Anbau ist seit 1. Juli legal  Ostfriesische Cannabis-Clubs sind noch zögerlich

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 16.07.2024 11:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Pflege unter professionellen Bedingungen: Eine Cannabis-Pflanze wird im Labor sorgfältig versorgt. Symbolbild: Pixabay
Pflege unter professionellen Bedingungen: Eine Cannabis-Pflanze wird im Labor sorgfältig versorgt. Symbolbild: Pixabay
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Seit Anfang des Monats können Vereine bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen Anträge für den Cannabis-Anbau stellen. Warum halten sich ostfriesische Vereine bisher zurück? Wir haben nachgefragt.

Ostfriesland/Oldenburg - Seit dem 1. Juli können Interessierte bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einen Antrag stellen, wenn sie Cannabis anbauen wollen. Antragsteller bewerben sich damit als Cannabis-Anbauvereinigung. Die Voraussetzung dafür: Es muss sich um einen registrierten Verein oder eine Genossenschaft handeln.

Während Anbau und Konsum von Cannabis im privaten Raum schon seit 1. April erlaubt sind, folgten die Vereine jetzt in einer zweiten Stufe. Interessierte können sich online registrieren und dann einen Antrag stellen.

Die ersten Lizenzen wurden vergeben

Auf Nachfrage unserer Redaktion verrät Wolfgang Ehrecke, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dass bis zum Abend des 12. Juli insgesamt 50 Registrierungen für das Verfahren eingegangen waren. Allerdings: Davon hatten nur 17 auch den anschließenden Antrag als Cannabis-Anbauvereinigung gestellt. Zwei Anträge wurden abgelehnt und drei wurden bisher genehmigt. Die erste Lizenz hat Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) am 8. Juli selbst an den „Cannabis Social Club Ganderkesee“ überreicht. Die zweite Genehmigung in Niedersachsen ging in den Landkreis Friesland.

Die Region Ostfriesland ist unter den 17 Antragstellern kaum vertreten – nur die Stadt Emden ist dabei. Im Umland gingen neben dem Antrag aus Friesland auch jeweils einer aus dem Landkreis Emsland und sowohl einer aus dem Landkreis als auch aus der Stadt Oldenburg ein.

Am 1. April 2024 ist das Cannabis-Gesetz in Kraft getreten. Kiffen ist seitdem legal. Am 1. Juli ging es in die zweite Runde: Vereine und Genossenschaften können sich seitdem als Anbauvereinigung bewerben. Symbolfoto: Pixabay
Am 1. April 2024 ist das Cannabis-Gesetz in Kraft getreten. Kiffen ist seitdem legal. Am 1. Juli ging es in die zweite Runde: Vereine und Genossenschaften können sich seitdem als Anbauvereinigung bewerben. Symbolfoto: Pixabay

Ein Schritt nach dem anderen

Für den Verein CSC-Niedersachsen aus dem Kreis Friesland ist die Genehmigung ein Highlight. Das ganze Team habe gejubelt, versichert Gründungsmitglied Petra Borchers. 170 Mitglieder zählt der Verein, 30 Plätze wolle man noch vergeben. „Danach ist Schluss“, sagt Borchers. Dann gehe es erst einmal nur um den Anbau – ein Schritt solle dem anderen folgen. Aufgrund von Bauarbeiten dauere es etwas, bis letztlich Cannabis aus Friesland konsumiert werden könne – im schlechtesten Fall bis November. „Vielleicht aber auch schon vorher“, hofft Borchers.

Weitere Niederlassungen in Niedersachsen – etwa in Ostfriesland – lehnt der Verein derzeit ab. Es handele sich schließlich um kein Franchise-Unternehmen, gibt Borchers zu bedenken. „Der Verein hat viele Mitglieder in Emden, aber wir machen das jetzt erstmal hier in Friesland fertig“, so das Gründungsmitglied.

Nicht alle Interessierten reichen einen Antrag ein

Lokale Cannabis-Vereine in Ostfriesland gibt es – auch wenn die Zahlen von der Landwirtschaftskammer anderes vermuten lassen. Der Mariana Cannabis Social Club hat Stellen in Aurich und Emden. Einen Antrag für eine offizielle Anbaugenehmigung hätten die Vereine, die einem Dachverein in Göttingen untergeordnet sind, nicht gestellt, sagt Pressesprecherin Sonja Beeker. Der Grund: Mariana Cannabis wolle das Konzept erst einmal in der Nähe von Leverkusen testen, dann sollten andere lokale Vereine nachziehen. Der Lokalverein in Emden sei mittlerweile aber als solcher registriert, versichert Beeker. Er könne somit bei der Landwirtschaftskammer einen Antrag stellen. Die vielen Vorgaben seien aber eine Herausforderung.

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