Norderney  Auricher Problemwolf: Kann man den nicht auch nach Norderney verschicken?

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 14.07.2024 10:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Lächelt Norderneys Wolf deshalb in alle Wildkameras, weil er uns etwas sagen will? (Symbolfoto) Foto: IMAGO/Funke Foto Services
Lächelt Norderneys Wolf deshalb in alle Wildkameras, weil er uns etwas sagen will? (Symbolfoto) Foto: IMAGO/Funke Foto Services
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Nach mehreren Schafsrissen wollte der Landkreis Aurich einen Wolf abschießen lassen. Das hat ein Urteil vorerst verhindert. Könnte man das Problemtier nicht einfach verschiffen? Auf die schöne Insel Norderney, wo es schon einen Wolf gibt – aber kein einziges Schaf?

Am Wolf scheiden sich die Geister – an dem Auricher Problemtier sowieso. Aber auch an dem Artgenossen, der gerade zur Sommerfrische auf Norderney abgestiegen ist. Wolfshasser sehen eine feindliche Invasion, Naturschützer die maritime Ausnahmeleistung: Wattwandern ohne Gezeitenkalender. Und örtliche Möwen fürchten Futterkonkurrenz bei der Fischbrötchen-Jagd.

Womöglich verstellt das alles nur den Blick auf die wahre Lesart: die politische. Kommt der Wolf – als Diplomat? Lächelt er nur deshalb in immer neue Wildtierkameras, weil er uns etwas mitteilen will? Hat er gezielt eine Insel ohne Nutztierhaltung ausgesucht? Weil genau hier die Lösung für alle Revierkonflikte von Menschen und Wölfen liegt? In einem Habitat ohne Landwirte, einem Ort, an dem der Wolf nicht mal mehr versehentlich Schaffe fressen kann – sondern nur noch all die Kaninchen, die sonst ihrerseits die Deiche fressen würden? Wird der Wolf auf der Insel zum Nützling?

Das Wildtier hat den ersten Schritt gemacht. Jetzt sind wir am Zug, sprich: die Politik und ein durchdachter 10-Punkte-Plan. Zuerst kommt der Auricher Problemwolf auf die Insel, den der Landkreis nicht abschießen darf. Dann Deutschlands komplette Wolfspopulation.

Klingt ideal, hat aber leider einen Haken: Deutschlands Inseln sind zu klein. Norderney zum Beispiel misst keine 30 Quadratkilometer. Für die 184 Wolfsrudel, 47 Paare und 22 Einzeltiere, die – Stand 2023 – in Deutschland gezählt wurden, ist das zu eng. Auf so knappem Raum fühlt sich nur eine einzige Spezies wohl: die 590.000 Touristen, die jedes Jahr auf die Insel kommen. Und die nur, wenn man sie sauber Handtuch an Handtuch platziert.

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