien und womöglich auch Meerwasser ausgesetzt waren, könne einen entscheidenden Einfluss auf deren Funktionalität und Sicherheit haben. Es sei eine Illusion, zu glauben, dass die Fahrzeuge nach dem Waschen in Eemshaven und einer kurzen Inspektion für verkehrstauglich erklärt werden könnten, schreibt der BMW-Mitarbeiter.
Bei Verstößen drohen den Unternehmern hohe Geldstrafen
Der deutsche Autobauer hatte bereits während des Prozesses deutlich gemacht, dass er für die Autos – darunter Top-Modelle wie der BMW M340i und M440i mit Neupreisen von mehr als 100.000 Euro – nur eine Verwendung sieht: die Verschrottung. Diesen Weg hätten auch andere vom „Fremantle Highway“-Brand betroffene Hersteller wie Mercedes und Audi für ihre Fahrzeuge gewählt, wie es Ende Juni hieß.
Damals hatten die Rotterdammer Unternehmen vorgeschlagen, die Autos nur außerhalb der EU zu verkaufen – ein Kompromiss, auf den sich das Gericht nun nicht einlassen wollte. Der Richter verbat mit seinem Urteil den Weiterverkauf und stellte den Unternehmern hohe Geldstrafen in Aussicht, sollten sie es dennoch tun. Für jeden der 260 BMW – und auch für weitere Fahrzeuge des deutschen Herstellers, die während des Feuer an Bord der „Fremantle Highway“ waren – würden im Falle eines Verstoßes 250.000 Euro fällig, bis zu einer Maximalsumme von 50 Millionen Euro. Was die Unternehmer nun mit den 260 Autos vorhaben, ist bisher unklar.